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Berger Schokolade: Von der Garage ins KaDeWe

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Christine und Hubert Berger

©Matt Observe

1994 begannen Christine und Hubert Berger in einer Garage in Lofer. Heute wird ihre Schokolade im KaDeWe in Berlin und im Alsterhaus in Hamburg verkauft. Hypes sehen sie gelassen; steigende Rohstoffpreise weniger. Ein Gespräch über teuren Kakao, Bio aus Überzeugung und Bauchgefühl als Geschäftsmodell.

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Wie teuer darf Schokolade werden?

Christine Berger: Ich traue mir nicht zu sagen, wohin die Reise geht. Kann schon sein, dass Schokolade ein richtiges Luxusprodukt wird. Wir wünschen uns, dass Schokolade für alle leistbar bleibt. Aber es gibt Krisen, Ernteausfälle, Umweltphänomene - davon sind wir abhängig. Wir sind bio-zertifiziert. Wir wollen etwas für Umwelt und Natur tun. Und wir hoffen, dass Kakao langfristig verfügbar bleibt. Wir haben kein Sojalecithin in der Schokolade, sondern das sehr gute Sonnenblumenlecithin drinnen. Das kostet natürlich. Und wir haben Edelbitterschokolade mit 70 Prozent Kakaoanteil.

Sie haben 1994 in einer 25-Quadratmeter-Garage begonnen. Was war damals die größte Belastung?

Hubert Berger: Meine größte Sorge war die private Situation: Meine Frau war gerade schwanger, gleichzeitig lag mein Vater im Sterben. Das fiel alles in dieselbe Zeit. Ich war zuvor zwei Jahre als Betriebsleiter in der Schokoladenproduktion in Bad Reichenhall tätig – eine Arbeit, die ich sehr geliebt habe. Ich bin grundsätzlich ein vorsichtiger, eher ängstlicher Mensch. Deshalb haben wir von Anfang an bewusst darauf geachtet, nicht zu viele Schulden zu machen. Bodenhaftung ist wichtig – aber zu viel Angst im Leben bringt einen auch nicht weiter.

War Chocolatier immer Ihr Berufswunsch?

Hubert Berger: Ich war kein besonders fleißiger Schüler. Durchkommen war alles. Ich wollte zuerst Mechaniker lernen. Meine Mutter hat mich nie so richtig in die Küche gelassen. Ein Fehler. Da werden viele Karrieren zerstört, wenn man Kinder nicht machen lässt. Mein Vater hat dann gesagt: „Du könntest Konditor lernen.“ Ich war ungefähr 14 und dachte: „Ist das Kuchen machen? Schaumrollen und Eis?“

Ich habe im Ort Konditor gelernt, bin schon vorher sonntags in die Backstube, wenn ich frei hatte – und habe dort gemerkt: Das könnte meins sein. Im zweiten Lehrjahr habe ich gesagt: „Lass mich die Backstube leiten.“ Dann war ich Backstubenleiter. Mit 15, 16 wusste ich: Ich mache mich selbstständig. Wir haben am Freitag, 23. September 1994 in der Garage gestartet. Am ersten Tag hatte ich fast 4.000 Schilling Umsatz. Mein Vater hat gesagt: „Sag der Mama lieber 6.000 – dann ist sie beruhigter.

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 © Kerstin Joensson
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 © Berger Feinste Confiserie

Wann war klar: Davon können wir leben?

Hubert Berger: Selbstbewusst war ich von Anfang an. Wenn ich etwas mache, dann mache ich es. Ich habe parallel gearbeitet: 40 Stunden als Betriebsleiter in Bad Reichenhall – und daneben das eigene Unternehmen. Von 6 bis 13 Uhr, dann ins Auto und schnell etwas gegessen, um 14 Uhr die Garage aufgesperrt bis 18, 19 Uhr gearbeitet. Am Samstag, am Sonntag. Nach zwei, zweieinhalb Jahren kam der Absprung in die richtige Selbstständigkeit.

