Die japanische Raumfahrtagentur JAXA schickt am Montagabend die Sonde MMX auf den Weg zum Mars. Sie soll auf dem Marsmond Phobos landen, mindestens zehn Gramm Gestein einsammeln und 2031 zur Erde zurückbringen. Die Proben könnten ein altes Rätsel klären: Woher die beiden Marsmonde stammen.
Start vom Weltraumbahnhof Tanegashima
Japan bricht zum Marsmond Phobos auf. Die Raumfahrtagentur JAXA will die Sonde Martian Moons eXploration, kurz MMX, am Dienstag um 4.41 Uhr japanischer Zeit mit einer H3-Rakete vom Weltraumbahnhof Tanegashima starten. In Österreich ist das Montag, 21.41 Uhr. Es ist der zehnte Flug der neuen japanischen Trägerrakete.
MMX soll als erste Mission überhaupt Gesteinsproben von einem Marsmond zur Erde bringen. Geplant sind mindestens zehn Gramm Material von der Oberfläche des Phobos, die 2031 in einer Kapsel in Australien landen sollen. Sollte der Start verschoben werden müssen, hat die JAXA ein Startfenster bis 9. November reserviert.
Der Fahrplan bis 2031
Nach dem Start ist die Sonde rund ein Jahr zum Mars unterwegs. Ab 2027 soll sie in eine sogenannte quasi-satellitische Umlaufbahn um Phobos einschwenken und den Mond aus der Nähe vermessen. Bis 2030 sind zwei sanfte Landungen geplant, bei denen Proben genommen werden. Ein Bohrkern-Sammler holt Material aus zwei Zentimetern Tiefe, ein zweites System bläst mit Druckgas Oberflächenstaub in einen Behälter.
2030 verlässt MMX das Marssystem und fliegt rund ein Jahr zurück. Die etwa 60 Zentimeter große Rückkehrkapsel mit Hitzeschild soll 2031 in Australien niedergehen. Ausgewertet werden die Proben im Institut für Weltraum- und Astronautikwissenschaften der JAXA in Sagamihara bei Tokio. In der Schlussphase der Mission soll die Sonde auch den zweiten Marsmond Deimos beobachten.
Ein Rover aus Frankreich und Deutschland
Europa ist an Bord. Die französische Raumfahrtagentur CNES und das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt haben gemeinsam den Rover Idefix gebaut, der noch vor der Landung der Sonde auf Phobos abgesetzt wird. Er wiegt auf der Erde 25 Kilogramm, auf Phobos wegen der extrem schwachen Schwerkraft nur so viel wie auf der Erde rund 15 Gramm. Idefix trägt ein Radiometer, ein Raman-Spektrometer und Kameras.
Die Europäische Weltraumorganisation ESA steuert Geräte für die Kommunikation bei und empfängt Daten über ihr Netz von Bodenstationen. Die US-Raumfahrtbehörde NASA liefert mit MEGANE ein Spektrometer, das die chemische Zusammensetzung von Phobos messen soll. Die Sonde wiegt mitsamt Treibstoff rund 4.200 Kilogramm. Ursprünglich war der Start für 2024 geplant gewesen.
Das Rätsel um die Herkunft der Marsmonde
Phobos ist der größere der beiden Marsmonde, ein unregelmäßig geformter Brocken von etwa 27 mal 22 mal 18 Kilometern. Er umkreist den Mars dreimal am Tag und nähert sich ihm laut NASA um etwa 1,8 Meter pro Jahrhundert. In rund 50 Millionen Jahren dürfte er auf den Planeten stürzen oder zu einem Ring zerbrechen. Entdeckt wurde er am 17. August 1877 vom US-Astronomen Asaph Hall.
Wie Phobos und Deimos entstanden sind, ist ungeklärt. Eine Hypothese besagt, dass es eingefangene Asteroiden sind, deren Gestein sich vom Mars unterscheiden müsste. Nach der anderen entstanden sie aus Trümmern, die ein großer Einschlag aus dem jungen Mars schleuderte. Dann würde ihr Material Spuren der frühen Marsgeschichte enthalten. Die Proben sollen diese Frage entscheiden und zeigen, ob ähnliche Himmelskörper Wasser zum Mars gebracht haben könnten.
