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Zum Vergleich: Das Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) und das Institut für Höhere Studien (IHS) rechneten bei ihrer Prognose im April mit einem Wirtschaftswachstum von 0,9 bzw. 0,5 Prozent für 2026. Mit Blick auf die Teuerung prognostizierten sie eine Rate von 2,7 bzw. 2,9 Prozent. Die neuen Erwartungen von Wifo und IHS werden am 25. Juni bekanntgegeben.
Grund für die leicht nach oben revidierte Prognose sei vor allem das starke erste Quartal 2026 sowie ein Schub aus dem vergangenen Jahr. Das Vertrauen der Konsumentinnen und Konsumenten habe ob der Lage im Nahost-Krieg aber schon wieder abgenommen, was den privaten Konsum dämpfen dürfte. Auch die leicht sinkende Sparquote gleiche dies nicht aus, erklärte OeNB-Chefvolkswirt Wolf Heinrich Reuter bei einer Pressekonferenz am Freitag.
Wie sich die wirtschaftliche Lage nun weiterentwickeln wird, hänge stark vom Kriegsverlauf ab. Die OeNB hat dazu Szenarien erstellt, wobei unterschiedliche Rohstoffpreisannahmen, Erwartungen für die Finanzmarktentwicklung und mögliche Zweitrundeneffekte zugrundeliegen. Im Falle des Szenarios "severe" würde die heimische Wirtschaft 2027 stagnieren und die Inflation auf über 5 Prozent steigen, so OeNB-Gouverneur Martin Kocher. Im Szenario "mild" würde das Wachstum auf knapp 1,5 Prozent steigen und die Inflation unter 2 Prozent fallen. Im "adversen" Szenario wiederum würde das Wachstum 2027 0,7 Prozent betragen und die Inflation bei 3,2 Prozent zu liegen kommen.
Mit Blick auf vorliegende Daten wird die Inflation aufgrund hoher Treibstoffpreise infolge des Kriegs jedenfalls wieder anziehen. Indirekte Effekte würden sich aber auch in der Teuerung von Nahrungsmitteln und Industriegütern zeigen, die in den kommenden Quartalen weiter und bis 2028 erhöht bleiben. Ein niedrigeres Wachstum der Preise dürfte es im Dienstleistungssektor aufgrund geringerer anziehender Löhne bzw. Abschlüssen unter der rollierenden Inflation geben. Erstmals seit 15 Jahren nähere Österreich sich 2027 und 2028 damit wieder dem Schnitt der Inflation bei Dienstleistungspreisen im Euroraum an, so Reuter.
Generell erwarten die Notenbank-Ökonomen aus heutiger Sicht nicht, dass die Inflation auf ähnlich hohe Werte wie in den Jahren 2022 und 2023 ansteigen wird. 2027 soll sie sich auf 2,4 Prozent und 2028 auf 2,1 Prozent verlangsamen.
Reagiert hat auf die Inflationsentwicklung am gestrigen Donnerstag auch die Europäische Zentralbank (EZB): Sie hob den Einlagensatz von 2,0 auf 2,25 Prozent herauf. Über ihn steuert der EZB-Rat, dem Kocher als OeNB-Gouverneur angehört, maßgeblich seine Geldpolitik, auch die Tages- und Festgeldzinsen für Sparer orientieren sich daran. Die Teuerung lag im Euroraum im Mai bei 3,2 Prozent und damit deutlich über dem Ziel von 2 Prozent.
Für die im Juli anstehende Zinssitzung seien nun "alle Optionen offen", betonte Kocher. Man hoffe auf eine Entspannung der Lage in Nahost, die Unsicherheit bestehe weiter. "Bis zur nächsten Sitzung vergehen noch sechs Wochen, da kann noch viel passieren." Aufgrund der Inflationserwartung sei die gestrige Entscheidung jedenfalls notwendig gewesen, auch wenn angebotsseitige Preisschocks wie aktuell aus Sicht der Geldpolitik immer ein "Dilemma" darstellten, da diese vor allem über die Seite der Nachfrage wirke.
Zum österreichischen Arbeitsmarkt hieß es, dass er die Konjunkturdelle heuer überstehen dürfte. Die Arbeitslosenquote werde mit 7,4 Prozent auf dem Niveau des Vorjahres bleiben, verwies die OeNB auf Daten des Arbeitsmarktservice (AMS).






