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Alte DNA weist auf Ursprünge der germanischen Sprachen hin

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Alte menschliche DNA half Sprachen zu erforschen
©HELMUT FOHRINGER, Fohringer, APA
Germanische Sprachen wie Deutsch, Englisch, Niederländisch oder die skandinavischen Sprachen werden heute von Millionen Menschen gesprochen. Ein internationales Forschungsteam hat nun im Fachjournal "Nature" Erkenntnisse aus Genetik, Archäologie und Sprachwissenschaft kombiniert und so große Migrationsbewegungen rekonstruiert, die die Verbreitung der germanischen Sprachen in Europa mitgeprägt haben. Dabei lieferte alte menschliche DNA neue Hinweise über deren Ursprünge.

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Das Forschungsteam unter der Leitung der Universitäten Kopenhagen und Leiden, dem auch Wissenschafterinnen und Wissenschafter des Naturhistorischen Museum (NHM) Wien und der Universität Wien angehörten, analysierte die Erbsubstanz aus Überresten von mehr als 4.500 Menschen. Darunter waren Skelettreste aus dem eisenzeitlichen Gräberfeld Hallstatt aus den Sammlungen der Anthropologischen Abteilung des NHM sowie vom Fundort Hallein/Dürrnberg, die für Untersuchungen der alten DNA beprobt wurden, wie Doris Pany-Kucera vom NHM gegenüber der APA betonte.

"Diese DNA-Sequenzen verraten uns nicht direkt, welche Sprache die Menschen sprachen", erklärte Eske Willerslev von der Uni Kopenhagen in einer Aussendung. Doch durch die Kombination der DNA-Daten mit sprachwissenschaftlichen und archäologischen Belegen gelang es ihnen nachzuvollziehen, wie sich Sprachen über Jahrtausende hinweg verbreitet und verändert haben.

So konnten die Forschenden eine bisher unbekannte große Migrationsbewegung nach Skandinavien vor rund 4.000 Jahren identifizieren. Die Menschen gelangten vermutlich aus dem baltischen Raum in das heutige Schweden und breiteten sich innerhalb von rund 500 Jahren in ganz Skandinavien aus. Die Neuankömmlinge hatten einen nachhaltigen Einfluss auf die in Nordeuropa ansässigen Bevölkerungsgruppen und könnten den frühesten Vorläufer der heutigen germanischen Sprachen mitgebracht haben.

Die Ausbreitung dieser Bevölkerungsgruppe fällt zeitlich mit kulturellen Veränderungen zusammen. Dazu zählten etwa neue Bestattungsformen, neue Haustypen und der Beginn weitreichender Handelsnetzwerke. Diese Menschen könnten die frühe Vorstufe des Germanischen verbreitet haben. Das würde bedeuten, dass die Wurzeln dieser Sprachen erst deutlich später nach Nordeuropa gelangten. Bisher ging man davon aus, dass dies mit früheren Migrationsbewegungen bereits vor rund 5.000 Jahren passierte.

Vor rund 1.600 Jahren gab es dann stärkere Migrationsströme von Südskandinavien nach Mitteleuropa, in die heutigen Niederlande, Polen und Großbritannien. Das Forschungsteam vermutet, dass diese Wanderungsbewegungen mit germanischen Gruppen wie Angelsachsen, Langobarden und Goten in Zusammenhang stehen.

Dem Forschungsteam gelang mit seiner Analyse eine weitere unerwartete Erkenntnis: Vor rund 1.500 Jahren, also mehrere Jahrhunderte vor der Wikingerzeit, wanderten Menschen aus dem heutigen Norddeutschland nach Dänemark und Südschweden aus. In einigen Regionen, insbesondere auf Seeland, der größten Insel des heutigen Dänemarks, stellten sie einen großen Teil der lokalen Bevölkerung. Diese Wanderbewegung fällt mit dem Aufkommen des Altnordischen zusammen, der Sprache der Wikinger.

Den Forschenden zufolge deuten die Analysen darauf hin, dass viele Wikinger im heutigen Dänemark und Schweden zum Großteil von diesen Neuankömmlingen abstammten. Dieser Befund könnte die bisher rätselhaften kulturellen und sprachlichen Verbindungen und Ähnlichkeiten zwischen Skandinavien und Großbritannien erklären.

In einer weiteren, ebenfalls in "Nature" veröffentlichten Studie nutzten die Autoren aus Kopenhagen und Leiden denselben Ansatz, um auch Hinweise auf die Ursprünge der keltischen Sprachen zu finden. Diese wurden vor rund 2.500 Jahren in weiten Teilen Europas gesprochen, bis heute erhalten geblieben sind sie vor allem in Irland, Wales, Schottland und der Bretagne.

Die Analysen alter DNA deuten auf eine Wanderungsbewegung aus Mitteleuropa vor rund 3.000 Jahren hin, die sich Richtung Frankreich, Großbritannien, Irland und auf die Iberische Halbinsel ausbreitete. Für das Forschungsteam liefert diese Migration die einfachste Erklärung für die Ausbreitung der keltischen Sprachen. Sie stellen damit eine seit langem diskutierte Theorie in Frage, wonach diese an der Atlantikküste entstanden seien.

(S E R V I C E - Studie zu Ursprüngen der germanischen Sprachen: https://www.nature.com/articles/s41586-025-09064-1 ; Studie zu Ursprüngen keltischer Sprachen: https://www.nature.com/articles/s41586-026-11198-9 )

APARSC14 - 28042008 - WIEN - OESTERREICH: ZU APA TEXT CI - Eine Laborantin hantiert mit Roehrchen mit einer DNA-Probe in einem Labor in Wien. APA-FOTO: HELMUT FOHRINGER

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