ABO

Wienwert - Zeugin: Investoren wurden im Dunkeln gelassen

Subressort
Aktualisiert
Lesezeit
7 min
Verkauf von Getreidemarkt-Immobilie weiter im Fokus
©HELMUT FOHRINGER, APA, Themenbild
Im Prozess rund um die pleitegegangene Wienwert-Immobiliengruppe ist es am Donnerstag erneut um den Verkauf der Immobilie am Getreidemarkt 10 in Wien im Jahr 2017 gegangen. Die Anklage sieht darin einen "Notverkauf" der bereits strauchelnden Immogruppe sowie eine Prellung beteiligter Investoren. Die befragte Zeugin B. sagte aus, dass Investoren rund um den Verkauf im Dunkeln gelassen wurden, von "Vogelstraußpolitik" und einem Vorgehen "jenseits von Gut und Böse" war die Rede.

von

News auf Google bevorzugen

B. war Geschäftsführerin der Wienwert Immobilien Treuhand GmbH. Diese hielt zum Zeitpunkt des Verkaufs treuhändisch die Anteile der Wienwert Holding und von 47 weiteren Investoren an jener Projektgesellschaft, in deren Besitz sich die Liegenschaft am Getreidemarkt befand.

"Man hat mich komplett im Dunkeln gelassen", sagte B. im Zusammenhang mit dem Verkauf. Einer der 47 Investoren habe sie auf einen Artikel im "Standard" aufmerksam gemacht, wonach die Liegenschaft verkauft worden sei. Die Entscheidung zu verkaufen lag beim Geschäftsführer der Projektgesellschaft - dem damaligen Wienwert-Chef und nunmehrigen Hauptangeklagten Stefan Gruze. Für ihn wie alle weiteren Angeklagten gilt die Unschuldsvermutung.

Die Zeugin bestätigte aber zugleich, dass Gruze als Geschäftsführer befugt war, den Verkauf ohne ihre Zustimmung durchzuführen. Kritik übte sie allerdings daran, dass ein Teil des Verkaufserlöses als Darlehen an die Wienwert Holding floss. Aus ihrer Sicht hätte das Geld in der Projektgesellschaft verbleiben und an die Investoren verteilt werden müssen. Zudem wäre sie als Geschäftsführerin der Treuhand-Gesellschaft "schon gerne informiert worden".

Dies rief Gruzes Anwalt Norbert Wess auf den Plan, der die Zeugin fragte, ob der Syndikatsvertrag (dieser regelte die Beteiligung von Kleininvestoren an der Getreidemarkt 10 GmbH) ein Darlehen ausschloss und ob darin vorgesehen war, dass sie informiert werden musste. Beides verneinte B. nach einem kurzen Wortgefecht mit dem Anwalt schlussendlich. Der Syndikatsvertrag schließe die Darlehensvergabe zwar nicht explizit aus, eine ausdrückliche Befugnis dafür sah sie allerdings auch nicht gegeben.

Gruze, der in dem Großverfahren bereits zum Teil Verantwortung übernommen hat, räumte auch am Donnerstag grob fahrlässige Beeinträchtigung von Gläubigerinteressen im Rahmen des genannten Immodeals ein. "Aus heutiger Sicht habe ich zu viel Risiko übernommen", so Gruze. Zu keinem Zeitpunkt habe er aber vorgehabt, die Wienwert-Gruppe zu schädigen.

Am Donnerstag nahm auch ein ehemaliges Aufsichtsratsmitglied in der Wienwert-Gruppe unter anderem dazu Stellung, ob im Aufsichtsgremium thematisiert wurde, wie die Investoren abgefunden und das Darlehen zurückgeführt werden sollten. Mit der Abfindung der Investoren habe sich der Aufsichtsrat nur am Rande beschäftigt. Das Darlehen sollte etwa durch den Verkauf von Anteilen der Wienwert AG im Folgejahr zurückgeführt werden, gab er an. Dazu kam es allerdings nicht mehr, denn bald darauf folgte die Insolvenz der Immogruppe.

Auch ein Mitarbeiter des Rechnungswesens der Wienwert-Gruppe wurde als Zeuge befragt. Dieser brachte kaum Erkenntnisgewinn, nachdem ihm nur wenig rund um die fast zehn Jahre zurückliegenden Vorgänge erinnerlich war. Zur finanziellen Lage der Wienwert gab er an, die Immogruppe sei zwar nicht in Liquidität geschwommen, habe aber durch Umfinanzierungen die laufenden Verbindlichkeiten bedienen können.

Laut Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) ist der damalige Wienwert-Chef und Hauptangeklagte Gruze zum Zeitpunkt des Verkaufs der Getreidemarkt-Immobilie unter Druck gestanden, Anleiheverbindlichkeiten der Wienwert Holding (Mutterkonzern der Wienwert-Gruppe) fristgerecht bedienen zu können. Aus dem Verkauf der Liegenschaft habe sich Gruze entsprechende Liquidität erhofft, so die Anklage. Gruze war demnach Alleingesellschafter der Projektgesellschaft, die das Gebäude "Getreidemarkt 10" besaß. Über einen Syndikatsvertrag habe diese aber noch private Investoren nach dem "Hausherrenmodell" mit an Bord gehabt. Diese Investoren gehörten zu den Beschädigten in diesem Fall.

Der Käufer der Liegenschaft in bester Lage im Zentrum Wiens, Immo-Unternehmer Klemens Hallmann, habe über die Schieflage der Wienwert-Gruppe gewusst und die Bedingungen diktieren können. Er sitzt daher ebenfalls auf der Anklagebank. Der Schaden, den Gläubiger und Investoren durch den Deal erlitten hätten, wird von der Anklagebehörde mit knapp 4 Mio. Euro beziffert. Die Angeklagten weisen die Vorwürfe von sich.

Hallmann selbst hatte bei seiner Befragung im September gesagt, er habe keine Anzeichen für Liquiditätsprobleme seitens der Wienwert gesehen, ansonsten wäre er das Geschäft so nicht eingegangen. Denn es sei gewiss, dass ein Masseverwalter alles anfechte und man jahrelang Probleme habe, erklärte er.

Der parallel geplante Kauf einer Immobilie von Hallmann in Tulln sei von Gruze ausgegangen, hatte der Hauptangeklagte selbst bei seiner Befragung im September bekräftigt. Der Verkauf der Immobilie Getreidemarkt 10 sei zudem in der Fortbestehensprognose der Wienwert vorgesehen gewesen. Zugleich habe sich die Wienwert künftig auf Neubauprojekte fokussieren wollen, so Gruze.

Der Kauf der Immobilie in Tulln durch die Wienwert-Gruppe war am vorangegangenen Prozesstag bereits Thema. Laut Anklage war sie Teil eines Gesamtdeals im Zuge der Getreidemarkt 10-Transaktion. Dabei zahlte die Wienwert-Gruppe ein Angeld in Höhe von rund drei Mio. Euro, welches schließlich verloren ging, nachdem die Closing-Bedingungen nicht erfüllt werden konnten - laut Anklage zum Schaden für Gläubiger der Wienwert-Gruppe.

Der Prozess wird am 19. Oktober fortgesetzt. Der Strang rund um den Immobiliendeal - einer der vielen Schauplätze im Großverfahren - soll dann voraussichtlich seinen Abschluss finden.

Über die Autoren

Logo
Monatsabo ab € 21,75
Ähnliche Artikel
2048ALMAITVEUNZZNSWI314112341311241241412414124141241TIER