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"Die Wirksamkeit und die Sicherheitsaspekte bei der Behandlung von Multipler Sklerose (MS) verändern sich im Laufe des Lebens eines Menschen aufgrund der Alterung des Immunsystems und der zunehmenden Häufigkeit von Begleiterkrankungen mit fortschreitendem Alter. Ziel dieser Studie war es, die Gesamtwirksamkeit und Sicherheit von krankheits-modifizierenden Therapien bei MS-Patienten unterschiedlicher Altersgruppen anhand von Daten aus der Praxis einer landesweiten Beobachtungsgruppe zu bewerten", schrieben jetzt Michael Guger (Abteilung für Neurologie am Krankenhaus Steyr in Oberösterreich) und seine Co-Autoren im "Journal of Neurology" (https://doi.org/10.1007/s00415-026-13885-z).
Das Wissenschafterteam mit Neurologen auch von der Linzer, der Grazer und der Innsbrucker Universitätsklinik nahm in die wissenschaftliche Untersuchung 1.459 MS-Patienten im Alter unter 50 Jahren und 658 ältere Betroffene aus dem österreichischen Behandlungsregister für MS auf. Dieses Register gibt es seit dem Jahr 2006. Die Teilnahme ist ausschließlich zertifizierten MS-Zentren vorbehalten. Die Informationen sollen unter anderem zu einem in Österreich flächendeckenden Therapieangebot gleicher Qualität führen.
Die Patienten waren im März 2025 mindestens ein Jahr lang mit einem von elf hoch wirksamen krankheits-modifizierenden Arzneimitteln behandelt worden. In den vergangenen rund 25 Jahren wurde eine ganze Reihe solcher auf das Immunsystem wirkenden Therapien erfolgreich etabliert. Sie verhindern akute Schübe der Erkrankung, welche die "Isolierschichten" von Nervenbahnen im Zentralnervensystem schädigen und so zu anhaltenden motorischen Störungen führen. Die Behandlung soll damit auch eine Zunahme von Behinderungen verhindern.
Die Auswertung der Informationen aus dem Register zeigt die guten Behandlungsmöglichkeiten, die für die MS bestehen. Nach einer mittleren Behandlungsdauer von sechs Jahren zeigte sich bei den unter 50-Jährigen eine Häufigkeit von akuten Krankheitsschüben von 0,12 solcher Episoden pro Jahr. Bei den älteren Patienten waren es im Mittel pro Jahr nur noch 0,09 Schübe. Zwischen den MS-Patienten unter 50 Jahren und den Älteren gab es damit einen Unterschied von 34 Prozent in der Schubhäufigkeit.
Auf der anderen Seite zeigte sich eine größere Häufigkeit bei den sich summierenden Behinderungen bei den Patienten nach zwölf bzw. 24 Wochen unter den über 50-Jährigen. "Unsere Ergebnisse zeigen, dass etwa ein Drittel der in unserem Register erfassten MS-Patienten 50 Jahre oder älter sind. Dies unterstreicht den hohen Anteil älterer Patienten in den heutigen MS-Behandlungsgruppen. Darüber hinaus unterschieden sich die Wirksamkeitsparameter, einschließlich der jährlichen Schubrate und des Fortschritts des Grades der Behinderung (EDSS-Skala; Anm.), signifikant zwischen jüngeren und älteren Altersgruppen. Diese Ergebnisse legen nahe, dass sowohl die Krankheitsaktivität als auch das chronologische Alter maßgeblich für den Behandlungserfolg sind", schrieben die Wissenschafter in der Zusammenfassung.
Laut den Autoren der Studie könnten diese Ergebnisse dazu beitragen, die Behandlung der Multiplen Sklerose noch mehr zu individualisieren. In die Entscheidungen über die Behandlung sollten eben auch das Alter der Betroffenen, die Alterung des Immunsystems und Begleiterkrankungen einbezogen werden.
SYMBOLBILD - 16.10.2024, Baden-Württemberg, Leonberg: Ein Arzt spricht in einer Bereitschaftspraxis in einem Krankenhaus in einem Untersuchungsraum mit einer Patientin (gestellte Szene). Im Vordergrund liegt Blutdruckmessgerät. (zu dpa: «Weniger ausländische Ärzte absolvieren Sprachprüfung») Foto: Bernd Weißbrod/dpa +++ dpa-Bildfunk +++




