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Lebenslang gestresste Personen geizen mit Vertrauensvorschüssen

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++ ARCHIVBILD ++ Beim virtuellen Geldverteilen offenbarten sich verschiedene Muster
©APA, dpa, Sebastian Kahnert
Menschen, die darüber berichten, in ihrem Leben über längere Zeit erhöhtem Stress ausgesetzt gewesen zu sein, gehen mit Vertrauen ein Stück weit anders um. Das ist das Ergebnis einer im Fachjournal "PNAS" vorgestellten Studie unter der Leitung von Wiener Psychologen. Demnach nähern sich gestresste Personen anderen mit weniger Vertrauensvorschuss an, können ihr Gegenüber aber auch sehr gut lesen und ihr Vertrauenswürdigkeitsurteil erstaunlich gut situativ anpassen, heißt es.

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Das Team um Jonas Nitschke und Claus Lamm von der Fakultät für Psychologie der Universität Wien und Kolleginnen und Kollegen der Uni Innsbruck, aus Dänemark und den USA befragte im Rahmen der Untersuchung zunächst 168 Personen ausführlich zu belastenden Erfahrungen im Verlauf ihres Lebens. Darin ging es um gesundheitliche Schwierigkeiten, Verluste, Gefahrensituationen oder auch Probleme im Arbeitskontext, erklären die Forschenden.

In der Folge spielten die Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer ein "Vertrauensspiel", bei dem über mehrere Runden hinweg Geld zwischen Teilnehmenden verteilt wird. Dabei ging es darum, Geldbeträge an zwei vermeintlich andere Personen zu vergeben bzw. sie von ihnen zu erhalten. Die Mitspieler waren tatsächlich aber ein Computerprogramm, das zunächst entweder verlässlich mehr oder weniger Geld zurückgab, als es bekam, im Verlauf des Spiels aber dann das Verhalten der spielenden Charaktere änderte.

Anhand der spielerischen Abläufe offenbarten sich den Wissenschafterinnen und Wissenschaftern unterschiedliche Verhaltensmuster zwischen Menschen mit relativ viel und eher wenig Stressbelastung: Im Durchschnitt begannen Erstere den Spielzyklus mit weniger Vertrauen in ihre vermeintlich menschlichen Gegenüber. Insgesamt erwarteten sie auch weniger finanzielle Zuwendungen von den Spielpartnern und waren sich über die Absichten der "Personen" zunächst eher unsicher.

Alles in allem präsentierten sich stresserfahrene Menschen aber keineswegs unpräzise in ihrer Einschätzung des Gegenübers. So boten sie großzügigen Mitspielern im Schnitt genauso viel an wie Personen, die lebenslang weniger überfordernden Druck verspürten. Arbeitete ein Spielpartner aber vor allem in die eigene Tasche, boten Stresserfahrene ihnen deutlich weniger als andere Studienteilnehmer an. Außerdem stellten sie ihr Verhalten flexibler auf das Umschwenken der Strategie des jeweiligen Gegenübers ein. Änderten diese ihre Geldangebote im Verlauf der Spielrunden, taten das auch die Studienteilnehmer mit viel Lebensstress rascher als andere Teilnehmende. Die Unterscheidung zwischen "vertrauenswürdig" und dem Gegenteil gelang ihnen also insgesamt besser.

Ob diese verschiedenen Verhaltensmuster eine Folge von mehr Lebensstress sind oder nicht, lasse sich auf Basis der Studie jedenfalls nicht sagen, betonen die Forschenden. Dazu bräuchte es längerfristig angelegte Untersuchungen. Die Erkenntnisse deuten aber darauf hin, dass lange anhaltender Stress im Leben nicht zu einer Art Zusammenbruch oder Beeinträchtigung der Fähigkeit führt, anderen Vertrauen entgegenzubringen. Vielmehr bewirke diese Erfahrung eine "Adjustierung von Vertrauen", betont Nitschke.

Die kognitiven Mechanismen, die damit zusammenhängen, werden also vermutlich durch stressreiche Erfahrungen anders kalibriert - mit potenziellen Vor- und Nachteilen: "Eine vorsichtige Haltung kann in unberechenbaren Umgebungen schützen, könnte es aber auch erschweren, neue Beziehungen zu Menschen aufzubauen, die tatsächlich verlässlich und vertrauenswürdig sind", so Lamm.

(S E R V I C E - https://doi.org/10.1073/pnas.2608572123 )

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