ABO

Tourismus steuert in digitale Zukunft

Subressort
Aktualisiert
Lesezeit
7 min
Urlaub in Österreich ist gut gebucht. Aber: "Wir dürfen uns auf diesen Erfolgen nicht ausruhen", betonte Tourismus-Staatssekretärin Elisabeth Zehetner (ÖVP) am Dienstag zum Start der Branchenveranstaltung Österreichischer Tourismustag (ÖTT) mit rund 900 Teilnehmenden im Wiener Austria Center. Anzupacken seien Themen wie die zunehmende Digitalisierung bzw. KI, die wirtschaftliche Stärkung der Betriebe via Qualität und die Entwicklung hin in Richtung Ganzjahrestourismus.

von

Parallel dazu werde Österreich auch in Zukunft auf Kulinarik, Kultur, Bewegung, Gesundheit und vor allem auch auf Veranstaltungen und Kongresse setzen, so Zehetner. "Der österreichische Tourismus ist erfolgreich, aber die Spielregeln haben sich geändert - gute Nächtigungszahlen heißen nicht, dass die Erträge gut sein müssen", strich die Präsidentin der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), Martha Schultz, bei der Eröffnung hervor.

"Wichtig ist, dass wir international am Markt bleiben - es nützt nicht mehr, dass man nur eine schöne Homepage hat", verdeutlichte Schultz. "Wie werden wir gefunden, semantisch, in den einzelnen Suchmaschinen? Damit müssen wir uns auseinandersetzen." Denn Künstliche Intelligenz verändert den internationalen Wettbewerb grundlegend.

"Der Gast sucht heute anders als der Gast von gestern", bekräftigte die Geschäftsführerin der nationalen Tourismusmarketing-Organisation Österreich Werbung (ÖW), Astrid Steharnig-Staudinger. Wichtig sei es auch zu wissen, wie man die Jungen aus der sogenannten "Gen Z" anspreche und erreiche. "Wir haben im Schnitt 68 Prozent Stammgäste - das ist großartig, aber die Gäste werden älter, wir müssen uns um die junge Generation kümmern und das tun wir heute." Dabei gehe es auch viel um "Erlebnisqualität, um Momente, die bleiben". "Das Gefühl, das man in einem Land erlebt, das bleibt in Erinnerung", ist die ÖW-Chefin überzeugt.

Zu Beginn der Woche hatte Zehetner die neue Tourismusstrategie namens "Vision T" bis 2035 präsentiert und dabei eine ganze Reihe von konkreten Zielen - wie etwa die Steigerung der realen Wertschöpfung um 10 Prozent auf über 25 Mrd. Euro festgeschrieben. Bei der Umsetzung in die Realität kann die Branche auf reichlich Unterstützung aus der Politik hoffen. "Wirtschaftspolitik geht in Österreich nur mit Tourismuspolitik", sagte Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖVP) im Austria Center. Das klare Bekenntnis spiegelt sich auch im jüngst beschlossenen Doppelbudget der Regierung wider. Die Branche kam relativ gut davon.

"Wir unternehmen alles, um den Tourismus zu stärken", bekräftigte Hattmannsdorfer. Immerhin steuert der Tourismus den Angaben zufolge 6,5 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt bei - mit 22,8 Mrd. Euro direkter Wertschöpfung. "Und allein der Reiseverkehr bringt jährlich einen Überschuss von 10,7 Mrd. Euro", strich der Minister in einem Pressegespräch hervor.

"Das Doppelbudget ist ein Budget für den Tourismus", sagte er und verwies dabei vor allem auf die gelungene Senkung der Lohnnebenkosten - das sei "enorm wichtig" für die Branche. "Wir haben touristische Betriebe mit Personalkostenanteilen bis 50 Prozent", erklärte der Minister. Weiters habe das Wirtschafts- und Energiebudget um 25 Prozent gesteigert werden können. "Beim Tourismusbudget haben wir die gewerbliche Tourismusförderung über die ÖHT (Österreichische Hotel- und Tourismusbank, Anm.) mit 23 Mio. Euro absichern können - wir haben dort im abgelaufenen Jahr 540 Mio. Euro an Investitionen gehebelt", berichtete Hattmannsdorfer.

Es sei eine wichtige Botschaft, dass die Förderkulisse erhalten bleibe und zum Teil auch erhöht werde. Die Mittel der Österreich Werbung werden seitens der Regierung - inmitten des allgemeinen Sparzwangs - von 30,1 (2027) auf 33,1 Mio. Euro (2028) pro Jahr gesteigert, "weil gerade die internationale Sichtbarkeit ein wertvoller Schlüssel ist", so der Minister. Hinzu kommen ein Jahresbudget von 10 Mio. Euro von der Wirtschaftskammer sowie Beiträge von Leistungsträgern der Tourismuswirtschaft wie etwa Kampagne-Beteiligungen, sodass der ÖW Mittel in Höhe von etwa 50 Mio. Euro für ihre Arbeit zur Verfügung stehen.

Die ÖW muss nun eine KI-Strategie für die Betriebe erarbeiten und die Internationalisierung des Tourismusstandortes vorantreiben, sprich neue Gäste aus aller Welt anlocken.

Es sei auch gelungen, den touristischen Arbeitsmarkt mit einer Erhöhung des jährlichen Saisonkontingents von 4.500 auf 8.000 Personen zu stützen, zählte Hattmannsdorfer weiter auf. Bei der Umsetzung hofft er auf mehr Planbarkeit, damit sich die Betriebe die entsprechenden Arbeitskräfte rechtzeitig sichern könnten. "Es darf nicht jedes Jahr diese Zitterpartie geben."

Auch die Abschaffung des zuletzt medial stark aufgegriffenen "Zwischenparkens" von touristischen Arbeitskräften beim Arbeitsmarktservice (AMS) in Zeiten außerhalb der Hauptsaison wurde abgewehrt: "Das Zwischenparken bleibt, gerade weil der Tourismus saisonabhängig ist - niemand macht das aus Jux und Tollerei", verkündete der Wirtschafts- und Tourismusminister. Es werde nicht über die Hintertür abgeschafft, versicherte er der Branche. "Ein touristischer Arbeitsmarkt funktioniert nur, wenn es die Möglichkeit des Zwischenparkens gibt", so der Wirtschaftsminister.

Hilfreich für die Branche könnte auch die sogenannte Aktivpension sein, wodurch bis zu 15.000 Euro jährlich steuerfrei dazuverdient werden können.

"Es waren jetzt herausfordernde Zeiten - nicht nur in der Interessenvertretung, sondern auch dieses Doppelbudget zu verhandeln", betonte WKÖ-Präsidentin Schultz. Besonders erleichtert zeigte sie sich über "die größte Lohnnebenkostensenkung, die uns wirklich gemeinschaftlich gelungen ist" und dafür, dass das Zwischenparken beim AMS weiterhin möglich bleibt. "Ein Schwimmbad am See kann nicht das ganze Jahr über offenhalten."

Über die Autoren

Logo
Monatsabo ab € 21,75
Ähnliche Artikel
2048ALMAITVEUNZZNSWI314112341311241241412414124141241TIER