Hunderte Millionen Dollar steckte Elon Musk in den Wahlkampf der Republikaner, doch bei den Midterms ging ausgerechnet Texas an die Demokraten. Wie viel der reichste Mensch der Welt investiert hat, was nun für Tesla und SpaceX auf dem Spiel steht und wie er so mächtig wurde.
Elon Musk hat bei den US-Zwischenwahlen vom 3. November 2026 so viel Geld eingesetzt wie kein Spender vor ihm und trotzdem verloren. Mindestens 474 Millionen Dollar gab der Tesla- und SpaceX-Chef laut Wahlkampffinanzberichten für die Midterms aus, rund 224 Millionen davon in Texas. Genau dort setzten sich die Demokraten durch: Bei der Senatswahl schlug James Talarico den Republikaner Ken Paxton, den Musk am stärksten unterstützt hatte, und bei der Gouverneurswahl verlor Amtsinhaber Greg Abbott gegen Gina Hinojosa, wie news.at zum Wahlausgang berichtete.
Für Musk ist das mehr als eine politische Niederlage. In Texas hat Tesla seine Konzernzentrale, dort schickte der Autobauer seine ersten Robotaxis auf die Straße, und dort plant Musk gemeinsam mit SpaceX eine gewaltige Chipfabrik. An der Börse fielen die Aktien seiner beiden wichtigsten Unternehmen nach der Wahl deutlich, und das mitten in einer Phase, in der Musk Tesla und SpaceX zum größten Firmenzusammenschluss der Geschichte verschmelzen will.
Wie viel Geld hat Musk in die Midterms gesteckt?
Die Summe von mindestens 474 Millionen Dollar umfasst nur die Ausgaben bis Mitte Oktober, die Berichte für die Zeit nach der Wahl müssen erst Anfang Dezember bei der Bundeswahlbehörde FEC eingereicht werden. Schon jetzt gilt der Betrag als Rekord für eine Einzelperson in der US-Geschichte. Allein dem Senate Leadership Fund, dem wichtigsten Unterstützerkomitee der republikanischen Senatskandidatinnen und Senatskandidaten, überwies Musk laut dessen Quartalsbericht an die FEC im September 75 und 83 Millionen Dollar. Jeweils am Tag danach leitete der Fonds dieselben Beträge an ein Komitee weiter, das Paxton unterstützte. Gouverneur Abbott erhielt kurz vor der Wahl fünf Millionen Dollar.
Gemessen an Musks Vermögen ist das wenig: Im Oktober wurde es auf rund 920 Milliarden Dollar geschätzt. Politisch aber wiegt die Niederlage schwer. Die Demokraten eroberten bei den Zwischenwahlen beide Kammern des Kongresses, der neue Kongress tritt im Jänner zusammen. Musk reagierte auf seiner Plattform X mit einem Satz, der auf seine Pläne für Rechenzentren in der Erdumlaufbahn anspielt: „Rechenzentren im All sehen gerade ziemlich verlockend aus.“
Die Anlegerinnen und Anleger reagierten weniger gelassen. Am Tag nach der Wahl schloss die SpaceX-Aktie 3,8 Prozent im Minus, Tesla verlor 3,3 Prozent, während der breite Markt zulegte. Auch am Donnerstag setzten beide Papiere ihre Talfahrt fort.
Elon Musk im Gespräch mit First Lady Melania Trump beim Staatsdinner zu Ehren von Chinas Präsident Xi Jinping im East Room des Weißen Hauses am 24. September 2026.
© AFP, APA, BRENDAN SMIALOWSKIWarum steht für Tesla und SpaceX so viel auf dem Spiel?
Am 21. Oktober hatte Musk bei der Vorlage der SpaceX-Quartalszahlen erklärt, dass beide Konzerne auf Wunsch von Aktionären spezielle Ausschüsse gebildet hätten, die einen Zusammenschluss prüfen. Er selbst halte das für eine gute Idee, sei wegen möglicher Interessenkonflikte aber nicht Teil der Gremien, berichtete news.at unter Berufung auf die APA. Für einen solchen Schritt wäre die Zustimmung von mindestens der Hälfte aller Tesla-Aktionärinnen und -Aktionäre nötig. SpaceX war zu diesem Zeitpunkt an der Börse knapp 2,2 Billionen Dollar wert, Tesla gut 1,5 Billionen.
SpaceX selbst ist erst seit Mitte Juni 2026 börsennotiert. Mit einem Erlös von rund 75 Milliarden Dollar und einem Ausgabepreis von 135 Dollar je Aktie war es der bisher größte Börsengang, die Bewertung lag zum Debüt bei fast 1,8 Billionen Dollar. Zuvor hatte Musk seine KI-Firma xAI in SpaceX aufgehen lassen. Im dritten Quartal 2026 verbuchte das Unternehmen einen Gewinn von 4,4 Milliarden Dollar, getragen vom Satelliteninternet Starlink mit 13,6 Millionen Kundinnen und Kunden und von der Vermietung von KI-Rechenzentren.
