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Seit 2026 gilt für Arbeiten im Freien eine Hitzeschutzverordnung. Ab Hitzewarnung der GeoSphere Austria Stufe 2 ("Warnstufe gelb", 30 bis 34 Grad Celsius) müssen Arbeitgeber verpflichtend Schutzmaßnahmen umsetzen und dokumentieren. Bereits ab 30 Grad steigt das Unfallrisiko laut AK um 7 Prozent. Bei sehr schwerer körperlicher Arbeit unter extremen Bedingungen ist laut einer AK-Studie nur noch rund 15 Minuten ununterbrochene Arbeit medizinisch vertretbar.
Die Hitzeschutzverordnung ist laut der Gewerkschaft Bau-Holz ein Schritt in die richtige Richtung. Problem ist aus GBH-Sicht aber, dass diese in vielen Betrieben noch nicht angekommen sei, wie Kontrollen des Arbeitsinspektorats zeigten. In über 70 Prozent von rund 2.300 Kontrollen gab es demnach Beanstandungen, weil Gefahren nicht ausreichend evaluiert, keine Maßnahmen gesetzt oder dokumentiert wurden, berichtete der "Kurier" vor kurzem.
Angesichts immer länger andauernder Hitzewellen braucht es laut GBH aber weitere Maßnahmen, die in den kommenden Monaten diskutiert werden müssten. Neben der langjährigen Forderung nach einem Rechtsanspruch auf Hitzefrei sprachen sich die Gewerkschafter auch für eine gesetzlich begrenzte Höchstarbeitszeit an Hitzetagen aus.
Erfreulich sei, dass die Hitzefrei-Regelung heuer so stark genutzt werde wie noch nie, was die Gewerkschaft neben den längeren Hitzeperioden auch auf ihren Druck in den Betrieben zurückführt. Demnach profitiere heuer bereits jeder dritte Bauarbeiter von der Regelung. Wendet eine Baufirma die Hitzefrei-Regelung an, gibt es eine Entgeltfortzahlung von 60 Prozent und eine Refundierung an den Arbeitgeber durch die Bauarbeiter-Urlaubs- und Abfertigungskasse.
Der AK geht die Hitzeschutzverordnung indes nicht weit genug. Es fehlten klare Belastungsgrenzen, ab wann es bezahlte Pausen und schlussendlich Hitzefrei geben muss. Auch Faktoren wie die Schwere der Arbeit oder Vorerkrankungen sollten aus AK-Sicht miteinbezogen werden.
Im Herbst sollen Verhandlungen zur Modernisierung des Arbeitnehmerschutzes starten, wobei auch der Hitzeschutz eine "wesentliche Rolle spielen und weiterentwickelt werden" soll, hieß es seitens der AK zur APA. Die Arbeitnehmervertreter wollen sich dabei für bezahlte Pausenregelungen, Hitzefrei und die Ausdehnung des Hitzeschutzes auf Innenräume einsetzen. Auch gegen Einsparungen bei den Arbeitsinspektoraten sprach sich die AK aus.
Österreichs große Baukonzerne setzen nach eigenen Angaben verschiedenste Schutzmaßnahmen um. Von der Strabag hieß es zur APA: "Wir stellen Kühltücher, Sonnenschutz und Getränke zur Verfügung und treffen organisatorische Maßnahmen wie versetzte Pausen und verlegen Arbeitszeiten nach Möglichkeit auf kühlere Tageszeiten". Zudem werde auf UV-zertifizierte Arbeitskleidung, Sonnenschutz- und Hautschutzmittel und Sonnenschutzbrillen gesetzt.
Ähnliche Maßnahmen trifft die Porr, die unter anderem auch auf gekühlte Krankabinen, Baucontainer und Pausenbereiche setzt. Zudem werde die Schutzausrüstung laufend weiterentwickelt. So biete man unterhalb der Helme Kühlschweißbänder und Nackenschutz an. Zudem werde mit Job Rotation gearbeitet: "Wenn es uns die Gemeinden ermöglichen, verlegen wir die Arbeitszeiten in die frühen Morgenstunden, um sie auch früher beenden zu können".
Für die Beschäftigten der Asfinag, die etwa Grünflächen mähen, Fahrbahnen reparieren oder Baustellen sichern, gibt es flexiblere Arbeitszeiten, um die Mittagshitze zu meiden. In Ballungsräumen würden Arbeiten verstärkt in die kühleren Abend- oder Nachtstunden und frühen Morgenstunden gelegt. Zudem gebe es bei extremer Hitzeeinwirkung zusätzliche Pausenzeiten im Schatten.
