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Inflation, Kriege und Bürokratie setzen Handel unter Druck

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Handelsverband-Geschäftsführer Rainer Will

©Selina Palla

Handelsverband kritisiert erneut geplante Plastik- und Paketsteuern. Kaufkraft steigt, Handel spürt wenig davon.

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Inflation, Kriege und Bürokratie setzen aus Sicht des Handelsverbandes (HV) den österreichischen Handel unter Druck. "Wir sind in veränderlichen Zeiten. Wir erleben strukturelle Wandel, massive Veränderungen beim Konsumenten und damit auch innerhalb einer geopolitischen Krise, die die andere jagt", kommentierte HV-Geschäftsführer Rainer Will die Lage des Handels am Donnerstag. Er sprach sich gegen die geplanten Plastik- und Paketsteuern aus, die am Ende der Konsument zahle.

An den aktuellen Inflationszahlen sehe man, dass sich die Preise der Lebensmittel "sogar rückläufig entwickeln", sagte Will bei der Präsentation der Studie "Der große Wandel. So shoppt Österreich 2026" (gemeinsam mit RegioPlan Consulting). Mit 2,3 Prozent Steigerung liege die Lebensmittel-Teuerung im März deutlich unter der Inflation, die von der Statistik Austria mit 3,2 Prozent angegeben wurde. Generell sehe man, dass die großen Treiber Tanken, Heizen und Dienstleistungskosten seien. "Im Non-Food-Handel kann man die Inflationszuwächse, die Kosten im Vollausmaß gar nicht weitergeben", so Will.

Handel hat gelernt, mit Krisen umzugehen

Die geopolitischen Konflikte treiben die Energiekosten und Frachttarife in die Höhe. Der Handel habe aber schon durch die letzten Jahre der Krise rund um den Ukraine-Krieg gelernt, damit umzugehen, so der Handelsverband-Geschäftsführer. "Wir sind an sich, auch durch die regionale Beschaffung, in vielen Bereichen sehr krisenresilient aufgestellt." Aus seiner Sicht sei aber "die Bürokratielawine, die uns jährlich 15 Milliarden Euro kostet", hausgemacht. "Die könnte die Bundesregierung noch viel stärker beackern. Da fehlen uns noch die Antworten."

Bei den aktuellen Gesetzesplänen zu den Fernost-Plattformen habe "man nicht nur das Gefühl, dass hier ein Kind mit dem Bade ausgeschüttet wird, sondern das ganze Bad beim Fenster hinausgeworfen wird." Es sei entscheidend zu sehen, dass der Handel der Kern der Volkswirtschaft sei. Der private Konsum allein trage die Hälfte zum Bruttoinlandsprodukt bei. "Damit es so bleibt, braucht es viele Anpassungen." Diese Anpassungen nehme der Handel selbst vor, wenn sie vom Kunden ausgehen.

Kaufkraft steigt, Handel spürt wenig davon

Die Kaufkraft in Österreich steigt, allerdings spürt der Handel wenig davon. Das ergab die Kaufkraftanalyse von RegioPlan Consulting. Statt in klassische Konsumgüter fließt zunehmend mehr Geld in Gastronomie, Gesundheit und Sparbücher. Einkaufsbereiche wie Mode, Elektronik oder Möbel verlieren weiter an Bedeutung. Insgesamt bindet der Einzelhandel nur noch rund 30 Prozent der Kaufkraft. Im langfristigen Vergleich der vergangenen zehn Jahre (2015-2025) vollzog sich ein Konsumwandel "vom Haben zum Sein", sagte RegioPlan-Consulting-Geschäftsführerin Romina Jenei. Es gehe weniger darum, mehr Produkte zu haben, als Erlebnisse und weitere Aktivitäten, wie etwa Freunde treffen. Urlaube und Schönheit seien hier auch ein Thema.

Laut Befragung ist die Stimmung bei 70 Prozent der Händler schlechter als im Vorjahr. Vor dem Iran-Krieg sah man im ersten Quartal noch einen "Silberstreif am Horizont". Aber aktuell rechnen 69 Prozent der Händler in den nächsten 12 Monaten mit einer sich verschlechternden Situation. Die Mehrheit der heimischen Händler erwartet für das heurige Jahr "spürbare Umsatzrückgänge", während "die Kosten laut Selbsteinschätzung sogar zweistellig wachsen könnten". Nur 37 Prozent rechnen mit einem Gewinn. Will bezeichnete dies als "besorgniserregend". 26 Prozent stellen sich auf Verluste ein.

Handelsverband fordert Entlastungen

Handelsverband-Geschäftsführer Will drängt erneut auf Entlastungen. Mit der geplanten Plastiksteuer und der nationalen E-Commerce-Abgabe stehe "genau das Gegenteil vor der Haustür." Die Händler lehnen diese laut Umfrage ab. Bei der Plastiksteuer kritisierte Will, dass man der Bevölkerung verkaufe, dass es eine Steuersenkung geben solle, indem die Produkte günstiger werden. Aber gleichzeitig werden die Verpackungen teurer, "weil man den Unternehmen 170 Millionen Euro einfach umhängt". Zudem erfolge dies "zu einem Zeitpunkt, wo gerade jedem klar ist, dass in einem Iran-Krieg Plastik zum Mangelgut wird".

Der Handelsverband setzt sich für eine Paketsteuer auf europäischer Ebene ein, die auch ab 1. Juli komme. Zudem sei man für eine europäische Bearbeitungsgebühr (Handling-Fee) für die Pakete, sagte Will. Man unterstütze eine Plattformhaftung bei Drittstaatenhändlern. Allerdings plane das Finanzministerium eine nationale E-Commerce-Abgabe für alle Händler mit digitaler Komponente ab einer gewissen Umsatzhöhe, weil es schwierig sei, "dass man Drittstaatenhändler greifen kann". Das bezeichnete Will als "besorgniserregend". Auch wenn die Umsatzhöhe sehr hoch sei, könne diese aber je nach Budgetbedarf jederzeit reduziert werden. "Das Regierungsprogramm lautet auf` 'Jetzt das Richtige tun' – diese beiden Maßnahmen wären genau das Falsche, was jetzt getan werden kann", so der Branchenvertreter.

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