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Mammuts waren für die Menschen in der Zeit vor etwa 45.000 bis 12.000 Jahren, dem Jungpaläolithikum, eine wichtige Ressource. Die Jäger- und Sammlergesellschaften nutzten Fleisch und Fett der Tiere, Elfenbein zur Herstellung von Werkzeugen und Schmuck oder Skelettteile für den Bau kreisförmiger Unterstände.
Ein Team um Hannah Moots vom Zentrum für Paläogenetik in Stockholm (Schweden), dem auch Forschende des Österreichischen Archäologischen Instituts (ÖAI) der Akademie der Wissenschaften (ÖAW) und des Naturhistorischen Museums Wien (NHM) angehörten, untersuchte die DNA von insgesamt 521 Wollhaarmammuts. Dabei stammten die Überreste von 421 Tieren aus verstreuten Fundstellen aus überwiegend natürlichen Umgebungen, was nahelegt, dass die Mammuts eines natürlichen Todes gestorben sind. Die Knochen der übrigen 100 Tiere kamen dagegen von elf Fundstellen in Nordamerika, Asien und Europa mit größeren Knochenanhäufungen, wo sich auch viele Hinweise auf menschlichen Einfluss fanden und man daher davon ausgeht, dass die Tiere von den Menschen gejagt wurden.
Aus Österreich wurde die Fundstelle in Langmannersdorf (NÖ) in der Studie berücksichtigt, wobei nur die Knochen von zehn Individuen aus Grabungen vom Anfang des 20. Jahrhunderts analysiert wurden, die im NHM aufbewahrt werden, wie Studien-Coautor Marc Händel vom ÖAI gegenüber der APA erklärte. Insgesamt sind in Langmannersdorf die Überreste von zumindest mehreren Dutzend Tieren belegt, allein bei den neuen Untersuchungen im Vorjahr und heuer wurden bisher über ein Dutzend Individuen nachgewiesen.
Es handelt sich bei Langmannersdorf um einen menschlich geprägten Fundplatz, wo auch Steinwerkzeuge, Holzkohle und gebrannte Knochen gefunden wurden. Zudem fanden sich Schlag- und Schnittspuren an Knochen. Außerdem wurden nicht alle Knochen der Tiere nachgewiesen - Fußknochen etwa sind sehr selten. "Deshalb müssen wir davon ausgehen, dass eine Sortierung durch den Menschen stattgefunden hat", so der Archäologe. Offensichtlich wurden die Tiere außerhalb des untersuchten Areals erlegt, an Ort und Stelle grob zerlegt und die Teile schließlich erst an der späteren Fundstelle weiterverarbeitet.
Bei den in der Studie erfassten elf menschlich geprägten Knochenanhäufungen waren 70 Prozent der Tiere weiblich, bei den verstreut gefundenen Tieren dagegen 66,5 Prozent der Individuen männlich. Auch in Langmannersdorf waren von den zehn analysierten Mammuts sieben weiblich. "Das spricht dafür, dass die eiszeitlichen Menschen bestimmt haben, welche Mammuts sie nutzen - offenbar bevorzugt weibliche Tiere bzw. Herden, in denen weibliche Tiere häufiger vorkommen", so Händel.
Die Sozialstruktur der Wollhaarmammuts könnte eine mögliche Erklärung dafür sein: Ähnlich wie heute Elefanten dürften weibliche Mammuts mit ihren Jungtieren in Herden gelebt haben, während ausgewachsene Männchen die Herden verließen und eher einzeln unterwegs waren. Damit waren die Herden mit den Weibchen für die Eiszeitmenschen möglicherweise leichter aufzuspüren und ihre Bewegungen besser vorhersehbar. Weibchen mit Nachwuchs könnten zudem weniger mobil und damit leichter zu erbeuten gewesen sein.
Dass sich an den verstreuten Fundstellen mehrheitlich Knochen von Männchen fanden, könnte mit der höheren Risikofreudigkeit von männlichen Tieren zusammenhängen. Sie könnten dadurch in gefährliches Terrain gelangt sein, etwa steile Hänge an Flussufern oder sumpfige Gebiete mit instabilem Untergrund.
Ob tatsächlich gezielt Herden mit Weibchen und Jungtieren oder bestimmte Altersgruppen bejagt wurden, wollen die Wissenschafterinnen und Wissenschafter in weiterer Folge durch die Kombination von Geschlechts- und Altersbestimmung weiter untersuchen. So ließe sich die Struktur der Mammutherden rekonstruieren, etwa ob männliche Tiere an den Fundstellen mit Knochenansammlungen überwiegend Jungtiere sind. Zudem sollen Isotopenanalysen von den Zähnen der Tiere Hinweise auf die Wanderungen der Mammuts und deren jahreszeitlichen Verlauf und damit Antwort auf die Frage liefern, ob die Menschen im Jungpaläolithikum diese Wanderungsbewegungen kannten und zu ihrem Vorteil genutzt haben.
(SERVICE - Link zur Studie: https://doi.org/10.1016/j.cub.2026.07.023 )
WIEN - ÖSTERREICH: FOTO: APA/APA/ÖAW-ÖAI/Marc Händel
