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Kinder-Psyche als Basis für Gesellschaft der Zukunft

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Psychische Gesundheit im Kindes- und Jugendalter wichtig
©APA/APA/dpa/Annette Riedl
Die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen ist der entscheidende Faktor für das Überleben der Gesellschaft in der Zukunft. "15 Prozent der Zehn- bis 18-Jährigen haben in irgendeiner Form eine behandlungspflichtige psychische Erkrankung", warnte am Donnerstag der Wiener Psychiater Georg Psota zum Auftakt der Praevenire Gesundheitsgespräche (bis 12. Juli) in Alpbach in Tirol.

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"Das Kind ist der 'Vater' des späteren Menschen", zitierte der langjährige Chefarzt der Wiener Psychosozialen Dienste (PSD) ein englisches Sprichwort. "Die jetzigen Kinder und die Zahl der Kinder derzeit sind die Erwachsenen und die Zahl der Erwachsenen in 20 Jahren." Gerade deshalb sei es dramatisch höchste Zeit, sich in Österreich der psychischen Gesundheit im Kindes- und Jugendalter mit größter Energie und allen verfügbaren Mitteln zu widmen.

Psota: "Bei den Zehn- bis 18-Jährigen haben wir eine 'Punktprävalenz' (Häufigkeit an einem bestimmten Tag; Anm.) von psychischen Erkrankungen von 23,9 Prozent. Damit reden wir von einer Jahresprävalenz (Häufigkeit innerhalb von zwölf Monaten; Anm.) von um die 35 Prozent. Da sind am häufigsten Angststörungen, ADHS, Depressionen und Substanzmissbrauch." In diesen Angaben zur Häufigkeit von psychischen Störungen seien zwar alle Schweregrade zusammengefasst, doch sie seien trotzdem besorgniserregend hoch. "Wir müssen von einer Behandlungspflichtigkeit bei etwa 15 Prozent dieser Kinder und Jugendlichen ausgehen."

Das gehe nicht ohne einen massiven Ausbau der Ressourcen von der Kinder- und Jugendpsychiatrie, am besten schon mit einer entsprechenden Betreuung der Schwangeren. "Wir haben in Österreich eine miserable Ausstattung, was die peripartale (rund um die Geburt; Anm.) psychiatrische Versorgung betrifft. Wir haben ein Achtel der Ressourcen der Baby- und Kinderpsychiatrie in Deutschland. Wir haben Überkapazitäten in Chirurgie, Interner Medizin und stationären Einrichtungen in Augenheilkunde. Aber in der Psychiatrie sind wir dramatisch unterversorgt. (...) 50 Prozent der Erkrankungsdynamik im Bereich der psychiatrischen Erkrankungen ist bereits im Alter von 14 Jahren offenkundig."

Die Auswirkungen mangelnder Prävention und medizinischer Versorgung in der Psychiatrie im Kindes- und Jugendalter würden sich bald dramatisch auf die Gesellschaft auswirken, so nicht energisch gegengesteuert würde. "Wir haben rund 70.000 Neugeborene in Österreich pro Jahr, und da ist schon die gesamte Migration inbegriffen. In meiner Babyboomer-Generation waren es 130.000 Neugeborene pro Jahr. Wir werden im Jahr 2040 eine Viertelmillion Demenzkranke im Land haben. Wie soll sich das mit der Versorgung ausgehen?", sagte der Psychiater.

Bei in Europa einem Verhältnis von 70 Berufstätigen pro einem Demenzkranken im Jahr 2000 und von für 2050 prognostizierten nur noch 21 Berufstätigen, welche die Versorgung von einem Dementen sicherstellen könnten, werde es auf jeden einzelnen Gesunden ankommen. Da gehe es um Erwerbstätigkeit (Steueraufkommen, Sozialversicherungsbeiträge) sowie um die persönlichen Kapazitäten in der Pflege. Mangelnde Prävention psychischer Erkrankungen und Defizite in der Versorgung von Kranken könne sich die Gesellschaft in Österreich, wie auch in vergleichbaren Ländern, nicht mehr leisten, so ein Fazit des Experten.

Ausbau der Ressourcen in der Psychiatrie mit zusätzlichem Schwerpunkt in der Kinder- und Jugendpsychiatrie und das Zurückdrängen der "antisozialen Medien" der digitalen Welt zumindest in der besonders vulnerablen Zeitspanne des Kindes- und frühen Jugendalters seien dringend erforderlich. Man benötige aber auch mehr fundierte Daten zur psychischen Gesundheit und ein Reagieren auf die bereits ablaufende "demografische Wende".

Strikt für eine Etablierung von Kinder- und Jugendgesundheit über alle Institutionen und Versorgungsebenen hinweg sprach sich Markus Wieser, Obmann des Fördervereins Kinder- und Jugendrehabilitation, aus: "Es ist einerseits sehr traurig, andererseits sehr gut, dass viele Veränderungen im Gesundheitswesen mit Initiativen entstanden sind. Nur hinschauen und nicht zu handeln, das ist der schlechtere Weg. Wir brauchen in der Kinder- und Jugendgesundheit jetzt Programme statt Einzelinitiativen."

Wieser, auch Präsident der NÖ Arbeiterkammer, erzählte dazu, wie er und seine Familie vor Jahren mit einer akuten hämatologischen Erkrankung ihrer Tochter konfrontiert gewesen seien, die ausgeheilt werden konnte. Er engagierte sich schließlich voll für die Kinder- und Jugendrehabilitation. "Wir haben jetzt sechs stationäre Einrichtungen flächendeckend in Österreich. Kinder sind keine kleinen Erwachsenen." Man benötige für sie eigene Strukturen und Betreuungsangebote.

Ein zusätzlich großer Erfolg: Für Kinder und Jugendliche, welche nach einer Krankheit eine stationäre Rehabilitation benötigen, existiert nun auch ein Anspruch auf Begleitung durch einen Angehörigen mit Kündigungsschutz und finanzieller Hilfe. "Ein Gesunder als Begleiter hilft, dass der Kranke gesund wird", sagte Wieser.

ILLUSTRATION - 21.04.2025, Bayern, Roth: Viele Kinder und Jugendliche verbringen zu viel Zeit mit digitalen Medien, was bei Eltern oft zu Sorge und Überforderung führt. (zu dpa: «G7-Staaten wollen mehr Kinderschutz im Internet») Foto: Annette Riedl/dpa/dpa-tmn - ACHTUNG: Nur zur redaktionellen Verwendung im Zusammenhang mit dem genannten Text +++ dpa-Bildfunk +++

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