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Der Schrank, der nach dem Ausbruch nie wieder geöffnet wurde, konnte anhand der Grabungsdaten rekonstruiert werden. Er befand sich im zentralen Stadtgebiet im Haus des Cornelius Maximus. Zu den Funden gehören Kosmetikwerkzeuge wie eine Pinzette und ein Spatel, ein Glasflakon für Balsam, ein Räuchergefäß für Wohnräume sowie eine bronzene Öllampe. Daneben lagen Bleigewichte, die vermutlich für eine gewerbliche Verkaufstätigkeit verwendet wurden. Sie waren offenbar in einer kleinen Holzkiste aufbewahrt worden, von der nur geringe Spuren erhalten sind.
Auch Bronze-, Glas- und Keramikgefäße sowie Töpfe gehörten zum Inhalt des Schranks. Einige Gegenstände dienten dem täglichen Gebrauch, könnten aber zugleich Erinnerungswert besessen haben. Dazu zählt ein kunstvoller kleiner Krug, der mit Tannenzapfenschuppen verziert ist. Von besonderer Bedeutung ist eine Halskette aus mindestens 24 kleinen Anhängern aus Knochen, Glaspaste und Bergkristall. Die Anhänger stellen unter anderem Gottheiten wie Merkur, Hände und Füße sowie Tannenzapfen und Weintrauben dar.
Solche Gegenstände wurden früher wegen ihrer Form mitunter als magische Objekte für Zauber und Tränke gedeutet. Tatsächlich handelte es sich um Amulettketten, die Kindern zum Schutz gegeben wurden. Zugleich konnten die Anhänger durch ihre Geräusche dabei helfen, die Bewegungen der Kinder wahrzunehmen. Auch Erwachsene bewahrten solche Ketten mitunter als Erinnerungsstücke an ihre Kindheit auf.
"Wir können die Identität der Bewohner des Hauses nicht mit Sicherheit rekonstruieren. Doch diese Fragmente bringen uns ihrem Alltag näher", sagte Zuchtriegel. Die Erkenntnisse über das Haus sind noch lückenhaft. Die kunstvollen Wandmalereien im Raum, in dem der Schrank stand, deuten auf einen gewissen Wohlstand hin.
Zum Zeitpunkt des Vesuvausbruchs fanden in dem Haus zudem verschiedene Bauarbeiten statt, die das Wohnen erheblich beeinträchtigt haben dürften, berichteten die Archäologen. Auf einem Zwischengeschoß wurden außerdem in einer Amphore mindestens zwei Mäuseskelette entdeckt - Hinweise darauf, dass auch unerwünschte Mitbewohner zum Alltag im antiken Pompeji gehörten.
Die antike Stadt Pompeji lag am Fuß des Vulkans Vesuv. Bei Ausbrüchen im Jahr 79 nach Christus hatten Asche, Schlamm und Lava die Siedlungen unter sich begraben und die Stadt teilweise konserviert. Im 18. Jahrhundert wurde Pompeji wiederentdeckt. Die Ausgrabungsstätte, die immer wieder sensationelle Funde zutage bringt, gehört zu den beliebtesten Sehenswürdigkeiten in Italien.
