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Neben der markanten Steigerung der Durchschnittstemperaturen durch den Klimawandel, können auch episodenhaftere und zeitlich kürzere Ausprägungen, wie die extremen Hitzewellen dieses Sommers, durchaus merkliche Auswirkungen auf die Entwicklung von Arten haben. Relativ kurzfristiger Hitzestress könne zu einem evolutionären Faktor werden, wenn Bedingungen herrschen, die am Rande dessen liegen, worauf Vertreter einer Spezies auf längere Sicht genetisch eingestellt sind, heißt es in der Arbeit von Forschenden aus Finnland, der Schweiz und Österreich.
Wie sich die Spitzschlammschnecke () in Folge von Hitzewellen schlägt, hat das Team, zu dem auch Otto Seppälä vom zur Universität Innsbruck gehörenden Forschungsinstitut für Limnologie in Mondsee (OÖ) in Experimenten untersucht. Aus vorherigen Studien wusste man, dass die vor allem in Mittel- und Nordeuropa vorkommenden Tiere auf höhere Temperaturen oftmals mit einem gesteigerten Wachstum und mehr Nachkommen reagieren. Das kann kurzfristig Vorteile bringen, längerfristig aber zum Problem werden, so die Wissenschafterinnen und Wissenschafter.
Um vor allem zu testen, wie die mit einer Gehäusegröße von bis zu sieben Zentimetern vergleichsweise großen Spitzschlammschnecken nach einer Hitzewelle auf unterschiedliche Anforderungen reagieren, setzte das Team die Tiere über zehn Tage im Labor recht hohen Temperaturen um die 25 Grad Celsius aus. Danach kamen sie zur 60-tägigen Langzeitbeobachtung in Umwelten mit niedrigen oder hohen Anforderungen an ihr Immunsystem.
Insgesamt zeigte sich, dass die Umweltbedingungen einen recht großen Einfluss darauf hatten, wie sich die Reaktionen der Tiere in der Hitzewelle später auswirkten, schreiben die Forschenden: Lebten die Tiere nach dem Hitzestress in der Umgebung mit vielen Erregern, zeigten jene mehr evolutionäre "Fitness", die ihre Reproduktionsleistung zuvor am stärksten steigern konnten. Lebten sie nach dem Stress unter weniger schwierigen Bedingungen, hatten jene Individuen längerfristig Vorteile, die in der Hitze nicht übermäßig viele Nachkommen in die Welt setzten. Spitzschlammschnecken, die während der Hitze wiederum sehr viel ins eigene Wachstum investierten, hatten es danach etwas schwerer. Dieser Effekt zeigte sich aber nur in der Gruppe, die stark mit Krankheitserregern konfrontiert war.
Für die Forschenden zeigt dies, dass die Berücksichtigung von verschiedenen Umgebungsbedingungen wichtig ist, um abzuschätzen, wie der Klimawandel evolutionäre Entwicklungswege beeinflussen kann. Es reiche demnach also nicht, die direkten Reaktionen auf Extremereignisse etwa während oder kurz nach ausgeprägten Hitzewellen zu untersuchen, man müsse sich die länger andauernden Effekte in verschiedenen Umwelten danach genauer ansehen.
(S E R V I C E - https://dx.doi.org/10.1098/rsos.260674 )
WIEN - ÖSTERREICH: FOTO: APA/Rudolphous/CC-BY-SA-4.0