Bei SpaceX hat Musk dank Aktien mit mehrfachem Stimmrecht die volle Kontrolle, bei Tesla nicht. Die Tesla-Aktionärinnen und -Aktionäre stellten ihm 2025 zwar ein riesiges Aktienpaket in Aussicht, allerdings nur, wenn der Konzern sehr ehrgeizige Ziele erreicht. Ein Zusammenschluss mit SpaceX könnte Musk die Kontrolle verschaffen, die er bei Tesla seit Jahren anstrebt. Genau dafür braucht er politisch stabile Verhältnisse und das Vertrauen der Märkte.
Herkunft: Von Pretoria über Kanada an die Ostküste der USA
Elon Reeve Musk wurde laut der Encyclopaedia Britannica am 28. Juni 1971 in Pretoria in Südafrika geboren, als Sohn eines südafrikanischen Vaters und einer kanadischen Mutter. 1988 verließ er mit einem kanadischen Pass Südafrika, auch weil ihn die wirtschaftlichen Möglichkeiten in den USA lockten. Zunächst studierte er an der Queen's University in Kingston im kanadischen Ontario, 1992 wechselte er an die University of Pennsylvania in Philadelphia.
Dort erwarb er laut seiner offiziellen Biografie bei Tesla einen Bachelor in Physik sowie einen Bachelor in Wirtschaft an der Wharton School. Die Kombination aus Naturwissenschaft und Ökonomie prägt seine Unternehmen bis heute: Musk tritt nicht nur als Geldgeber auf, sondern versteht sich bei SpaceX auch als leitender Konstrukteur, der die Entwicklung von Raketen und Raumschiffen selbst verantwortet.
Werdegang: Zip2, PayPal und der Einstieg bei Tesla
Sein erstes Unternehmen gründete Musk Mitte der 1990er-Jahre gemeinsam mit seinem Bruder Kimbal im Silicon Valley: Zip2, einen der ersten Online-Dienste für Stadtpläne und Wegbeschreibungen. Im März 1999 übernahm der Computerkonzern Compaq die Firma. Mit dem Erlös baute Musk eine Internetbank auf, aus der nach einer Fusion der Bezahldienst PayPal hervorging. Im Oktober 2002 kaufte eBay PayPal, Musk war als Mitgründer einer der großen Gewinner des Verkaufs.
Das Geld investierte er in zwei Wetten, die damals viele für aussichtslos hielten. Im Mai 2002 gründete er das Raumfahrtunternehmen Space Exploration Technologies, kurz SpaceX, das er seither als Vorstandschef, Technikchef und Vorsitzender führt. Im April 2004 zog er in den Verwaltungsrat des jungen Elektroautoherstellers Tesla ein, seit Oktober 2008 ist er dessen Chef. Daneben gründete oder leitete er das Hirnchip-Unternehmen Neuralink und den Tunnelbauer The Boring Company.
Elon Musk und NASA-Administrator Jim Bridenstine (l.) bei der Pressekonferenz nach dem Start der unbemannten Crew-Dragon-Mission Demo-1 im Kennedy Space Center am 2. März 2019.
© NASA, Kim ShiflettSpaceX: Vom Außenseiter zum unverzichtbaren Partner der NASA
Bei SpaceX setzte Musk von Beginn an auf wiederverwendbare Raketen, um die Kosten für Flüge ins All drastisch zu senken. Der Durchbruch zum staatlichen Partner gelang mit der Raumkapsel Crew Dragon: Im März 2019 flog sie bei der Mission Demo-1 unbemannt zur Internationalen Raumstation, im Jänner 2020 bestand sie einen Test des Notfall-Rettungssystems. Ende Mai 2020 brachte SpaceX mit Robert Behnken und Douglas Hurley erstmals NASA-Astronauten an Bord einer privaten Kapsel ins All.
Heute sind die SpaceX-Raketen für die US-Raumfahrt unverzichtbar, militärische Programme eingeschlossen. Das größte Geschäft ist inzwischen aber Starlink, ein Netz aus mehr als 10.000 Satelliten, das Internet aus dem All liefert. Musk kündigte im Oktober an, die Zahl der Satelliten binnen drei Jahren auf 100.000 zu steigern, und die Großrakete Starship, die bis dahin 14 Testflüge absolviert hatte, solle gegen Ende 2027 zweimal pro Woche starten. Für allzu optimistische Zeitpläne ist Musk allerdings bekannt.
