von
Das belegte unter anderem ein Situationsbericht von CARE-Krisenreporterin Sarah Easter, die im vergangenen Sommer in Somalia war. Sie erzählte etwa von Familien, die aus den Bergen in Puntland in den Großraum Mogadischu geflüchtet sind, weil sie zuhause keine Überlebensmöglichkeit mehr sahen. Hawa, eine Frau aus der Region, sagte, bis auf zwei seien alle ihre Ziegen gestorben. "Erst stirbt das Vieh, und dann stirbt der Mensch. Und das Vieh stirbt bereits", schilderte Easter, was Hawa zu ihr gesagt hatte. Das Problem seien auch die ausbleibenden Hilfsleistungen, nicht nur der USA, auch anderer Staaten.
Das Wetterphänomen El Niño ist mittlerweile in vollem Gange. Für Somalia sind damit Fluten zu befürchten, für die die Bevölkerung de facto keine Möglichkeiten der Vorbereitung hat. "Die Menschen haben keine Chance, sich zu schützen. Die Camps sind schon voll, die (geflüchteten, Anm.) Menschen kommen wohin, wo es keine Hilfe gibt. Es ist dringend eine Finanzierung nötig, plus die Klimafinanzierung. Und wir können nicht auf die COP warten, wir brauchen das Geld jetzt", appellierte Easter, rasch zu handeln.
David N Ndungu, Inklusionsexperte bei "Licht für die Welt" in Kenia, machte darauf aufmerksam, dass auch Menschen mit Behinderungen eine Stimme bei den Klimakonferenzen benötigen. Jeder und jede sechste Kenianerin habe eine Behinderung, das sei keine kleine Minderheit. Menschen mit Behinderungen sind aber bei Naturkatastrophen deutlich gefährdeter als solche ohne Behinderung. Das Sterberisiko ist etwa viermal höher.
Eine Verdopplung der Anstrengungen ist laut Johannes Wahlmüller, Klima- und Energie-Experte bei Global 2000 nötig, um die selbst gesteckten Klimaziele zu erreichen. Er machte darauf aufmerksam, dass sich Europa viel schneller aufheizt als die Welt im Durchschnitt insgesamt. Auch Österreich sei gefordert: "Wenn wir bei unseren bisherigen Plänen bleiben, läuft es auf einen Temperaturanstieg von plus 2,8 Grad hinaus", erläuterte Wahlmüller. Das sei viel mehr als das im Pariser Abkommen formulierte Ziel von 1,5 Grad und auch deutlich mehr als die Zwei-Grad-Grenze. Auch beim Ersetzen fossiler durch erneuerbare Energie forderte der Klima-Experte eine Verdoppelung der Anstrengung "in gerechter Weise". Wahlmüller: "Ich möchte dazu sagen, wir machen das in eigenem Interesse." Er wies auf die Inflation - "wir nennen das Trumpflation" - hin, die zu einem Gutteil auf die aggressive Politik des US-Präsidenten Donald Trump zurückgehe. Dazu komme der Boom bei Rechenzentren, der die Preise für Energie steigen lässt.
Alle geforderten Maßnahmen müssen aber auch sozial gerecht geschafft werden: Für Angelika Derfler, Sprecherin für Klimagerechtigkeit bei Südwind, ist es unbedingt notwendig, den grundsätzlich beschlossenen Just-Transition-Mechanismus zu "operationalisieren", also zur Umsetzung bereit zu machen. Das würde für Entwicklungsländer unter anderem bedeuten, dass sie ohne große Kosten die für einen Umstieg aus fossiler in erneuerbare Energien benötigte Technologie transferiert bekämen. Darüber hinaus wäre auch Unterstützung bei allfälligen sozialen Verwerfungen zu erwarten, beispielsweise bei einem durch den Ausstieg aus fossiler Energie verursachten Verlust von Arbeitsplätzen.
Am Ende muss und wird es wieder um das liebe Geld gehen: "Das spielt in viele Bereiche der COP hinein", sagte Martin Krenn von der Koordinierungsstelle der österreichischen Bischofskonferenz. "Um die Erderhitzung und die Auswirkungen des Klimawandels global gerecht zu bekämpfen, müssen vermögende Staaten wie Österreich ihren gemeinsam beschlossenen Verpflichtungen nachkommen und gesteigerte Beiträge zur internationalen Klimafinanzierung zur Verfügung stellen, anstatt sich hinter Verhandlungs-Formalia zu verstecken." Krenn ergänzte, dass für Österreich zwischen 2027 und 2030 rund 3,6 Milliarden Euro ein fairer Beitrag zur Klimafinanzierung wäre. "Und nur ein Teil davon müsste aus dem Budget kommen."
Die Klima-Allianz ist ein Zusammenschluss aus mehreren NGOs aus dem Umwelt- und Klima- sowie aus dem humanitären Bereich.
