ABO

Studie: Zoll-Deal mit USA bringt EU wenig Entlastung

Subressort
Aktualisiert
Lesezeit
5 min
Artikelbild

©Unsplash, Pat Whelen

Turnberry Deal bringt jedoch Vorhersehbarkeit in Handelsbeziehungen mit USA.

von

Der ausgehandelte Zolldeal der Europäischen Union mit den USA weist einer Studie zufolge eine gemischte Bilanz auf. Einerseits verhinderte das vereinbarte Abkommen eine Eskalation und half auch deutschen Exporteuren, andererseits blieb eine spürbare Entlastung insgesamt aus. Dies geht aus einer Analyse des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) hervor, die der Nachrichtenagentur Reuters am Montag im Voraus vorlag.

Der tatsächliche effektive Zollsatz für US-Importe aus der Europäischen Union lag demnach von September 2025 bis Februar 2026, also während der Geltungsdauer des Deals, bei 8,2 Prozent. Das liegt deutlich unter dem vereinbarten Satz von 15 Prozent, auf den sich US-Präsident Donald Trump und EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen im Spätsommer 2025 in Schottland geeinigt hatten ("Turnberry Deal").

Trump setzte Ultimatum

Trump hatte im April 2025 beim sogenannten "Tag der Befreiung" noch höhere Zollsätze verkündet. Während die USA die Vereinbarung zum Teil umgesetzt haben, läuft in der EU der Gesetzgebungsprozess noch. Trump hat den Europäern ein Ultimatum bis zum 4. Juli gesetzt, um das Abkommen in Kraft zu setzen und Zölle auf US-Industriegüter komplett abzuschaffen.

Deutschland, das vor der Vereinbarung mit bis zu 13 Prozent den höchsten effektiven Zollsatz hatte, näherte sich nach Inkrafttreten dem EU-Durchschnitt an. "Der Deal scheint somit die relative Situation Deutschlands verbessert zu haben", sagte IW-Expertin Samina Sultan.

Auf das Produkt kommt es an

Eine Branchenanalyse zeigt aber auch, dass der Deal die effektiven Zollsätze in vielen wichtigen EU-Exportsektoren nicht gesenkt hat. So seien deutsche und italienische Exporte von Maschinen und mechanischen Geräten von September 2025 bis Februar 2026 mit einem effektiven Zollsatz von rund 14,5 Prozent belegt worden. Das entspreche einem Anstieg um ein bis zwei Prozentpunkte verglichen mit August 2025. Ähnlich stieg auch der durchschnittliche effektive Zollsatz für elektrische Maschinen nach Inkrafttreten des Deals. "In beiden Sektoren lagen die effektiven Zollsätze für die EU deutlich über denen südostasiatischer Wettbewerber wie Taiwan, Vietnam oder Südkorea", hieß es.

Dies erklärt sich dem IW zufolge vor allem durch die unterschiedliche Zusammensetzung der Ausfuhren in die USA. So besteht ein großer und wachsender Anteil der taiwanesischen Exporte aus Datenverarbeitungsmaschinen und verschiedenen Halbleitern. Diese Güter unterlagen sehr niedrigen Zöllen oder waren sogar zollfrei und sind aufgrund des KI-Booms stark nachgefragt. "Dies verdeutlicht die mangelnde Spezialisierung der EU auf wachstumsstarke Produktkategorien, die derzeit kaum von US-Zöllen betroffen sind", hieß es.

Eine Ausnahme bilden dem IW zufolge Pkw: Hier sank der effektive Zollsatz für die EU im Durchschnitt sowie für einzelne Mitgliedstaaten von etwa 27 Prozent auf rund 15 Prozent. Dennoch war die EU selbst in diesem Bereich nach dem Turnberry Deal kaum bessergestellt als Wettbewerber wie Japan (15,4 Prozent).

Vorhersehbarkeit wichtigster Vorteil

Nach dem Urteil des Obersten Gerichtshofs der USA im Februar 2026 ersetzte die US-Regierung die reziproken Zölle weltweit durch einen zusätzlichen temporären Zoll von zehn Prozent auf einer anderen rechtlichen Grundlage. "Hauptprofiteure dieser neuen Struktur sind China und Indien, aber auch Südkorea und Vietnam, da ihre effektiven Zollraten deutlich gesenkt wurden", betonten die IW-Forscher. So sei Chinas effektiver Zollsatz um fast neun Prozentpunkte reduziert worden, für Indien sogar um 12,3 Punkte. Auch der effektive Zollsatz der EU sank demnach, und zwar um rund einen Prozentpunkt auf 8,1 Prozent.

"Sollten die USA die vor dem Urteil bestehende Zollstruktur im Wesentlichen wiederherstellen, kann der Deal unterm Strich noch positiv bewertet werden", sagte IW-Analystin Sultan. "Falls die EU jedoch keine relative Vorzugsbehandlung erhält, müsste sie die Ausgewogenheit des Deals überdenken, da eigene Zugeständnisse ebenfalls auf dieser Annahme beruhten." Der wichtigste Vorteil des Turnberry Deals dürfte jedoch in einer gewissen Vorhersehbarkeit der Handelsbeziehungen zu den USA liegen.

Über die Autoren

Logo
Monatsabo ab € 21,75
Ähnliche Artikel
2048ALMAITVEUNZZNSWI314112341311241241412414124141241TIER