Schwere Turbulenzen beim Goldhändler TGI der Kalteneggers: Liechtensteiner Behörden ließen die Unternehmenszentrale in Vaduz durchsuchen. Sie werfen TGI unter anderem Betrug und Geldwäsche vor – und haben Österreich um Rechtshilfe ersucht. Puls 4 schmiss nach einer News-Anfrage die Reality-Show „Die Kalteneggers – Eine Familie wie im Goldrausch” aus der hauseigenen Mediathek
Am zweiten Juni erlebt die TGI wohl ihre bisher dunkelste Stunde: Die Staatsanwaltschaft Liechtenstein lässt die TGI-Zentrale in Vaduz durchsuchen. Sie wirft dem Unternehmen und mehreren Personen in seinem Umfeld gewerbsmäßig schweren Betrug, Geldwäsche und Verstöße gegen das Bankengesetz vor. Es gilt die Unschuldsvermutung.
Nach derzeitiger Einschätzung stehen umfangreiche Ermittlungen bevor“, gab die Staatsanwaltschaft gegenüber dem „Liechtensteiner Vaterland“ an. Es gilt die Unschuldsvermutung. Die TGI weist die Vorwürfe in einer Presseaussendung zurück. Das Unternehmen betont, mit den Behörden zu kooperieren, und bestreitet sowohl den Betrugs- als auch den Geldwäscheverdacht. Man sei „überzeugt, jederzeit im Einklang mit den geltenden gesetzlichen Bestimmungen gehandelt zu haben“, heißt es in der Stellungnahme. Der Geschäftsbetrieb laufe uneingeschränkt weiter.
Österreichische Justiz soll helfen
Die Causa könnte auch hierzulande die Justiz beschäftigen. Auf eine News-Anfrage dazu heißt es von der Staatsanwaltschaft Liechtenstein: „Im Verfahren betreffend die TGI AG wurden bereits Rechtshilfeersuchen an Österreich gestellt und es sind auch noch weitere geplant.“
Die Kalteneggers sind österreichische Staatsbürger, sie besitzen auch hierzulande mehrere Unternehmen. Und: Zumindest ein Teil des TGI-Zahlungsverkehrs läuft scheinbar über das Vorarlberger Inkassounternehmen C-T GmbH. Darauf deuten News vorliegende Zahlscheine aus Goldkäufen hin. C-T ließ eine News-Anfrage dazu unbeantwortet.
Schrödingers Reality-Show
Was bedeutet das für die Reality-TV-Show „Die Kalteneggers“ auf Puls 4? Die TGI erweckte in einem WhatsApp-Kundenchat zunächst den Eindruck, als würde bereits an einer Fortsetzung gearbeitet. Am 11. Juni schreibt dort ein TGI-Mitarbeiter, dass das wöchentliche YouTube-Format „TGI-TV“ wegen „umfangreicher Dreharbeiten“ für „Die Kalteneggers“ ausfallen würde.
Von Puls 4 heißt es auf News-Anfrage allerdings: „Es gibt keine von uns beauftragten Dreharbeiten für eine Folgestaffel.“ Und: „Die erste Staffel des Formats wurde auch von Joyn aus der Mediathek entfernt.“ Zum Zeitpunkt der News-Anfrage waren die Folgen noch abrufbar – nun sind sie offline.


