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"Eine derart frühe und genaue Vorhersage gleich für zwei Jahre, und das kombiniert mit einer langfristigen bis 2035, das ist ein echtes Novum. Wir verstehen mittlerweile den Wärmeantrieb durch die menschgemachten Treibhausgasemissionen im Zusammenwirken mit natürlichen Schwankungen wie El Niño so gut, dass wir die Prognose zuverlässig erstellen konnten", sagte Gottfried Kirchengast, Klimaforscher am Wegener Center und Institut für Physik der Universität Graz. Dessen Doktorand Moritz Pichler, der mit ihm gemeinsam die innovative Methodik entwickelt hat, ergänzt: "Wir nutzten bis Mai 2026 Beobachtungsdaten, ab Juni Saisonvorhersagen und für das Jahr 2027 das gute Vorwissen über die weiter zunehmende Erderwärmung sowie den Temperaturverlauf bei starken El-Niño-Ereignissen."
Letztere trügen allerdings nur einen geringen Teil zur steigenden Hitze bei. Besonders besorgniserregend sei laut den Forschern der durch die Treibhausgasemissionen angeheizte langfristige Temperaturanstieg. Ihr neuer Referenzdatensatz zur globalen oberflächennahen Lufttemperatur seit 1850 zeige mit über 99 Prozent statistischer Sicherheit eine beschleunigte Zunahme seit 1980 - und mittlerweile eine drastische Kollision mit den Pariser Klimazielen. Die langfristige Erwärmung erreiche nächstes Jahr 1,55 Grad und überschreite voraussichtlich 2032 mit 1,7 Grad sogar das Grenzziel von "deutlich unter zwei Grad" aus dem Pariser Abkommen. "Ursache ist die fehlende Ambition beim Klimaschutz. Vermeidbar gewesene Klimagefahren wie die derzeitige extreme Hitzewelle in Europa sind die direkte Folge", sagte Kirchengast.
Der Physiker hatte in einer kürzlichen Publikation auch eine Methode zur Berechnung von Gefahrengrößen für Wetter- und Klimaextreme vorgestellt. Darin werde der Zusammenhang des Anstiegs an Wärmeenergie in der globalen Atmosphäre mit dem der extremen Hitze in Österreich und ganz Europa nachgewiesen. Gemeinsam mit Jürgen Fuchsberger habe Kirchengast die Methode nun zur Analyse der aktuellen Hitzewelle in Österreich eingesetzt und gezeigt, dass selbst dieses Einzelereignis durch die globale Erwärmung gesteuert sei. Er zeigte sich bestürzt, aber nicht überrascht, wie deutlich an einer einzelnen Hitzewelle schon der Einfluss der Erderwärmung und damit das bisherige Klimaschutzversagen zu sehen seien. Kirchengast sprach in diesem Zusammenhang von einer "himmelschreienden Ungerechtigkeit" gegenüber wenig emittierenden und stark betroffenen ärmeren Menschen und der jetzigen Kindergeneration."
(S E R V I C E - Der Referenzdatensatz zu dieser Prognose und die Gefahrenmetriken für Hitzeextreme und Hitzestress in Österreich und Europa sind über das Webportal Graz Climate Change Indicators - ClimateTracer verfügbar: https://climatetracer.earth/de/ abrufbar. Publikationen: G. Kirchengast & M. Pichler: A traceable global warming record and clarity for the 1.5 °C and well-below-2 °C goals, 2025. https://doi.org/10.1038/s43247-025-02368-0 bzw. G. Kirchengast, S. J. Haas & J. Fuchsberger: A new class of climate hazard metrics and its demonstration: revealing a ten-fold increase of extreme heat over Europe, 2026. https://doi.org/10.1016/j.wace.2026.100855 )
++ THEMENBILD ++ Illustration zu den Themen Sommer / Hitze / Wetter / Klimawandel. Im Bild: Ein Kind erfrischt sich am Freitag, 05. August 2022, am Wasser eines Sprühnebel-Schlauches am Wiener Karlsplatz. In Österreich erreicht am Freitag die derzeitige Hitzewelle ihren Höhepunkt.