Elon Musk (r.) und der damalige NASA-Administrator Jim Bridenstine im Firing Room 4 des Launch Control Center vor dem Notfall-Test der Crew Dragon am 19. Jänner 2020.
© NASA, Kim ShiflettTwitter, Trump und DOGE: Musks Weg in die Politik
Im Oktober 2022 übernahm Musk für rund 44 Milliarden Dollar den Kurznachrichtendienst Twitter, den er später in X umbenannte. Er lockerte die Regeln für Inhalte und machte die Plattform zu seinem wichtigsten Sprachrohr. Im US-Präsidentschaftswahlkampf 2024 spendete er mehrere Hundert Millionen Dollar für Donald Trump und wurde zeitweise zu einem seiner engsten Vertrauten.
Nach Trumps Amtsantritt richtete das Weiße Haus per Präsidentenerlass vom 20. Jänner 2025 das sogenannte Department of Government Efficiency ein, kurz DOGE. Musk sollte damit die Ausgaben der US-Regierung kürzen und erntete für sein rabiates Vorgehen viel Kritik. Ende Mai 2025 kündigte er seinen Rückzug aus DOGE an. Sein politisches Engagement hatte Folgen für Tesla: Anfang 2025 brach der Absatz des Autobauers in einigen Ländern ein, weil viele Kundinnen und Kunden Musks Nähe zu Trump ablehnten. Inzwischen verkauft Tesla wieder mehr Autos, auch dank günstigerer Einstiegsmodelle.
Musk ist für seine rechten politischen Ansichten bekannt und mischt sich auf X regelmäßig in politische Debatten ein. Sein Einfluss in Washington blieb groß: Er ist Co-Vorsitzender eines Gremiums, das das Pentagon zur Kriegsführung der Zukunft beraten soll. Bei den Midterms 2026 setzte er erneut in großem Stil auf die Republikaner, mit dem bekannten Ergebnis.
Tesla zwischen Robotaxi und humanoidem Roboter
Den Börsenwert von Tesla begründet Musk längst nicht mehr nur mit Elektroautos. Der Konzern will 2026 rund 25 Milliarden Dollar in Künstliche Intelligenz, Roboter und Halbleiter investieren. Im Mittelpunkt stehen das Robotaxi Cybercab, ein selbstfahrendes Auto ohne Lenkrad und Pedale, und der humanoide Roboter Optimus, von dem Tesla langfristig zehn Millionen Stück pro Jahr bauen will. Robotaxi-Dienste mit dem Model Y bietet Tesla nach dem Start in Austin auch in Houston und Dallas an.
Kritikerinnen und Kritiker halten viele dieser Versprechen für unrealistisch, Musks Anhängerinnen und Anhänger sehen darin den nächsten großen Technologiesprung. Fest steht: Ein großer Teil der hohen Bewertungen von Tesla und SpaceX beruht auf der Erwartung, dass Musk seine Ankündigungen einlöst. Umso genauer verfolgen die Märkte, ob er nach der Niederlage in Texas politisch an Rückhalt verliert.
Steckbrief
Name
Elon Reeve Musk
Geboren
28. Juni 1971 in Pretoria, Südafrika
Ausbildung
Queen's University in Kingston (Kanada), ab 1992 University of Pennsylvania: Bachelor in Physik und Bachelor in Wirtschaft (Wharton School)
Beruf
Unternehmer
Unternehmen
Gründer und Chef von SpaceX (seit Mai 2002), Chef von Tesla (seit Oktober 2008, Verwaltungsrat seit April 2004), Eigentümer von X (vormals Twitter, seit Oktober 2022), Mitgründer von Neuralink und The Boring Company
Frühere Firmen
Zip2 (1999 an Compaq verkauft), PayPal (2002 an eBay verkauft)
Politik
Leitete 2025 die Sparinitiative DOGE der Trump-Regierung, Rückzug Ende Mai 2025; Großspender der Republikaner bei den Wahlen 2024 und 2026
Vermögen
geschätzt rund 920 Milliarden Dollar (Oktober 2026)
Quellen
Tesla Investor Relations: Elon Musk, Biografie (abgerufen 2026)
The White House: Establishing and Implementing the President's Department of Government Efficiency, Executive Order (20. Jänner 2025)
Encyclopaedia Britannica: Elon Musk (2026)
news.at: Tesla und SpaceX prüfen laut Musk Zusammenschluss (21. Oktober 2026)
news.at: Midterms 2026: US-Demokraten übernehmen nach Erdrutschsieg Kontrolle des Kongresses (4. November 2026)
Quelle: APA
Weitere Quelle: Scripps News, Elon Musk's record $474 million election bet backfires in Texas (5. November 2026)
