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Menschen in Wohnungslosigkeit erfahren beispielsweise in ihrem Leben oftmals soziale Ausgrenzung und erleben im Gesundheitssystem Diskriminierung oder Respektlosigkeit. Als Konsequenz werden Einrichtungen gemieden oder Krankheitssymptome aus Angst oder Scham verleugnet. "Deswegen bleiben Symptome und Signale, die auf palliativen Pflegebedarf hinweisen, oft unbeachtet", sagte Reitinger bei dem von "Diskurs. Das Wissenschaftsnetz" organisierten Pressegespräch.
Ähnliches gelte für LGBTIQ+-Personen: Deren Gesundheitszustand sei laut Studien statistisch schlechter als jener von gleichaltrigen heterosexuellen Personen. Das lasse sich u.a. auf den sogenannten "Minderheitenstress" zurückführen, also permanenten sozialen Stress wegen Normabweichungen. Jener führe wiederum zu erhöhtem Risiko für psychische Erkrankungen und Substanzmittelkonsum. Dazu kommen Diskriminierungs- und Gewalterfahrungen. Insgesamt werden solche gesundheitlichen Ungleichheiten gesellschaftlich wenig beachtet, so Reitinger weiter.
Obwohl es für bestimmte Gruppen während der Lebenszeit schon Angebote gebe, fehlt oft die Verbindung zwischen palliativen und aufsuchenden Angeboten am Lebensende. In diesem Kontext ist eine stärkere Vernetzung gefragt, sagte die Expertin und nannte als positives Beispiel das Projekt LEO der Tiroler Hospizgemeinschaft in Kooperation mit den Anbietern der Wohnungslosenhilfe und dem Entlassungsmanagement der Krankenhäuser.
Zudem stellt auch der sozioökonomische Status eine Barriere dar: Menschen mit höheren Bildungsabschlüssen und ökonomischen Vorteilen haben eher Zugang zu spezialisierten Palliative Care- und Hospizangeboten, wie Reitinger erklärte. Gleichzeitig sei der sozioökonomische Status jene soziale Dimension, die die Gesundheit am stärksten beeinflusst.
Gerade Frauen seien im Alter stärker davon betroffen: 18 Prozent der Frauen über 75 Jahren sind armutsgefährdet, alleinstehende Frauen ab 60 sind mit 24 Prozent die am stärksten gefährdete Gruppe.
Dies ist auch darauf zurückzuführen, dass Sorgearbeit in Österreich sehr ungleich entlang der Geschlechterlinien verteilt ist, sagte Klaus Wegleitner, Soziologe von der Universität Graz, der aus dem laufenden internationalen Forschungsprojekt "EU-CoWork - Mitfühlende Arbeitswelten fördern" berichtete.
"Das ist an sich schon eine große Ungerechtigkeit, führt aber andererseits auch dazu, dass sich Nachteile über die Arbeitsbiografie ansammeln", so Wegleitner. So führen beispielsweise Teilzeitarbeit, Erwerbsunterbrechungen und der Austritt aus dem Arbeitsleben zu einem Pensions-Gap, der laut OECD 2025 in Österreich zwischen 35 und 40 Prozent lag.
(S E R V I C E - Forschungsprojekt "EU-CoWork - Mitfühlende Arbeitswelten fördern": https://eu-cowork.eu/en/ )
