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Alleine im Depot des Universalmuseums Joanneum in Graz lagern rund 200 Römersteine, deren Inschriften nur mehr schwer oder gar nicht mehr lesbar geworden sind. Sie könnten eine Geschichte erzählen, doch vielfach sind sie nicht mehr entzifferbar. Manche von ihnen wurden in späterer Zeit als Baumaterial verwendet, etwa als Türschwelle eingebaut, und dadurch teilweise zerstört, erklärte Gregor Diez, Postdoc am Institut für Antike der Uni Graz. Gemeinsam mit Jakob Woisetschläger, Experte für optische Messtechnik an der TU Graz, bringt er die verborgenen Geschichten dieser Marmorblöcke doch ans Tageslicht.
Und das mit erstaunlich einfachen Mitteln: UV-Licht mit einer Wellenlänge von 365 Nanometern macht Farbreste und Schmutz in den Vertiefungen der Buchstaben sichtbar. Infrarot-Licht, aufgenommen mit einer Wildkamera, enthüllt weitere Details - sogar von der Rückseite des Steins, wenn dieser dünn genug ist.
Das Team hat noch eine weitere unkonventionelle Lösung gefunden. Mit einer Wärmebildkamera und etwas Hitze können stark abgetragene oder zerstörte Inschriften rekonstruiert werden. "Wir haben Steine auf 60 Grad Celsius erhitzt. Aufnahmen beim Abkühlen offenbaren Störungen, die manchmal Rückschlüsse auf nicht mehr lesbare Buchstaben zulassen", schilderte Diez. Die eingemeißelten Vertiefungen und verwitterte Stellen speichern die Wärme anders als die glatte Oberfläche, so zeichnen sich die Konturen der lateinischen Buchstaben im Infrarotbild deutlich ab - selbst wenn sie für das menschliche Auge längst unsichtbar sind.
Viele der antiken Steine sind in Kirchen, Pfarrhöfen und Burgen und auch anderen Gebäuden eingemauert worden. Aktuell ist das Team im Raum Hartberg und im Bezirk Murau unterwegs, um die Inschriften vor Ort zu entschlüsseln. Gefördert wurde das Projekt vom Land Steiermark im Rahmen des Programms UFO - Unkonventionelle Forschung.
(S E R V I C E - G. Diez, M. Diez, J. Woisetschläger, "Through a Laser Beam Darkly - Attempting a Reassessment Using Optical Diagnostics in Epigraphy", Heritage Science, July 2026, https://doi.org/10.1038/s40494-026-02828-6 )
GRAZ - ÖSTERREICH: FOTO: APA/Uni Graz / Skrinjar, Ederer
