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Insgesamt verlaufe demnach in Österreich fast ein Drittel der Care-Arbeit "horizontal", also innerhalb der gleichen Generation. Wenn man die Betreuung der eigenen minderjährigen Kinder außer Acht lässt, ist das sogar die am weitesten verbreitete Form unbezahlter Hilfs- und Unterstützungstätigkeit. Im Vergleich dazu werden rund 17 Prozent zugunsten der jüngeren Generation, also etwa erwachsener Söhne und Töchter, und rund 14 Prozent für die Elterngeneration geleistet.
"Wenn wir über Pflege und Unterstützung nachdenken, denken wir oft nur an die Pflege älterer Angehöriger. Es ist wichtig zu bedenken, dass es sehr unterschiedliche Arten von Care-Arbeit gibt, die Menschen Tag für Tag leisten", sagte Isabella Buber-Ennser vom Institut für Demographie der ÖAW. "In unserer Gesellschaft und in der Demografie gilt dabei: Was wir nicht messen, das sehen wir nicht."
Die Daten der Demografinnen stammen aus dem "Generations and Gender Survey" (GGS), der Teil eines internationalen sozialwissenschaftlichen Forschungsprojektes ist und in Österreich in den Jahren 2022 und 2023 durchgeführt wurde. In mehr als 30 Ländern in Europa und darüber hinaus wurden dabei zwischen 18 und 59 Jahre alte Personen zu unterschiedlichen Dimensionen ihres Familienlebens befragt. Eines der Themen war die Leistung unbezahlter Care- oder Unterstützungsarbeit. Dabei wurden vier Aspekte unterschieden: Hilfe bei der Körperpflege und bei Haushaltstätigkeiten, Unterstützung bei der Kinderbetreuung sowie finanzieller Support.
Im Rahmen dieser Auswertung wurden Angaben zur Betreuung eigener Kinder aus theoretischen und methodischen Gründen nicht aufgenommen. "Es ist zu betonen, dass wir die Betreuung der eigenen Kinder als einen großen unbezahlten gesellschaftlichen Beitrag sehen, den Frauen leisten", erklärte Buber-Ennser.
Die Ergebnisse der Umfrage "waren auf jeden Fall überraschend. Eigentlich war die Erwartung, dass es hauptsächlich Aktivitäten bei der Pflege und Unterstützung älterer Angehöriger gibt", sagte Shamim Sherafat von der ÖAW. Das Konzept horizontaler Care-Arbeit verdiene mehr Aufmerksamkeit. Für ihr häufiges Vorkommen gebe es mehrere mögliche Erklärungen: In einer immer mobileren Welt leben Menschen in anderen Städten, Ländern und sogar Kontinenten als ihre Familien. In solchen Situationen würden Freunde und Nachbarn wichtiger, vermutet sie.
Doch auch hierzulande leben viele Menschen, die keine Freunde oder kein gutes Verhältnis zu Nachbarn oder Kollegen haben. "In einer Welt, in der diese Beziehungen immer zentraler werden, ist es wichtig, Menschen zu helfen, die keinen Zugang zu solchen Unterstützungsnetzwerken haben", so Sherafat weiter.
Außerdem seien in vielen Ländern die Fertilitätsraten sehr niedrig, ergänzte Buber-Ennser. Dadurch schrumpfen Familien, was sich auf den helfenden Personenkreis auswirken kann. Ein Beispiel dafür sei die häufige Unterstützung bei der Kinderbetreuung durch kinderlose Freunde oder Verwandte.
Laut der Umfrage sind außerdem 62 Prozent der Personen, die die erfragten Hilfstätigkeiten für andere ausführen, weiblich. Frauen zwischen 50 und 59 Jahren vollbringen von allen Gruppen die meiste unbezahlte Care-Arbeit. "Da gibt es ein ähnliches Grundproblem wie bei der Betreuung der eigenen Kinder: Wenn Frauen mehr machen, machen Männer weniger - die Frage ist, wie man Männer überzeugen kann, sich stärker einzubringen", so Buber-Ennser.
(S E R V I C E - Internationaler Pflege- und Unterstützungstag am 29.10.: https://www.un.org/en/observances/care-and-support-day ; Mehr Informationen zum Generations & Gender Programm und der Umfrage: https://www.ggp-i.org/ )
