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Experten fordern mehr Auseinandersetzung mit Männerbildern in Schulen

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Das Klischee vom muskelbepackten Mann ist wieder am Vormarsch
©Oliver Multhaup, APA, dpa
Seit einigen Jahren werden aus den Klassen wieder vermehrt Konflikte wegen problematischer Männlichkeitsbilder gemeldet - sei es durch die Renaissance dominanter, frauenfeindlicher Rollenbilder im Internet oder mehr Zuwanderung aus stark patriarchalisch geprägten Ländern. Effektive Gegenmaßnahmen gibt es in Österreich bereits, aber zu wenig. Von der NGO SOS Mitmensch befragte Expertinnen und Experten fordern mehr Ressourcen für Burschenarbeit in und außerhalb der Schulen.

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Vor allem dort, wo besonders viele Burschen aus Randgruppen zusammenkommen, können Besitzdenken, Ehre und Gewalt im Männlichkeitsbild ein Thema sein. Ob sie sich davon lösen können, ist vor allem eine Frage der Beziehung, so der Tenor der elf befragten Experten (je drei Schulleitungen und Lehrer mit Spezialisierung auf Genderthemen, fünf Personen aus dem Bereich sozialarbeiterische Burschen- und Männerarbeit aus Wien) in dem Bericht von "SOS Mitmensch".

"Es braucht Räume, in denen Männlichkeit nicht auf Härte, Dominanz und Abwertung beruht, sondern sie Verlässlichkeit, Fürsorge und auch Gleichberechtigung erfahren", wird Sozialarbeiter Shokat Walizadeh vom Verein "Neuer Start" zitiert, der auf die Arbeit mit jungen männlichen Geflüchteten spezialisiert ist. Die Schule spielt dabei für den Direktor der HTL Wien West, Thomas Angerer, eine zentrale Rolle: Für manche Jugendliche sei sie der einzige Ort, der Stabilität bietet. Es gebe Burschen, die beim Firmenbesuch in der Schule zum ersten Mal in ihrem Leben hören, dass sie gebraucht werden.

Geht es nach den Experten, sollte Soziales Lernen in den Schulen flächendeckend als eigener Gegenstand am Stundenplan stehen und zusätzlich in alle Unterrichtsfächer integriert werden, das Sprechen über Gefühle und Konflikte sollte im Idealfall fixer Teil des Schulalltags werden. Auch Klassendemokratie, wo beim Aushandeln von Regeln jede Stimme gleich viel zählt, wird als wichtiges Tool zur Förderung von Gleichberechtigung genannt. Eine klare Haltung wird bei Gewalt verlangt: Jeder Vorfall müsse konsequent und transparent aufgearbeitet und auch auf die Hintergründe eingegangen werden.

Die größte Herausforderung in Sachen Rollenbilder ist nicht nur für Angerer derzeit der digitale Raum. "Unser großer Gegner sind die asozialen Medien." Angebote wie die Workshops von Safer Internet seien wichtig und wertvoll, aber nicht genug. Wie der Großteil der befragten Experten ist er für ein Social-Media-Verbot für Jugendliche - schon allein, um "Haltung zu zeigen". Es bräuchte aus Sicht der Experten auch mehr Information der Eltern, damit sie die Mediennutzung ihrer Kinder intensiver begleiten.

Als konkrete Aufgabe der Schulen selbst sehen die Experten die Förderung von Medienkompetenz: Die Jugendlichen sollen die Inhalte in Sozialen Medien und die Rollenbilder von Influencern kritisch hinterfragen können. Die Beschäftigung mit Geschlechterrollen, Gleichstellung und Diversität sollte an den Schulen generell verpflichtend sein und auch Workshops zu Konfliktvermeidung und Sexualpädagogik sollten fixer Teil des Lehrplans sein. Derzeit ist "Reflexive Geschlechterpädagogik und Gleichstellung" eines von zehn Unterrichtsprinzipien, die grundsätzlich in allen Gegenständen zu berücksichtigen sind.

Viele weitere Verbesserungsvorschläge sind auf das gesamte Schulsystem gerichtet - etwa mehr Ressourcen, um die Beziehung zu den Kindern und Jugendlichen zu fördern, und zusätzliche Unterstützung durch Schulsozialarbeit bzw. Schulpsychologie. Eine Verlängerung der Volksschulzeit könnte aus Sicht der Experten den Einfluss des sozialen Hintergrunds verringern und ein verpflichtender Ethikunterricht für alle verhindern, dass über den Religionsunterricht patriarchale Geschlechtervorstellungen in die Schulen getragen werden.

Abseits der Bildungseinrichtungen sehen die befragten Experten Lehrbetriebe und Sportvereine in der Pflicht: Die jungen Männer würden in Unternehmen teilweise "auf eine sehr ungesunde und brutale Art und Weise" behandelt. Gleichberechtigte Männlichkeitsvorstellungen dürften aber nicht auf den Schulbetrieb beschränkt bleiben, forderte White Ribbon-Projektleiter Simon Březina.

Mehr Genderkompetenz und Wertschätzung im Umgang wäre für ihn auch im Sport nötig, die aktuelle Koppelung der Sportförderung an Erfolg fördere stattdessen eine "Hierarchie- und Wettkampf-Logik". Besonders wichtig wären für ihn in dem Zusammenhang Kampfsportvereine, in denen vor allem in Wien immer mehr Burschen und junge Männer andocken - häufig motiviert durch toxische Männlichkeitsvorstellungen. Er plädiert für eine aktive Förderung jener Männer, die Kampfsport "losgelöst von Gewaltfantasien und Überlegenheitsgefühlen" ausüben. Man dürfe dieses Feld nicht "den politischen, religiösen und kriminellen Akquirierern" überlassen, die in der Szene sehr stark unterwegs seien.

Ein Bodybuilder spannt am Freitag (19.04.2002) auf der Essener Fitness-Messe FIBO vor Sportgeräten seinen Bizeps an. Auf der Messe zeigen 420 Firmen vom 18. bis 21. April alles rund um die sportliche Gesundheit, die erwarteten 60 000 Besucher können bis Sonntag einen Überblick über die Neuheiten der Branche vom Trainings-Trikot bis zum Fitness-Studio von der Stange gewinnen. Eine Job-Börse zeigt den Weg zum Berufsfeld Sport auf. dpa/lnw

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