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„Handwerk wird nie zur Gänze von der KI ersetzt werden“

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Barbara Palatin-Doyle

Vom Metropolitan Museum in New York zurück nach Wien: Die Österreicherin Barbara Palatin-Doyle hat Ende 2020 Studio Palatin gegründet und kreiert seither Objekte, die zwischen Kunst und funktionalem Interior Design rangieren. Mittlerweile sind ihre Werke global gefragt. Dabei setzt sie konsequent auf österreichisches Handwerk und zeigt, dass „Made in Austria" weit mehr ist als ein Qualitätsmerkmal.

Lange galt die Nähe zu den großen Metropolen als Voraussetzung für den Erfolg von Designern. Heute ist diese Annahme kaum mehr als ein Mythos. Digitale Plattformen und soziale Medien haben die Spielregeln verändert. Kreative können heute unabhängig von ihrem Standort ein Publikum erreichen.

Barbara Palatin-Doyle hat 28 Jahre in New York gelebt, bevor die ehemalige Dozentin der Abteilung für Dekorative Kunst am Metropolitan Museum of Arts Ende 2020 nach Wien zurückgekehrt ist, wo sie Studio Palatin gegründet hat. Heute pendelt sie zwischen der amerikanischen Weltstadt und Wien, doch Wien hält sie für lebenswerter. Auch in kreativer Hinsicht

Handwerk als USP

Palatin-Doyle fertigt skulpturale Kerzenständer und Lampen in limitierter Stückzahl. Von jedem Lampenmodell gibt es höchstens 100 Stück. Für ihre Arbeit als Designerin ist der Standort Österreich wichtig, erklärt sie. Denn in altem Handwerk, wie dem Bronzegießen oder der Porzellanverarbeitung, erkennt sie Trends, die gerade eine Renaissance erleben. „Ich schätze die Qualität des österreichischen Handwerks sehr. Ich habe viele Kontakte zu Handwerksbetrieben aufgebaut. Wir stehen oft vor denselben Herausforderungen, schließlich sind wir alle kleine Betriebe.“

In Zeiten von generativer KI mahnen immer mehr Experten dazu, sich in Berufsfeldern zu platzieren, die KI nicht ersetzen können wird. Handwerk wird in solchen Diskussionen häufig genannt. Kein Wunder, dass sich diese Beinahe-Gegenbewegung zunehmend in Kunst und Kultur manifestiert. „Viele Länder haben ihre Werkstätten und ihr Handwerk verloren oder aufgegeben“, weiß die Kunstexpertin. „In den letzten Jahrzehnten fiel so viel Know-how einfach weg. Dabei ist Handwerk sicher einer der sichersten Berufe, und wird nie zur Gänze von der KI ersetzt werden.“

Bronze, Porzellan und Papier

Trends entstehen nicht von heute auf morgen. Diese Erfahrung hat die Designerin auch während ihrer Zeit im Museum gemacht. „Sie entwickeln sich langsam. Durch Ausstellungen, Mode, Farben, Formen, oder auch politische Entwicklungen.“ Sie sieht ihre Arbeiten zwischen Kunst und Design, genauer gesagt als funktionale Kunst in Form von Leuchtkörpern aus Bronze, unglasiertem Porzellan, Japanpapier, Gold und Silber. Zeitgemäße Formen zu schaffen, die diese Materialien neu interpretieren, war ihr Grundgedanke.

„Ich produziere alles in Österreich. Dieser direkte Kontakt und das Know-how der traditionellen Werkstätten sind für mich von unschätzbarem Wert.“ Für die Lampenschirme aus japanischem Hosho-Papier hat sie selbst eine eigene Falttechnik entwickelt. Den Bronzeguss übernehmen regionale Werkstätten. Die Designs treffen einen Nerv: Noch bevor Studio Palatin überhaupt eine Werkstätte in Wien hatte, zeigte eine namhafte New Yorker Galerie Interesse an ihren Designs.

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 © CHRISTIAN SAFER MARICIC

Berühren erlaubt

Die Idee zu Studio Palatin entstand während ihrer Zeit am Metropolitan Museum of Art, dem größten Kunstmuseum der USA, wo Palatin-Doyle 16 Jahre als Expertin für angewandte Kunst des 17. und 18. Jahrhunderts tätig war. „Dabei habe ich gesehen, wie begeistert die Besucherinnen und Besucher von den historischen Objekten waren.“ Vielen, so Palatin-Doyle, fehlte aber die Verbindung zur Gegenwart. In Europa sei das etwas anders, weil durch die längere Geschichte oft ein stärkerer Bezug zur Vergangenheit besteht.

Berührungsängste, wie man sie im Museum hat, wollte sie mit ihren skulpturalen Designs überwinden. „Für mich ist inspirierend, dass Menschen meine Werke berühren. Eine Lampe oder ein Kerzenständer wird im Alltag angefasst. Auch auf Ausstellungen greifen Besucher meine Objekte an. Deshalb gestalte ich meine Skulpturen bewusst sehr haptisch. Ich versuche, Oberflächen und Farben so zu entwickeln, dass sie zum Berühren einladen.“

Ich sehe meine Arbeit zwischen Kunst und Design. Für mich ist es inspirierend, wenn Menschen meine Werke berühren.

Barbara Palatin-DoyleKünstlerin & Designerin
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 © Hannes Friesenegger

Vor allem international gefragt

Palatin-Doyle erhält Anfragen aus Frankreich, England und den USA. „Die Nationalitäten der Kunden sind dann aber oft ganz unterschiedlich, weil viele Interior Designer internationale Privatkunden haben, oder Projekte im Hospitality-Bereich umsetzen, etwa bei der Gestaltung von Hotellobbys.“

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Design aus Wien: Studio Palatin fertigt Lampen und Kerzenständer aus Porzellan, Bronze, Gold, Silber und Japanpapier an. Jedes Produkt wird in Österreich handgefertigt.

 © CHRISTIAN SAFER MARICIC

Ihre Arbeiten sind hochpreisig: Kerzenständer im Dreier- oder Viererset kosten zwischen 1.700 und 2.300 Euro, Lampen bewegen sich je nach Modell und Material zwischen 4.000 und 20.000 Euro. Wer sich im Luxussegment behaupten will, muss aber mehr bieten als schönes Design.

„In diesem Segment muss jedes Detail stimmen“, erklärt sie. „Der Porzellanfuß, das Gewicht, die Oberfläche, der Schalter oder der handgefertigte Papier- beziehungsweise Stoffschirm.“ Aber eben auch die Exklusivität: „Sammler erwarten Exklusivität, und dass man Objekte nicht überall sieht.“ Ihren Showroom will sie bis Ende dieses Jahres in Wien eröffnen.

Dieser Beitrag ist ursprünglich in der News-Printausgabe Nr. 28+29/2026 erschienen.

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