ABO

Das Sambia-Abenteuer der Kalteneggers

Subressort
Aktualisiert
Lesezeit
9 min
Artikelbild
Werkbesuch. Bootup-Africa-Chef Michel Geschwendtner (2. v. re.) mit Sohn und chinesischen Geschäftspartnern.©Screenshot Video TGI AG

Beim Liechtensteiner Goldhändler TGI von Helmut und Katarina Kaltenegger ist still und heimlich ein neuer Investor eingestiegen: ein mysteriöser Minenbetreiber mit Sitz in der sambischen Hauptstadt Lusaka.

Der Goldhändler TGI AG mit Sitz in Vaduz sponsert einen Rennstall in der DTM und den Fußballklub Austria Klagenfurt. In der Reality-Show „Die Kalteneggers“ der ProSiebenSat.1-Puls-4-Mediengruppe erhält das Unternehmen von Helmut und Katarina Kaltenegger eine große Werbebühne.

In News 17/2026 haben wir bereits über das fragwürdige Geschäftsmodell von TGI berichtet – Stichwort: „Gold mit Rabatt“. In den Tagen davor und danach veröffentlichten die Finanzaufsichtsbehörden Österreichs , Deutschlands und Liechtensteins Warnmeldungen im Zusammenhang mit der TGI.

Verbot für zwei TGI-Produkte

Die deutsche Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht sprach gar ein Verbot für zwei Produkte des Goldhändlers wegen eines Verstoßes gegen das deutsche Vermögensanlagengesetz aus.

Die TGI hatte nach Ansicht der Behörde nicht einfach Gold verkauft, sondern ein Anlageprodukt vertrieben – und gegen die für solche Produkte geltende Prospektpflicht verstoßen. Daraufhin nahm die TGI die beiden Produkte vom Markt und stellte ein neues Produkt mit kürzerer Wartezeit auf die Goldlieferung vor.

Der doppelte Helmut Kaltenegger

Es lohnt sich also ein weiterer Blick nach Vaduz. Dort trifft sich am Vormittag des 27. März 2026 die Führung des Goldhändlers TGI zur Generalversammlung. Worum es dabei konkret geht, scheint an diesem Tag fast zweitrangig. Die eigentliche Brisanz steckt in der Anwesenheitsliste.

Denn auf dieser Liste taucht Helmut Kaltenegger gleich in doppelter Funktion auf: einerseits als 45-Prozent-Aktionär der TGI, andererseits als Vertreter eines weiteren Anteilseigners, der bis dahin öffentlich überhaupt nicht bekannt war. Dahinter steht laut News-Recherchen in Liechtenstein die Firma Bootup Africa Limited des deutschen Unternehmers Michel Gschwendtner, die nach eigenen Angaben in der sambischen Hauptstadt Lusaka ansässig ist.

Blurred image background

Protokoll. Helmut Kaltenegger vertritt die Anteile des neuen Investors mit Sitz in Sambia.

 © NEWS

Das Unternehmen hält mittlerweile zehn Prozent an der TGI. Gleichzeitig soll sich TGI wie von News berichtet, bereits zuvor mit fünf Prozent an Bootup Africa beteiligt haben. Der frühere Geschäftspartner wäre damit selbst zum TGI-Investor geworden. Öffentlich geäußert hat sich die sonst so ausgesprochen wort- und bildreiche TGI zu ihrem neuen Anteilseigner bislang nicht.

In Sambia registriert – oder nicht?

Ein näherer Blick wirft weitere Fragen auf. Denn Bootup Africa war ursprünglich im Vereinigten Königreich registriert, wurde dort aber nach eineinhalbjähriger Existenz aus dem Firmenregister gelöscht. Mittlerweile soll es im südlichen Afrika registriert sein, in Sambias Hauptstadt Lusaka.

Doch ob dem tatsächlich so ist, lässt sich nur schwer überprüfen. Die Online-Suche im sambischen Firmenregister funktioniert derzeit offenbar nicht. Die auf der Website des Unternehmens angegebene Steuernummer scheint zwar im Steuerregister unter dem Namen Bootup Africa Limited auf, ein belastbarer Nachweis für die juristische Existenz des Unternehmens ist das allerdings nicht.

Die zuständige Patents and Companies Registration Agency (PACRA), die das sambische Firmenregister verwaltet, reagierte bis Redaktionsschluss nicht auf eine News-Anfrage. Auch die Bitte an Bootup Africa, entsprechende Registrierungszertifikate der Behörde vorzulegen, blieb bis dahin unbeantwortet.