Christine Berger: Nach drei Jahren hatten wir das erste Geschäft direkt an der Produktionsstätte. Jetzt durften wir zeigen, was wir können.

Bio, fair, regional: Wie rechnet sich Idealismus?

Hubert Berger: Man bekommt jeden Monat eine BWA – Umsätze, Wareneinsatz, Personalkosten –, da sieht man das Ergebnis. Wenn es nicht negativ wird, warum sollte man es ändern? Beim Personal sind wir gerade eher „zu hoch“ eingestellt – zu viele –, aber in zwei Jahren geht jemand in Pension, wir nehmen noch einen Lehrling, und man weiß nie: Bleibt die? Passt die? Lieber haben wir etwas mehr Personalkosten und Sicherheit. Wir haben ein Team über viele Jahre, viele sind 20, 25 Jahre bei uns. Wir wachsen, miteinander. Auch an Aufgaben.

Christine Berger: Als die Rohstoffpreise explodiert sind, haben wir kurz überlegt, von Bio auf konventionell umzusteigen. Aber das war keine Option. Ja, Rohstoffe sind teurer, und Bio-Qualitäten sind manchmal schwerer zu bekommen. Trotzdem ist es unser Weg, den Kunden beste Qualität zu bieten.

Kaufen Kunden wirklich bewusst – oder beruhigen sie nur ihr Gewissen?

Christine Berger: Ich glaube, es ist eine bewusste Kaufentscheidung. Unsere Kinder Anna und Franz waren bei unseren Kakaoproduzenten. Für uns ist es ein Bedürfnis, genau aus dieser Region in Madagaskar und der Dominikanischen Republik zu beziehen und den Kakaobauern einen Mehrwert zu liefern. Und zu schauen, dass es wirklich so ist, wie man es sich vorstellt.

Hubert Berger: In Madagaskar, einem der ärmsten Länder der Welt, durften die Kinder unsere Schokolade verkosten. Sie waren so fröhlich und begeistert. Ein beeindruckendes Erlebnis, eine Erinnerung, die bleibt. Und Schokolade ist ja nicht nur Kakao. Sondern auch Zucker, Milchpulver und Rahm. Wir hatten Phasen mit schlechterem Betriebsergebnis, dann muss man bei anderen Dingen sparen, etwa Verpackung. Kakao ist extrem gestiegen, ein Schock: jahrelange Partnerschaft mit einem Lieferanten, und plötzlich kommt ein Angebot, bei dem man sich fragt: „Ist das noch dieselbe Person?“ Wir müssen es an den Kunden weitergeben, sonst geht es nicht. Und Gott sei Dank honorieren das die Kunden.

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 © Berger Feinste Confiserie

Gibt es eine Schmerzgrenze?

Hubert Berger: Mogelpackungen gibt es bei uns nicht. Wenn wir die besten Nüsse oder Mandeln bekommen – aus Mallorca zum Beispiel –, dann nehmen wir sie. Wenn die Qualität besser ist als vorher, musst du sie nehmen.

Wie haben Sie auf den Hype um die Dubai-Schokolade geblickt?

Christine Berger: Die Kinder haben uns von dem Trend erzählt und gemeint, das müssen wir machen. Es sind eh viele darauf aufgesprungen. Das Produkt wird wahrscheinlich bleiben. Wir machen auch keine Mozartkugeln. Man muss nicht überall dabei sein.

Sie sind stark gewachsen. Was war immer gesetzt?

Hubert Berger: Spontaneität. Ich bereite mich oft nicht gern lang vor. Zum Beispiel Graz: Der Architekt dort hat gesagt: „Wann kommst du nach Graz?“ Ich habe gesagt: „Wenn du uns drei Geschäfte zeigst, kommen wir.“ Fünf Wochen später hatte er drei. Das zweite haben wir genommen. Das dritte gar nicht mehr angeschaut. Sonst wären wir wahrscheinlich nie in Graz gelandet. Wir machen viel über Bauchgefühl. Die Chemie muss passen. Und: Wir haben uns nie Ziele gesetzt. Nie. Ich habe vor 15 Jahren erst gewusst, was ein Cashflow ist.

