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Prostatakrebs-Screening: Plan vorhanden - Beschlussfassung fehlt

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MRT-Untersuchungen könnten eingespart werden
©APA/APA/Fohringer/HELMUT FOHRINGER
Der Plan eines österreichweiten Screening-Programms für Männer auf Prostatakrebs ist fertig. Er könnte jährlich Hunderttausende unnötige PSA-Bluttests, viele MRT-Untersuchungen und Biopsien bei größerer Treffgenauigkeit einsparen. Jetzt müssten sich Dachverband der Sozialversicherungsträger und Politik zum Handeln entschließen, hieß es am Samstag bei den Praevenire Gesundheitsgesprächen in Alpbach (bis 12. Juli).

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Pro Jahr in Österreich wird die Diagnose Prostatakrebs bei rund 8.500 Männern gestellt. Wahrscheinlich sind es aber jährlich an die 11.000 Neuerkrankungen. Etwa 1.200 Betroffene sterben jedes Jahr daran. Jetzt soll ein neues Screeningprogramm viele Prostatakarzinom-Fälle im unheilbaren Spätstadium verhindern. Shahrokh Shariat, Vorstand der Universitätsklinik für Urologie der MedUni Wien (AKH): "Ein organisiertes Screeningprogramm bringt laut Studien um 33 Prozent weniger Fälle im bereits metastasierten Krankheitsstadium und um 40 bis 50 Prozent weniger Todesfälle."

Das wäre auch in Österreich erreichbar. Shariat hat mit allen in Betracht kommenden medizinischen Fachgesellschaften, Krankenkassen und auch zusammen mit Selbsthilfegruppen ein solches Programm fertig entwickelt. Einer der Gründe dafür, so der Urologe: Es werden viel zu viele ungezielt erfolgende Bluttests auf das Prostata-spezifische Antigen (PSA) in zum Teil falschen Altersgruppen und dort auch zu oft durchgeführt. Das gleiche gilt für Prostata-Magnetresonanzuntersuchungen bis hin zu Gewebebiopsien. In rund 30 Prozent der Fälle kommt es auch zu Überdiagnosen mit belastenden Folgeuntersuchungen und Therapien.

Der Urologe: "In Österreich haben 40 Prozent der 45- bis 79-Jährigen zumindest einen PSA-Test bekommen, ebenso 48 Prozent der 80- bis 94-Jährigen. Wer aber mit 80 Jahren und darüber an einem Prostatakarzinom erkrankt, wird daran nicht sterben." So werde mit den zufälligen "opportunistischen" Tests ausgerechnet jene große Gruppe der Männer nicht erreicht, die im mittleren Alter bis Ende 70 eben am meisten durch diese Krebserkrankung gefährdet sind.

Das neue Programm soll das radikal ändern: Alle Männer zwischen 50 und 70 Jahren sollen eingeladen werden und via Hausärzte, Urologen etc. und zu Bluttests auf die PSA-Konzentration kommen. Bei niedrigen Werten gibt es längere Intervalle zur Wiederholung, bei erhöhten Werten soll der Urologe aufgesucht werden. Nach neuerlichem Test und verdächtigen Werten folgt eine Magnetresonanz-Untersuchung, schließlich im anhaltenden Zweifelsfall eine Biopsie und weitere Schritte. Gibt es beispielsweise im Abstand von jeweils fünf Jahren drei Mal niedrige PSA-Werte von unter einem Nanogramm pro Milliliter, kann überhaupt auf weitere Screeninguntersuchungen verzichtet werden.

"Prostatakrebs-Screening sollte gut oder gar nicht durchgeführt werden. Ich will, dass es billiger, besser und fairer wird", erklärte der Urologe. Und so sehen die Berechnungen aus, wenn es in Österreich zu einem solchen Programm wirklich kommt: Von 1.000 eingeladenen und teilnehmenden Männern im Alter zwischen 50 und 70 Jahren würde bei 100 bis 160 (zehn bis 16 Prozent) ein erhöhter PSA-Wert (größer drei Nanogramm pro Milliliter) im Blut festgestellt werden. Damit könnten aber bei niedrigen Werten 80 Prozent dieser Tests in den folgenden fünf Jahren entfallen.

Bei drei bis 7,5 Prozent (30 bis 75 Männer) der Teilnehmer würde eine Prostata-Magnetresonanzuntersuchung ohne Kontrastmittel erfolgen. Das wären um 34 Prozent weniger als derzeit durchgeführt werden. Zehn bis 30 Männer (ein bis drei Prozent) würden dann für eine Biopsie übrig bleiben. Das wären um 57 Prozent solcher belastenden Untersuchungen weniger, als bisher in Österreich erfolgen. Bei neun bis 22 Männern (0,9 bis 2,2 Prozent) wäre schließlich die Diagnose eines für Gesundheit und Überleben der Betroffenen relevanten Prostatakarzinoms gesichert.

Das Konsensuspapier für dieses Programm befindet sich in der Endphase der Begutachtung. "Ab November wollen wir eine Kampagne dazu machen. Es fehlt noch der Auftrag der Politik", sagte Shariat. Ähnlich auch der Obmann der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK), Andreas Huss, der gleichzeitig darauf hinwies, dass es im Grunde zu einer effizienteren Nutzung vorhandener Ressourcen und keinen Mehrkosten kommen dürfte: "Wir haben alles, was wir brauchen. Wir müssen das Programm nur richtig organisieren. Da brauchen wir die Politik, die sagt 'Ja, macht's das'." Über den Dachverband der Sozialversicherungsträger und einen Entschluss dort, könnte das organisierte Prostatascreening-Programm gestartet werden.

Huss zu den Effizienzpotenzialen: "Wir bräuchten für das Programm im Jahr rund 300.000 PSA-Tests. Die ÖGK zahlt bereits jetzt pro Jahr rund 600.000 dieser Untersuchungen." Für alle Krankenkassen würde die Zahl zusammen jährlich rund 700.000 betragen. Ähnlich sehe es bei den MRT-Untersuchungen aus.

Laut NEOS-Gesundheitssprecher Christoph Pramhofer sind Wille und Geld vonseiten der österreichischen Politik für das Projekt aber bereits längst vorhanden: "Wir haben den Gesundheitsreformfonds mit 500 Millionen Euro, geknüpft an konkrete Vorhaben. Da steht auch die 'Prostata' drin. Das Geld ist da. Es gibt die Blaupause. Es geht darum, es zu tun." Eine entsprechende Entschließung könnte in Kürze auch vom Bundesrat an den Nationalrat gehen, hieß es in Alpbach.

THEMENBILD - Illustration zum Thema Medizin / Gesundheit / Spital / Krankenhaus / Ärzte / medizinische Versorgung. Im Bild: Ein Patient während einer Magnetresonanztomographie (MRT) am Mittwoch, 12. November 2014, in einem Krankenhaus in Niederösterreich. (ARCHIVBILD VOM 12.11.2014)

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