Minen-Kammer weiß von nichts

Eine Antwort kommt dafür von der Zambia Chamber of Mines, der staatlich anerkannten Interessenvertretung der Minenbetreiber des Landes. Deren CEO Sokwani W. Chilembo reagiert innerhalb weniger Minuten und fällt ein knappes Urteil: „Wir kennen weder das Unternehmen noch den Promoter“, schreibt er mit Verweis auf Michel Gschwendtner. „Sie gehören nicht zu unseren Mitgliedern.“

Seltsam – gibt Gschwendtner doch in einem TGI-Video selbst an, dass seine Bootup Africa mit „600.000 Hektar“ in Sambia zu den „größten Landownern im Minenbereich“ gehören würde. Er habe dort so gute Kontakte, dass er als Teil der Delegation des sambischen Präsidenten zu einem Staatsbesuch in China bei Xi Jinping mitgereist sei, sagt Gschwendtner.

News hat bei Bootup Africa nach den genauen Identifikationsnummern der Minenlizenzen gefragt, mit denen sich die Behauptungen im Geoinformationsportal der sambischen Regierung verifizieren lassen würden, und bis Redaktionsschluss keine Antwort erhalten. Auch das Büro des sambischen Präsidenten antwortete nicht auf Nachfragen zu Gschwendtners angeblichem Besuch bei Xi Jinping.

„Monstermaschine“ von der Stange?

Bootup Africa gibt an, sich mit nachhaltigen Formen der Goldgewinnung zu beschäftigen. Dafür setzt es angeblich eine einzigartige – Zitat aus einem TGI-Video – „patentierte Monstermaschine“ ein, die ohne Chemikalieneinsatz funktioniert. Sie soll zehn Tonnen Gestein pro Stunde verarbeiten können. Um welches Patent es sich dabei handelt, wird nicht erwähnt. In einer internationalen Patentdatenbank finden sich zwar mehrere Patente in Michel Gschwendtners Namen – jedoch alle ohne offensichtliche Verbindung zur Goldgewinnung.

Ist diese Maschine wirklich so besonders? In einem TGI-Video besuchen Gschwendtner und sein Sohn eine Fabrik in China. Dort soll die Geburtsstätte der „Monstermaschine“ sein. Gezeigt werden dann sogenannte Kugelmühlen. Deren Prinzip ist simpel: Gestein wird in einer großen horizontalen Trommel mit einem Mahlkörper – meist Stahlkugeln – zermahlen. In einem weiteren Schritt lässt sich dann Goldstaub von Gesteinspartikeln trennen. Offenbar möchte TGI verschleiern, um welches chinesische Unternehmen es sich handelt – dessen Logos wurden im Video unkenntlich gemacht.

News-Recherchen zeigen jedoch, dass es sich um die Nile Co. Ltd. in Zhengzhou, Provinz Henan, handeln dürfte. Das Unternehmen bestätigt auf Anfrage: „Ja, das ist unsere Maschine.“ The Nile produziert derartige Kugelmühlen im großen Stil und exportiert sie in afrikanische Länder. Es dürfte sich dabei also um ein Gerät „von der Stange“ handeln – und Ausführungen mit zehn Tonnen Kapazität finden sich üblicherweise in kleineren Minen.

Nachhaltige Goldgrube

Nicht nur nachhaltig soll die Mine sein, sondern auch extrem ertragreich – zwei Faktoren, die beim Goldabbau eher gegeneinander arbeiten. Gschwendtner wirbt mit beeindruckenden Zahlen: „Eine Maschine produziert ein Kilogramm pro Tag. Da wir eine Weihnachtspause machen, sind es 350 Kilogramm pro Jahr“, sagt Michel Gschwendtner. „Pro Maschine!“, ergänzt Sohn Leopold.

In zwei, drei Jahren ist das der größte Goldexporteur der Welt

Helmut Kaltenegger

Damit die Rechnung aufgeht, müsste eine solche Maschine bei selbst durchgehendem Betrieb durchschnittlich gut vier Gramm Gold aus einer Tonne Erz holen – ein hoher Wert, der ohne Chemikalieneinsatz kaum erreichbar ist. Trotzdem prophezeit Gschwendtner zwischen „35 Millionen und 50 Millionen Umsatz pro Jahr“.

Helmut Kaltenegger geht in einem anderen Video noch weiter: „Jetzt rechnet er (Gschwendtner, Anm.), Worst Case, zehn Gramm pro Tonne, was sie haben.“ Unterm Strich würden je Maschine „40 Millionen Euro pro Jahr“ übrig bleiben. Von diesem Gewinn würden die TGI-Kunden profitieren. „Ich trau mich sagen, und er (Gschwendtner) meint das auch, in zwei, drei Jahren ist das der größte Goldexporteur der Welt“, prophezeit Kaltenegger.

Vielleicht erfährt dann auch die Zambia Chamber of Mines von der Existenz der Bootup Africa.

Dieser Beitrag ist ursprünglich in der News-Printausgabe Nr. 20/2026 erschienen.

Über die Autoren

Logo
Monatsabo ab € 21,75
Ähnliche Artikel
2048ALMAITVEUNZZNSWI314112341311241241412414124141241TIER