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Bei Oberkoflers Debüt bekam es die frisch gebackene Abteilungsleiterin gleich mit einem toten Minister und einer smarten, jungen, einander engstens verbundenen Politikergeneration zu tun - inklusive einem Wende-Kanzler. Die Preisjury fand in dem Buch "ein Sittengemälde, dem es wahrlich nicht an Spannung fehlt", und "eine Fiktion, die die österreichische Realität ins Überdeutliche spiegelt". Auch die "Buberlpartie" erweist sich als Politkrimi, der vor allem eine gesellschaftliche und politische Stimmung wiedergeben möchte. Aktuell geht es daher um ukrainische Flüchtlinge, verstärkten Antisemitismus, Reichsbürger, die den von linkslinker Wokeness unterwanderten Staat mit Waffengewalt zurückerobern wollen, einen Staatsschutz, der auf jenem Auge blind ist, das besonders fokussiert sein sollte, und eine Politszene, die sich bereits damit arrangiert hat, dass nach den nächsten Wahlen der Umbruch tatsächlich vollzogen wird.
Das alles ist in einem Ereignis verdichtet, dessen Einzelheiten nicht nur den Lesern, sondern auch den Ermittlern für einen Zufall höchst unwahrscheinlich vorkommen. Ein für einen Ministerposten der Heimatpartei gehandelter rechter Bauunternehmer lenkt einen schweren Elektro-SUV in ein bekanntes jüdisches Lokal, in dem sich gerade drei Protagonisten seiner ganz persönlichen Hate-List befinden: Ein linker Aufdecker-Journalist, die seit der Coronazeit mit ihm verfeindete Schwester des Restaurantinhabers, und der lästige, weil korrekte stellvertretende Leiter jener Magistratsabteilung, in der früher Baugenehmigungen für umstrittene Projekte durch ganz persönliche Zuwendungen kein gröberes Problem darstellten.
Hartlieb hat nicht nur diese und so manche andere Fäden in ein dickes Knäuel zusammengezwungen, sondern auch jene mitten hineingesetzt, die es entwirren sollte: Oberkofler, eigentlich auf dem Sprung in den Finnland-Urlaub zur Familie ihres Lebensgefährten, sitzt direkt vis-a-vis des Lokals gerade mit einer Freundin - einer Buchhändlerin - beim Essen, als das zuvor länger vor der Fußgängerzone stehende Auto plötzlich Gas gibt, in das Lokal rast und wenige Sekunden später explodiert. Der Lenker und vier weitere Personen sterben, ein weiteres Opfer verhindert die Ermittlerin, die selbst leicht verletzt wird, durch beherztes Eingreifen. Der Kellner überlebt mit schweren Brandverletzungen, und die Kriminalistin geht nicht in Krankenstand oder auf Urlaub, sondern beginnt mit der mühsamen Aufklärung der Grundfrage: Unfall oder Anschlag?
Ehe die Ermittlungen wirklich brauchbare Ergebnisse liefern, vergehen schon mal 250 Seiten, und so hat man nicht nur im Landeskriminalamt Wien, sondern auch bei der Lektüre bald das Gefühl, auf der Stelle zu treten. Zu viele Stränge hat Hartlieb eingearbeitet, zu viele Nebenfiguren involviert, zu viele Querverbindungen aufgebaut. Immerhin ist auch hier das Sittenbild, das etwa ein eng mit Oberkofler zusammenarbeitender leitender Beamter der Direktion Staatsschutz und Nachrichtendienst von der mangelnden Unabhängigkeit und zu großen politischen Nähe zeichnet, so erschreckend wie (vermuteter Weise) wirklichkeitsnahe, und die Ermittlungsgruppe sympathisch und engagiert. Es liest sich also gut, auch wenn wenig weitergeht. Da erfährt Oberkofler mitten in den laufenden Ermittlungen von einem streng geheimen hochkarätigen Treffen auf oberster Polit- und Polizeiebene, bei dem bereits festgelegt wurde, welches Ermittlungsergebnis in wenigen Tagen via APA bekanntgegeben werden soll. Mit dabei jemand, der in der Regierung (noch) gar keine Funktion hat: Heimatpartei-Chef Harald Hackl.
(Von Wolfgang Huber-Lang/APA)
(S E R V I C E - Petra Hartlieb: "Buberlpartie", DuMont, 384 Seiten, 18,40 Euro, Buchpremiere: 13. September, 11 Uhr, Stadtsaal Wien, Moderation: Barbara Blaha, Musik: EsRap)
