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"45 Prozent aller Demenzerkrankungen sind durch vermeidbare Faktoren bedingt. Der Hörverlust ist mit einem Anteil von sieben Prozent der durch Behandlung am effektivsten beeinflussbare Faktor", sagte Benedikt Hofauer, Leiter der HNO-Universitätsklinik in Innsbruck. Man müsse davon ausgehen, dass etwa fünf Prozent der Bevölkerung eine Minderung des Hörvermögens aufweisen. "Im Alter über 60 Jahre haben 25 Prozent eine mittel- bis schwergradig ausgeprägte Hörminderung."
Was hinter der Verbindung zwischen Hörschäden und Demenz steckt, dürfte ein Netzwerk aus folgenden Faktoren sein: Oft kommt es zu sozialer Isolation, was auch Depressionen begünstigt. Darüber hinaus erfordern Störungen des Gehörs einen größeren kognitiven Aufwand, um mit anderen Menschen interagieren zu können. Im Endeffekt entwickelt sich ohne therapeutisches oder rehabilitatives Eingreifen ein Teufelskreis aus diesen Faktoren. "Eine Abnahme des Hörvermögens um zehn Dezibel führt zu einem um 16 Prozent höheren Demenzrisiko."
Auf der anderen Seite, so der Innsbrucker Experte: "Man hat festgestellt, dass vor allem Patienten mit einem zusätzlichen Demenzrisiko von einer frühzeitigen Hörrehabilitation profitieren. Es kam (bei ausreichender Hörgeräteversorgung; Anm.) nach drei Jahren zu einem um 48 Prozent geringeren kognitiven Abbau im Vergleich zu Kontrollpatienten (ohne Hörgeräteversorgung; Anm.)."
Dabei bilden sich Hörminderung und kognitive Leistungsstörungen im Laufe des Lebens praktisch parallel aus. "Beim Hörverlust haben wir einen Anstieg ab 60 Jahren, bei der Demenz einen Anstieg ab 65 Jahren. Frauen sind deutlich häufiger betroffen. Je ärmer die Menschen sind, desto gefährdeter sind sie durch eingeschränkte Hörfähigkeit", sagte der Tiroler Neurologe Josef Marksteiner. Nachlassendes Sehvermögen sei ein weiterer beeinflussbarer Risikofaktor.
Segensreich sei in Österreich das Neugeborenen-Screening sowie die Untersuchung vor Eintritt in die Schule auf solche HNO-Probleme, wurde in Alpbach betont. Das ermögliche eine frühzeitige Behebung angeborener oder früh erworbener Schäden. Für ein generelles Screening auf Hörminderung bei Erwachsenen gebe es derzeit noch keine ausreichende wissenschaftliche Evidenz.
Der Obmann der Österreichischen Gesundheitskasse, Andreas Huss, betonte die Kostenlosigkeit der Untersuchungen beim HNO-Arzt, eine gute kostenlose Standardversorgung sei auch bei den Hörgeräten auf Kassenkosten gegeben. Etwas anders sah das der Patientenanwalt der Wiener Ärztekammer, Thomas Holzgruber: "Wir müssen gegen das Stigma arbeiten, das Menschen mit Hörbehinderung haben." Dabei gehe es auch darum, dass Betroffene die Geräte aus Angst vor Stigmatisierung nicht ausreichend benutzen würden. "Wir müssen aber auch über's Geld reden. Die Hörgeräteversorgung ist mitunter teuer. Wir sollten trachten, dass wir Hörgeräte möglichst kostenfrei zur Verfügung stellen." Oft geht es in der Hörgeräteversorgung für die Betroffenen um einige tausend Euro, die zusätzlich aufgebracht werden müssen.
ARCHIV - 17.11.2020, NA, Krailling: Eine Bewohnerin des Altenheims Maria Eich spielt auf einer Pflegestation das Spiel «Memory» und legt Kartenpaare zusammen. (zu dpa: «Demenz-Verband: Pflegereform ist Anti-Wertschätzungsprogramm») Foto: Sven Hoppe/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