Schluss mit „Die Kalteneggers“: Nach den Vorwürfen gegen TGI und einer News-Anfrage dazu entfernte Puls 4 die Serie aus der Mediathek Joyn.
© Puls 4Abwärtsspirale
Es ist der vorläufige Tiefpunkt eines Frühlings voller Hiobsbotschaften für die TGI. Bereits Anfang März veröffentlichte die deutsche Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) eine Warnmeldung. Sie sah bei der TGI Anhaltspunkte für den Vertrieb von Anlageprodukten ohne entsprechendes Verkaufsprospekt. Die TGI gab daraufhin an, „vollumfänglich“ mit den Behörden zu kooperieren. „Wir sind zuversichtlich, dass eine sachliche Aufarbeitung der relevanten Fragen zu einer klaren Einordnung führen wird.“
Getrübte Freude über neue Villa
Die Kalteneggers scheinen sich ihrer Sache zu diesem Zeitpunkt noch sehr sicher zu sein. Am 13. April erwirbt Katarina Kaltenegger laut einem News exklusiv vorliegenden Kaufvertrag eine Villa in Baden bei Wien. 700 Quadratmeter Wohnfläche, Pool samt Poolhaus, sechs Parkplätze, Zwiebeltürmchen. Kaufpreis: 4,5 Millionen Euro.
Eine Woche nach der Transaktion, am 20. April, kommt dann tatsächlich eine „klare Einordnung“ der Bafin – allerdings nicht im Sinne der TGI. Die Bafin verkündet ein Verbot für den Vertrieb von zwei TGI-Produkten in Deutschland. Altverträge sind davon nicht betroffen. Die Bafin-Maßnahme ist bereits bestandskräftig – und somit nicht mehr anfechtbar.
Auch FMA Liechtenstein greift durch
Nach den Bafin-Maßnahmen wird auch die die Finanzmarktaufsicht Liechtenstein (FMA) tätig. Auf eine erste Warnung im April folgt Ende Mai dann der Hammer: Die FMA verbietet nicht nur den weiteren Vertrieb von drei der vier verbliebenen TGI-Produkte – sie ordnet auch an: TGI muss das Halten von Einlagen, die sie im Rahmen der nun untersagten Produkte eingesammelt hat, einstellen – binnen vier Monaten.
Die Maßnahmen sind noch nicht rechtskräftig, aber bereits vollziehbar. Eine große Zahl von Rückabwicklungen könnte nun folgen. Die TGI weist die Vorwürfe zurück. Man verkaufe lediglich Gold, was keiner Bewilligung der FMA bedürfe.
Rückabwicklung? Bitte warten!
Als Reaktion auf die Maßnahmen der FMA Liechtenstein lud die TGI – einen Tag vor der Hausdurchsuchung in Vaduz – zu einem Kundenmeeting via Zoom. Darin bot sie Besitzern der durch die FMA verbotenen Produkte eine Alternative zur Rückabwicklung ihrer Verträge an: eine sogenannte Vertragsnovation. Altverträge sollen so durch neue Vereinbarungen ersetzt werden.
Eine Rückabwicklung zieht sich halt sehr, sehr, sehr, sehr lange
Das sei im Interesse der Kunden, denn: Für eine Rückabwicklung müssten erst über einen Zeitraum von „drei bis vier Monaten“ entsprechende Anträge der Kunden gesammelt werden. erklärte TGI-Geschäftsführer Mark Bogen in dem Meeting. Erst danach werde feststehen, wie viele Rückabwicklungen tatsächlich durchgeführt werden müssten. Die Rückzahlung der Gelder solle anschließend erfolgen – allerdings nicht auf einmal, sondern in Form einer „24- bis 36-monatigen Ratenzahlung“. Zudem würden bereits ausbezahlte „Rabatte“ gegengerechnet.
TGI-Chef Helmut Kaltenegger bekräftigt später die Empfehlung für eine Vertragsnovation: „Sie kriegen Ihr Gold, Sie kriegen die Rabatte, und ich glaube, dass das vernünftiger wäre als eine Rückabwicklung. Weil eine Rückabwicklung zieht sich halt sehr, sehr, sehr, sehr lange.“
Länger als die von der FMA gewährten vier Monate? Auf News-Anfrage betont die TGI, sich an die Frist halten zu wollen. Zu den Aussagen aus dem Meeting schweigt das Unternehmen.
„Gold mit Rabatt“: Das Geschäftsmodell der TGI


Die TGI ist bekannt für ihre „Goldrabatte“: Kunden kaufen Gold, bezahlen – und warten dann bis zu drei Jahre auf die Auslieferung. Während der Wartezeit bekommen sie monatlich eine Rückzahlung von bis zu 4% des Kaufpreises, je nach Produkt. Am Ende der Laufzeit sollen so Abschläge von teils über 100% entstehen. Kunden sollten also nach den drei Jahren ihr Gold geliefert bekommen – und insgesamt teils über 100% des Kaufpreises in monatlichen Rabatten.
Finanzieren soll sich das Geschäftsmodell laut TGI über die Gewinne von Partnerunternehmen, die etwa in Sambia oder Ghana sitzen. News berichtete in den Ausgaben 17/26 und 20/26 bereits ausführlich über die TGI und ihre Partner.
Über die Autoren

Sebastian Reinhart
Sebastian Reinhart ist Mitglied der Chefredaktion von News und für investigative Recherchen verantwortlich.
Zuvor war er unter anderem Referent für Untersuchungsausschüsse im österreichischen Nationalrat während der Aufarbeitung der Hypo-Affäre. Zudem war er mehrere Jahre für die Recherche-Plattform Addendum tätig und schrieb unter anderem für den Spiegel.

Jonas Heitzer
Jonas Heitzer ist Redakteur bei "News".



