von
Die Forscherin vom Institut für Psychologie der Universität Innsbruck und ihr Kollege, Maurizio Sicorello vom Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim (Deutschland), haben Daten von 2.175 Menschen aus 40 psychologischen Studien ausgewertet, wo bei den Probanden die Gehirnaktivität mit "funktioneller Magnetresonanztomographie" (fMRT) gemessen wurde. Dabei zeigte sich, dass die Fähigkeit zur sogenannten kognitiven Neubewertung nicht wie bisher angenommen am Aktivitätsniveau des präfrontalen Kortex ablesbar ist, heißt es in einer Aussendung der Uni Innsbruck.
Eine "kognitive Neubewertung" ist zum Beispiel, wenn jemand etwas zuerst als kränkende Bloßstellung auffasst und später als motivierende Kritik neu interpretiert, so die Psychologin: "In Studien wird sie meist untersucht, indem Teilnehmende belastende Bilder so umdeuten sollen, dass sie weniger bedrückend wirken." Solche Fähigkeiten seien für die psychische Gesundheit wichtig. "Die Neubewertung ist deshalb ein Kernelement der kognitiven Verhaltenstherapie", erklärten die Forscher.
"Hirnbildgebungsstudien zeigen seit Jahren, dass bei der Neubewertung vor allem Regionen des präfrontalen Kortex aktiv werden", schrieben sie: "Daraus wurde gefolgert, dass die Stärke dieser Aktivierung auch verrät, wie gut ein einzelner Mensch seine Emotionen regulieren kann." Dem sei aber nicht so: Wie stark die präfrontalen Regionen während der Neubewertung aktiv waren, sagte nichts darüber aus, wie gut es den einzelnen Teilnehmenden gelang, ihre Gefühle zu regulieren. Letzteres wurde über Selbstauskunft gemessen, erklärte Morawetz der APA: "Bei einer Aufgabe, in der sie aktiv die Emotionen in Bezug auf ein Bild regulierten, wurden die Probandinnen und Probanden anschließend gefragt, wie sie sich fühlen." Das sollte nach der Regulation besser sein als vorher.
"Die eigenen Gefühle zu verändern, indem wir eine Situation neu betrachten, ist also mehr als das Anspannen eines mentalen Muskels, der bei manchen Menschen besser trainiert ist", sagt Sicorello: "Entscheidend könnte vielmehr sein, welche Deutungen einer Situation uns vor dem Hintergrund unserer Lebensgeschichte naheliegen, ob wir im Alltag überhaupt nach Alternativen suchen und ob wir sie für glaubwürdig halten."
"Das heißt nicht, dass der präfrontale Kortex für die Emotionsregulation unwichtig ist", so Morawetz: "Innerhalb einer Person lässt sich an der Hirnaktivität durchaus ablesen, wie sich Gefühle verändern. Beim Vergleich zwischen Menschen stoßen wir aber an Grenzen - möglicherweise auch, weil verschiedene Menschen offenbar auf unterschiedlichen neuronalen Wegen zum selben Ergebnis kommen."
(S E R V I C E - Studie: https://www.nature.com/articles/s41586-026-11203-1 )
INNSBRUCK - ÖSTERREICH: FOTO: APA/Universität Innsbruck
