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Während viele Bauern mehr heimisches auf den Tellern in der Gastronomie sehen wollen, wehren sich relevante Teile der Bewirtung gegen neue Vorschriften. Laut gemeinsamer Aussendung vom Montag haben die Chefin der Wirtschaftskammer (WKÖ), Martha Schultz, und der Präsident der Landwirtschaftskammer (LKÖ), Josef Moosbrugger, "ein gemeinsames Bekenntnis für mehr Herkunftstransparenz am Teller" abgelegt. Schultz ist Chefin des ÖVP-Wirtschaftsbundes, Moosbrugger kommt vom ÖVP-Bauernbund.
Die Grünen glauben nicht an eine freiwillige Lösung und sprachen von einer "VP-internen 'Wischi-Waschi-Einigung'". "Freiwillig wird kein Wirt angeben, dass sein Billigschnitzel aus der Schweinefabrik in Spanien oder das Flüssig-Ei im Kaiserschmarren aus ukrainischer Käfighaltung kommt", monierte Grünen-Agrarsprecherin Olga Voglauer. SPÖ-Bauernchef Michael Schwarzlmüller hingegen ortete immerhin Bewegung, forderte aber ebenso wie die Grüne eine verpflichtende Herkunftskennzeichnung. Lob für den Plan der ÖVP-geführten Kammern kam von ÖVP-Tourismusstaatssekretärin Elisabeth Zehetner.
Ziel des gemeinsamen Projekts "ist mehr Transparenz und Wahlmöglichkeit für die Konsumentinnen und Konsumenten, ohne die Gastronomiebetriebe zusätzlich zu belasten". Gleichzeitig solle ein Wirtepaket ausgearbeitet werden, das "spürbare Entlastungen für die Gastronomie" bringe.
Das neu gestartete Projekt basiert auf der seit fast zehn Jahren vorhandenen LKÖ-Initiative "Gut zu wissen". Diese zielt vor allem auf Kennzeichnungspflicht in der Gemeinschaftsverpflegung. Jährlich würden hier bei knapp 95 Millionen Essensportionen an fast 1.300 Standorten Herkunft von Primärzutaten Milch, Fleisch und Eier ausgelobt.
Zuletzt sei "vielfach öffentlich diskutiert worden, was welche Seite braucht oder nicht kann", sagt Moosbrugger. Nun gebe es dank verbesserter digitaler Möglichkeiten ein gemeinsames Bekenntnis, bei diesem Thema weiterzukommen. Schließlich sei es "für die Bauernschaft und Bevölkerung zentral". Nach intensiven Debatten wolle man nun gemeinsam vorankommen.
Begleitet wird das Streitthema von einer Gruppe aus Fachleuten, die gleichermaßen Wirte- und Landwirtschaftsvertreterinnen und -vertreter umfasse. "Ziel des Projekts ist es, am Ende des Tages eine Basis für eine flächendeckende, einheitliche Herkunftskennzeichnung in der Gastronomie zu schaffen. Umgekehrt wird es auch notwendig sein, für Wirtinnen und Wirte, die das umzusetzen haben, Erleichterungen an anderer Stelle zu erwirken", so Moosbrugger.
Schultz verweist auf den "enormen Druck", der auf den Gastronomiebetrieben laste. Selbst im Brotberuf Touristikerin verweist sie auf "Auflagen, Bürokratie, hohe Kosten" durch Steuern und Abgaben. "Zusätzliche Belastungen darf es nicht geben." Da sich aber viele Gäste doch mehr Herkunftswissen haben wollen, "werden wir uns daher anschauen, wie mehr Herkunftstransparenz digital, praktikabel und ohne zusätzliche Bürokratie funktionieren kann". Nun werde nach praxistauglichen Lösungen geschaut. "Auf dieser Grundlage können wir dann über die weitere Umsetzung entscheiden", so die oberste Wirtschaftskämmererin.
Ein konkreter Zeitrahmen ging aus der gemeinsamen Aussendung von LKÖ und WKÖ nicht hervor.
++ THEMENBILD ++ ZU APA0357 VOM 7.9.2023 - Illustration zum Thema Schanigarten / Schanigartenöffnung / Gastgarten / Gastronomie. Ein Schanigarten aufgenommen am Donnerstag, 7. September 2023, in Wien. In Wien dürfen die Schanigärten künftig ganzjährig geöffnet bleiben - ohne dass zwischen Sommer- und Winterbetrieb unterschieden wird.
