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Wissenschaft sorgt sich um akademische Freiheit und Demokratie in EU

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Experten sehen Wissenschaft selbst als "Demokratie-Infrastruktur"
©APA, HANS KLAUS TECHT, Themenbild
In Zeiten zunehmender Bedrohungen für Europas Demokratien durch Desinformation und dem Auseinanderdriften der Gesellschaft komme der Wissenschaft eine wichtige stabilisierende Rolle zu. Das betont die Gruppe der wissenschaftlichen Chefberater der EU-Kommission (GCSA) in einem Kommentar im Fachjournal "Nature". Allerdings sollten häufiger werdende Anfeindungen von Forschenden und Attacken auf die akademische Freiheit alle nachdenklich stimmen, heißt es darin.

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Ein funktionierendes Wissenschaftssystem in all seinen Facetten sei nicht etwa eine Art Anhängsel einer liberalen Demokratie, sondern gewissermaßen einer ihrer Grundpfeiler, argumentiert die siebenköpfige Gruppe, zu der u.a. der Wirtschafts- und Politikwissenschafter Martin Kahanec von der Central European University (CEU) in Wien zählt. Sehe man sich an, dass es aktuell in Teilen der Politik das Bestreben gibt, einzelne Forschende oder wissenschaftliche Fachbereiche über andere zu stellen bzw. diese gegeneinander auszuspielen, sei das keine gute Entwicklung. Ein "Teile-und-herrsche"-Ansatz in Bezug auf die Wissenschaft werde zum Teil auch aus taktischen Gründen und aus der Furcht um Fördermittel sogar in der Forschungsgemeinde selbst akzeptiert, so das Gremium.

Wenn aber wissenschaftliche Expertise untergraben wird, dürfe man nicht vergessen, dass sie eine nicht unerhebliche Rolle dabei spielt, den Wahrheitsgehalt von Informationen sicherzustellen und damit zur demokratischen Urteilsbildung beizutragen. Demokratische Gesellschaften sind ständig mit komplexen, sich dynamisch verändernden Fragestellungen konfrontiert und Forschungseinrichtungen könnten beim Manövrieren durch diese Herausforderungen helfen. Unterdessen werde jedoch die "Legitimität von Expertise in Europa zunehmend in Frage gestellt" sowie demokratischen Institutionen vielfach die Glaubwürdigkeit abgesprochen, erklären die Expertinnen und Experten.

Das wissenschaftliche System mit seinem offenen Umgang mit verschiedenen Meinungen und Sichtweisen, seiner Lernfähigkeit, seiner Tendenz zum Testen von Hypothesen durch Experimente und Co sowie seiner Anpassungsfähigkeit an neue Sachverhalte könne dementsprechend zur "demokratischen Widerstandsfähigkeit" und zur effektiven Entscheidungsfindung beitragen. Das würde letztlich auch dabei helfen, das öffentliche Vertrauen in demokratische Institutionen zu stärken, zeigt sich die Gruppe überzeugt, die die Wissenschaft selbst als "demokratische Infrastruktur" betrachtet.

Diese brauche dementsprechend auch eine "stabile öffentliche Finanzierung", betont das Gremium. Werden Forschungsmittel gekürzt, könne das unerwünschte neue Abhängigkeiten bringen, die - wenn entsprechende Schutzvorkehrungen fehlen - "zu tatsächlichen oder vermeintlichen Interessenskonflikten führen". Wer eine Schwächung der Wissenschaft anstrebt, beeinträchtige "die Fähigkeit von Gesellschaften, die Realität zu verstehen, untergrabe die Fähigkeit zum kritischen Denken bei künftigen Generationen, sowie zum Einordnen und Bewerten von Informationen und die Fähigkeit, seine Meinung gegenüber den Mächtigen zu äußern".

Hintergrund für diverse Aufrufe, die momentan die Wichtigkeit der Wissenschaft hervorheben, sind auch die Verhandlungen rund um den nächsten EU-Finanzrahmen von 2028 bis 2034 und damit auch für das zehnte EU-Forschungsrahmenprogramm (FP10). Derzeit steht eine Dotation von 175 Mrd. Euro als Vorschlag der irischen EU-Ratspräsidentschaft im Raum. Im Vorfeld forderten viele Akteure aber ein deutlich höheres Forschungsbudget. So hatte der "Draghi-Report" 200 Mrd. Euro vorgeschlagen. Ein Expertengremium brachte mit seinem "Heitor-Bericht" sogar 220 Mrd. Euro ins Spiel. Zum Vergleich: Das noch bis Ende 2027 laufende EU-Forschungsrahmenprogramm ist mit rund 100 Mrd. Euro ausgestattet.

Mit einem Offenen Brief an die österreichische Bundesregierung machte sich Ende der vergangenen Woche auch der Rat für Forschung, Wissenschaft, Innovation und Technologieentwicklung (FORWIT) gegen "Kürzungen" im Forschungsbereich stark. In Österreich selbst wirke "sich die notwendige Budgetkonsolidierung bereits auf das Wissenschafts- und Forschungssystem aus. Gerade vor diesem Hintergrund ist es in Österreichs bestem Interesse, sich für das europäische Forschungsbudget einzusetzen", heißt es. Man zähle "dank exzellenter Forschungsleistungen und Talente zu den finanziellen Gewinnern - wir erhalten mehr 'Forschungseuros' zurück, als wir einzahlen".

(S E R V I C E - Kommentar in "Nature": https://www.nature.com/articles/d41586-026-03510-4 ; Offener Brief des FORWIT: https://go.apa.at/Gnv82SVO )

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