Ist das Gelassenheit – oder auch Risiko?

Hubert Berger: Ja. Man sieht es ja jeden Monat, ob es passt. Das Produkt hat überzeugt, deshalb sind wir gewachsen.

Wie blicken Sie auf Zotter, Läderach oder Lindt?

Hubert Berger: Wir schauen nicht nach links und rechts. Was macht der? Wie schmeckt das? Das tun wir nicht. Ich schaue selten auf Webseiten anderer – vielleicht alle drei Jahre. Ist vielleicht ein Fehler. Ich weiß es nicht. Jede Marke hat ihre Philosophie. Wir haben unsere.

Sie sind im KaDeWe in Berlin und im Alsterhaus in Hamburg. Warum sind solche Häuser wichtig?

Hubert Berger: Solche Häuser funktionieren über internationales Publikum. Daher ist das wichtig. Früher hatten wir über 40 Prozent Export: Japan, Russland, Deutschland, Italien, Skandinavien. Durch Krisen hat sich das gedreht – heute sind es nicht mehr als zehn Prozent. Wir sind trotzdem gewachsen. Über 70 Prozent machen wir in unseren eigenen Geschäften. Online ist minimal, etwa zwei Prozent.

Wie wählen Sie Partner aus?

Hubert Berger: Wer anfragt, bekommt einen drei- bis vierseitigen Fragenkatalog. Dann ist die Hälfte schon weg. Fragen sind: Größe, Umsatz, Kühlung, welche Marken sonst, Kundenfrequenz, Aufbau des Geschäfts. Zehn Prozent bleiben über. Wir wollen nicht überall sein. „Willst was gelten, mach dich selten.“ In Österreich haben wir rund 120 Wiederverkäufer.

Merken Sie Inflation und Sparen?

Hubert Berger: Schwer zu sagen. Das Produkt ist im letzten Jahr um fast 20 Prozent teurer geworden. Liegt es daran, weil das Produkt teurer geworden ist oder weil die Leute mehr sparen? Wir konnten den Umsatz halten, sogar leicht steigern, aber in der Menge etwas weniger produzieren.

Was treibt Sie mit Blick auf die nächsten zehn Jahre am meisten um?

Christine Berger: Die Rohstofffrage. Wenn weltweit der Schokoladenkonsum steigt – in Ländern, die noch nicht so konsumieren wie Europa, und wenn China und andere Staaten stärker einsteigen –, wird es schwieriger. Es wird aber auch wieder mehr angebaut. Unser Qualitätsanspruch ist schwierig in Einklang zu bringen mit knapper Verfügbarkeit.

Ihre Kinder sind im Unternehmen. War das immer klar?

Christine Berger: Nein. Wir haben immer gesagt: Macht, was euch interessiert, wo ihr euch seht, was euch Freude macht. Sie sind hinaus in die Welt gegangen – und zum Glück mit einer tollen Ausbildung wieder heimgekommen. Seit Februar diesen Jahres teilen wir uns die Geschäftsführung zu viert. Anna ist 31 und Franz 28 Jahre, die beste Zeit, um mit frischen Ideen und viel Energie ein Unternehmen zu führen.

Welche Botschaft würden Sie der nächsten Generation mitgeben?

Christine Berger: Führt dieses Unternehmen mit Mut und Herz, aber auch mit wachen Augen für den Wandel der Zeit. Seid bereit, mutig Entscheidungen zu treffen, auch wenn sie unbequem sind. Wahre Führung bedeutet nicht nur, das Heute zu sichern, sondern das Morgen zu gestalten.

Hubert Berger: Zu viel Angst ist nichts. Übertriebener Mut ist aber auch nichts. Bauch und Herz bleiben wichtig. Nicht übermütig zu werden und gesund zu wachsen.

Dieser Beitrag ist ursprünglich in der News-Printausgabe Nr. 41/2026 erschienen.

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