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Der WKÖ war das erwartungsgemäß zu hoch. "3,8 Prozent gehen sich schlicht und ergreifend nicht aus", meinte Arbeitgebervertreter Rainer Trefelik nach der Forderungsübergabe. Ein Gegenangebot wurde damals noch nicht unterbreitet und wird für heute erwartet. Neben der Gehaltserhöhung fordert die GPA einen Zuschlag ab der ersten Stunde Mehrarbeit, eine Zulage für das Einspringen und eine verbindliche 5-Tage-Woche. Weiters soll die 6. Urlaubswoche früher erreicht werden können, betonte GPA-Chefverhandlerin Linda Keizer.
IHS-Chef Holger Bonin meinte vergangenen Sonntag, er trete für "differenzierte Abschlüsse" ein. Die Lage in der österreichischen Wirtschaft sei "sehr, sehr unterschiedlich", sagte der Wirtschaftsforscher in der ORF-"Pressestunde". Im Handel sei man nach wie vor mit der steigenden Konkurrenz durch den Onlinehandel konfrontiert, "das Kaufverhalten der Bürgerinnen und Bürger hat sich massiv verändert". Man müsse vermehrt auf die Produktivitätskomponente schauen. Denn man habe diese Produktivitätskomponente "oft am Durchschnitt der Wirtschaft festgemacht" und "nicht so sehr geschaut, wie geht es denn bei einzelnen Branchen".
Die Forderung der GPA nach 3,8 Prozent Lohnplus sei "am oberen Rand dessen, was eben möglicherweise erfüllbar ist für Teile des Handels". Man müsse damit rechnen, dass die Löhne im Handel über einen längeren Zeitraum nicht mehr nach oben gehen. "Am Ende müssen wir sehen, das wird ersetzt durch andere Dinge", so würden etwa im Bereich der Freizeitindustrie "sehr dynamisch Jobs" entstehen.
ÖGB-Bundesgeschäftsführerin Helene Schuberth konterte umgehend. "In Österreich werden Kollektivverträge seit jeher nach Branchen verhandelt. Die jeweilige wirtschaftliche Lage wird dabei berücksichtigt", so Schuberth. Gleichzeitig mussten die Lohnabschlüsse massive Kaufkraftverluste infolge der hohen Inflation ausgleichen, betonte sie.
Laut dem gewerkschaftsnahen Momentum Institut liegt das Lohnniveau im Handel deutlich unter dem gesamtwirtschaftlichen Durchschnitt. Der mittlere Bruttostundenlohn von Angestellten liege bei 19,04 Euro, während er in der Gesamtwirtschaft 23,09 Euro betrage. Am niedrigsten sei er im Einzelhandel mit 17,40 Euro, beim Kassen-Personal sogar nur 15,52 Euro. Im Kfz-Handel und im Großhandel liegt er mit 23,62 Euro bzw. 23,64 Euro über dem Wert der Gesamtwirtschaft, rechnet das Institut vor.
Es zeige sich: Je höher der Frauenanteil in den Berufsgruppen und Branchen, desto niedriger ist tendenziell der mittlere Bruttostundenlohn. Österreichweit bekämen rund 76.200 Angestellte im Handel weniger als 2.500 Euro brutto im Monat bezahlt - dies sei mit 20 Prozent ein Fünftel aller Handelsangestellten. Den höchsten Anteil an weiblichen Handelsbeschäftigten mit einem Lohn unter 2.500 Euro zeigten die Daten für die Steiermark - 28 Prozent der Frauen liegen demnach darunter. Bei den Männern sei es das Burgenland mit 25 Prozent.
Verhandelt wird in der zweiten KV-Runde in der Wirtschaftskammer in Wien Wieden über das Einkommen von 420.000 Angestellten und 19.000 Lehrlingen. In den vergangenen drei Jahren gab es für die Handelsangestellten einen Reallohnverlust, also einen Gehaltsabschluss unter der Jahresinflation. Die KV-Runde der Metallindustrie, die traditionell die Herbstlohnrunde einläutet, fiel heuer aus, da es vor einem Jahr einen Abschluss über 24 Monate gab.
