ABO

Frühe Niederlassungen in Wüste: Nur dort wo es Wasser sowie Stein gab

Subressort
Aktualisiert
Lesezeit
5 min
Verfügbarkeit von geeignetem Gestein war ausschlaggebend für frühe Wüstensiedlungen
©Jeffrey Rose, University of Algarve, APA
Bisher galt die Verfügbarkeit von Süßwasser als entscheidender Faktor, wo sich der frühe Mensch in der Wüste niederließ. Eine Studie von Forschern, unter Beteiligung des österreichischen Geologen Rudolf Dellmour, auf der Arabischen Halbinsel zeigt nun: Wasser allein war nicht ausschlaggebend, sondern ebenso die Verfügbarkeit von bearbeitbarem Gestein. Mit der im Fachjournal "Nature" erschienenen Studie eröffnet man somit auch eine neue Sicht auf frühere Besiedlungsgeschichte.

von

News auf Google bevorzugen

Auf der Arabischen Halbinsel dominieren heute vor allem große und sehr trockene Wüsten. Doch die klimatischen Bedingungen schwankten im Laufe der Menschheitsgeschichte. Im Pleistozän gab es immer wieder über Jahrtausende andauernde Phasen mit hohen Niederschlägen, die sich mit Trockenzeiten abwechselten. Teile der Wüstenlandschaft verwandelten sich dann phasenweise in große Grünflächen mit Seen und Grasland. Daher rührt auch die Bezeichnung "Grünes Arabien".

Die damaligen Wasserstellen galten lange als wesentliche Anker zur Rekonstruktion von Wanderrouten und Verbreitungsgeschichte der im Paläolithikum lebenden Menschen. So ging man davon aus, dass die Seegebiete tief in der Wüste attraktive Siedlungsorte waren. Diese Annahme prüfte nun ein internationales Team um Jeffrey Rose von der Universität der Algarve (Portugal).

Bei einer Ende 2023 angesetzten 1.500 Kilometer langen Durchquerung der Wüste Rub' al-Khali - sie gilt mit ihren 650.000 Quadratkilometern als größte Sandwüste des Planeten und liegt im Süden der Arabischen Halbinsel - fand Erstautor Rudolf Dellmour von der Universität Wien an 55 der 125 untersuchten Stellen die Überreste alter Süßwasserseen, also etwa Süßwassermuscheln, Schneckengehäuse oder Kalkablagerungen. Sie stammen aus einer Zeit vor etwa 122.000 bis 67.000 Jahren (Mittelpaläolithikum). Hinweise auf Steinwerkzeug, geschweige denn auf das Rohmaterial wie etwa Feuerstein oder Quarzit, aus dem diese hergestellt werden hätten können, fanden sich hingegen nicht, wie Dellmour gegenüber der APA berichtete.

Laut den Forschern liegt das an den geologischen Verhältnissen der Rub' al-Khali: Das zur Werkzeugherstellung geeignete Gestein tritt nur an den Rändern der Wüste an die Oberfläche, im Innern ist es tief unter Sand und Salzebenen vergraben. "Als Hauptrohstoff für Werkzeuge im heutigen Oman und auch in Saudi-Arabien, vor allem im Süden des Landes, dienten eben sehr harte Kieselgesteine, die zwischen 40 und 60 Millionen Jahre alt sind." Für die paläolithischen Kulturen seien Steinwerkzeuge überlebenswichtig gewesen. Entsprechende Fundstellen sind aber nur von den Wüstenrändern bekannt.

Das Team um Jeffrey Rose erstellte daraufhin ein Modell, das den Zugang zu Wasser mit der Geologie von bearbeitbarem Gestein kombiniert. Es flossen Daten aus Erhebungen in Oman aus den vergangenen 20 Jahren ein, bei denen erfasst wurde, wo brauchbares Gestein vorkommt und wo nicht. Es zeigte sich, dass Menschen nur dort siedelten, wo es Wasser und Stein für Werkzeuge gab. Rund 57 Prozent der Flächen auf der Arabischen Halbinsel, die unter reiner Berücksichtigung der Verfügbarkeit von Wasser als potenziell bewohnbar gelten, verfügen nicht über nutzbaren Werkzeugstein, heißt es in der Studie.

Alle, die sich mit der Ausbreitung der frühen Menschen in Arabien beschäftigen, seien "davon ausgegangen: Wo Wasser ist, sind auch Menschen", wurde Rose in einer Mitteilung der portugiesischen Universität zitiert: Doch es habe sich gezeigt: "Menschen, die Steinwerkzeuge für ihre Tätigkeiten benötigen, entfernen sich nie weit von gutem Stein, und im Inneren der Rub' al-Khali gibt es keinen. Sobald man Stein neben Wasser auf die Karte setzt, schrumpft das 'Grüne Arabien' um mehr als die Hälfte, und was übrig bleibt, sieht weniger wie ein Korridor aus, als vielmehr wie eine Inselkette."

So bliebe nur eine Art "lithisches Archipel" - seine Inseln waren die Orte, an denen Wasser und Stein zusammenfielen, "denn dort fand sich auch Nahrung, und diese Kombination zog die Menschen an", sagte Dellmour.

Die Forscher verweisen in der Studie auf ähnliche Muster in Afrika, Asien und Nordamerika. Es könne damit sein, dass diese Abhängigkeit vom Stein auch weitflächiger gegolten habe und dass Modelle, die ausschließlich auf Klima und Wasser basieren, möglicherweise überschätzen, wie viel Land die frühen Menschen besiedeln konnten. Ausbreitungsmodelle zu Populationen, die auf Steinwerkzeuge angewiesen waren, sollten jedenfalls die Geologie der Rohstoffe mit einbeziehen.

(S E R V I C E - Studie: https://www.nature.com/articles/s41586-026-11180-5 )

WIEN - ÖSTERREICH: FOTO: APA/APA/Jeffrey Rose/University of Algarve

Monatsabo ab € 21,75
Ähnliche Artikel
2048ALMAITVEUNZZNSWI314112341311241241412414124141241TIER