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In der Bundeshauptstadt seien aus den 550 Volks-, Mittel- und Sonderschulen bei einer Blitzumfrage "flächendeckend" zumindest einzelne Problemfälle gemeldet worden, so der Vizevorsitzende im Zentralausschuss der Wiener Landeslehrer, Thomas Krebs (FCG). Konflikte gebe es durchaus auch schon in den Volksschulen, öfter aber in der Sekundarstufe. Bereits am Dienstag und am Mittwoch seien viele Mädchen mit ihren Eltern zum Gespräch in die Direktion zitiert worden, weil sie auch nach einer Aufforderung der Lehrkraft das Kopftuch nicht ablegen wollten, so Krebs.
Nach bisherigen Rückmeldungen konnte dort etwa die Hälfte der Fälle geklärt werden, etwa weil die Eltern ihre Tochter ohnehin nur aus Unwissenheit mit Kopftuch in die Schule geschickt hatten. Wo die Eltern oder auch das Mädchen selbst nicht eingelenkt haben, ist das Verfahren in die Bildungsdirektion gewandert. Bei weiteren Verstößen drohen den Eltern Verwaltungsstrafen bis 800 Euro, auch mehrfach. Für die Schulen sei der Konflikt damit aber nicht erledigt, kritisierte Krebs im APA-Gespräch. Wenn einzelne Mädchen trotz gesetzlichen Verbots weiter verhüllt in der Klasse sitzen, sorge das für Unruhe im System.
An den Wiener Gymnasien sind Verstöße gegen das Kopftuchverbot - soweit bisher bekannt - kein großes Thema. Zwar gebe es auch AHS-Standorte, wo Mädchen ab der 2. oder 3. Klasse Kopftuch tragen und sicher auch Einzelfälle, in denen das Verbot ignoriert und das Tuch auch nach einem Hinweis nicht abgenommen wird. Insgesamt dürfte die "Aufklärungsphase" in den vergangenen Monaten aber ihre Wirkung gezeigt haben, so die Einschätzung von Irini Tzaferis (FSG) aus der AHS-Bundesvertretung. "Das dringendste Problem", um die Mädchen an den Schulen vor Fremdbestimmung zu schützen, sei aber ohnehin nicht das Kopftuch, sondern die Arbeit mit den Burschen, betonte sie gegenüber der APA. "Wir haben da nicht nur islamistisch angehauchte Burschen, sondern auch Burschen, die sich in der sogenannten Manosphere (frauenverachtende Online-Netzwerke, Anm.) wohlfühlen oder die zum Rechtsextremismus tendieren." Hier brauche es "ein ordentliches Maßnahmenpaket", forderte die Wiener Lehrervertreterin.
In der Gleichbehandlungsanwaltschaft haben unterdessen in den vergangenen Tagen die Anfragen bei Rechtsberatung und Hotline sowie Meldungen von rassistischer Diskriminierung an den Schulen deutlich zugenommen, wie es auf APA-Anfrage hieß. Das Kopftuchverbot sei laut den Berichten teilweise "überschießend" umgesetzt worden - etwa indem Mädchen, die das Kopftuch nach dem Gespräch mit einer Lehrkraft nicht abgenommen haben, auf den Gang geschickt wurden oder gesammelt vor der Direktion warten mussten, bis sie von den Eltern abgeholt wurden. Einem Mädchen soll gesagt worden sein, dass es Österreich verlassen müsse, falls es sich weiterhin verhüllt. Die Schule sei verpflichtet, das Gesetz umzusetzen, wurde in der Gleichbehandlungsanwaltschaft betont. Das dürfe aber nicht zu rassistischer Diskriminierung der Mädchen führen.
