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Chronische Entzündungen - Naturstoff aus Schwamm als Hoffnungsträger

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Grazer Forschende testeten Substanz aus australischem Meerschwamm
©APA, dpa, Frank Molter, Themenbild
Die Entzündung ist die erste Verteidigung des Körpers gegen schädigende Reize. Sie signalisiert dem Immunsystem, aktiv zu werden und leitet damit die Abwehr oder die Heilung ein. Diese nützliche Entzündungsreaktion kann allerdings auch schaden - wenn sie übermäßig stark ausfällt oder chronisch wird. Neue Ansatzpunkte, wie man überschießende oder chronische Entzündungen besser kontrollieren kann, haben Forschende aus Graz und Innsbruck in Schwämmen gefunden.

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Chronische Entzündungen sind heimtückisch: Sie stehen in Zusammenhang mit einer Reihe von Erkrankungen - beginnend bei Allergien bis zu Gewebeschäden bei Verletzungen und Infektionen oder der Bildung von Plaques in den Arterien, die zur Arteriosklerose führen. "Normalerweise kann der Körper Entzündungen selbst wieder beenden. Gerät dieser Prozess aus dem Gleichgewicht, bleiben Abwehrzellen dauerhaft aktiv und treiben negative Veränderungen im Gewebe weiter an", erklärt der Pharmazeut Andreas Koeberle von der Universität Graz die Folgen von chronischen Entzündungen.

Koeberle und sein Team suchen gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen aus Innsbruck und Neapel nach Wirkstoffen, die das Potenzial haben, entzündungshemmend zu wirken oder eine bestehende Inflammation aufzulösen. Dabei sind sie auf einen Naturstoff gestoßen, der Entzündungsprozesse umlenken kann und damit zugleich beruhigen könnte. Er stammt aus einem erst jüngst entdeckten, in Australien beheimateten Meerschwamm der Gattung Spongia, wie die Universität mitteilte.

Im Labor stellten die Forschenden fest, dass der Wirkstoff das Fettprofil von menschlichen Immunzellen umfassend verändert: "Die untersuchten Verbindungen senkten die Bildung entzündungsfördernder Leukotriene und erhöhten zugleich den Gehalt mehrerer Botenstoffe, die mit der Beruhigung und Auflösung von Entzündungen in Verbindung gebracht wurden. Sie verändern also das Stoffwechselprogramm der Immunzellen maßgeblich", erklärte Koeberle. Die jüngsten Erkenntnisse haben er und sein Team in der aktuellen Ausgabe des Forschungsmagazins "Advanced Science" veröffentlicht.

Die Forscher entdeckten, dass die Wirkung eng mit der Speicherung von Fetten in den Immunzellen zusammenhängt: Cyclosmenospongin - so der Name des Wirkstoffs - reduziert die Menge von neutralen Lipiden, Triglyceriden und Cholesterinester. "Dadurch stand den Zellen weniger Material zur Verfügung, um entzündungsfördernde Signalstoffe zu bilden. Ähnliche Effekte haben wir erzielt, als wir gezielt Enzyme gehemmt haben, die an der Lipidspeicherung beteiligt sind. Das belegt einen engen Zusammenhang zwischen Fettaufbau in Immunzellen und Entzündungen, der in dieser Form vorher nicht bekannt war", schilderte Koeberle.

Hinter der Entdeckung steht ein internationales Team: Koeberles Kolleginnen und Kollegen der Universität Innsbruck legten die chemische Grundlage für die Studie, indem sie Varianten der Naturstoffe herstellten und veränderten. Die biologischen Untersuchungen wurden unter anderem am Institut für Pharmazeutische Wissenschaft an der Uni Graz und Neapel durchgeführt. Gemeinsam arbeiten die Forschenden daran, die entzündungshemmenden Eigenschaften des Schwamm-Wirkstoffs weiter zu erforschen.

(S E R V I C E - Waltl, L., Holubek, D., Speck, K., Koeberle, A. et al.: "Reorganization of innate immune cell lipid profiles by bioinspired meroterpenoids to limit inflammation". Advanced Science, 18.08.2026, DOI: https://doi.org/10.1002/advs.76861)

07.09.2020, Schleswig-Holstein, Kiel: Flüssigkeit wird mit einer Pipette beim Landeskriminalamt in Kiel in ein Behältnis gefüllt. (zu dpa "Vom Rüttelapparat zum Pipettierroboter: LKA im technischen Wandel") Foto: Frank Molter/dpa +++ dpa-Bildfunk +++.

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