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Am Ende liegt der Pasterzensee: Das gar nicht ewige Eis

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Wo früher Gletscher war, ist heute Wasser: Der Pasterzensee
©APA, Themenbild, Barbara Gindl
Sie wird immer kleiner - doch ihr Verschwinden wird genau beobachtet. Die Pasterze, eines der beeindruckendsten Naturdenkmäler Österreichs, schrumpft zusehends. Bei ihrer Vermessung, die derzeit am Fuße des Großglockners stattfindet, kommen unter anderem Bohrer, GPS-Geräte und Drohnen zum Einsatz. Und dabei beobachtet man nicht nur den Verfall, sondern auch die Entstehung völlig neuer Naturlebensräume.

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Es hat sechs Grad und der aufziehende Nebel fährt einem bis in die Knochen. Doch auch dieser normale Septembertag beim Lokalaugenschein hier, auf knapp 2.400 Metern Seehöhe, kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich unweit der bekannten Franz-Josef-Höhe etwas tut, das nicht mehr zu stoppen ist: Die Pasterze verschwindet. Und zwar so rasant, dass man, um Beweise zu finden, nicht einmal besonders weit in die Vergangenheit schauen muss.

Bis an die Stelle, an der eine eigene Gletscherbahn einst Touristen vom Parkhaus aufs "Ewige Eis" brachte, reichte die Pasterze vor einigen Jahrzehnten. Die Gletscherbahn fährt nicht mehr. Denn heute würde sie die Leute nur mehr auf eine schottrige, von Bächen durchzogene Ebene bringen. Das merken auch die Gletschervermesser bei ihrer alljährlich im September stattfindenden Arbeit, erklärt Andreas Kellerer-Pirklbauer vom Gletschermessdienst des Österreichischen Alpenvereins (ÖAV).

"Vor ein paar Jahrzehnten ist man 20 Meter abgestiegen, dann war man am Eis. Jetzt geht man 300 Meter hinunter und drei Kilometer weit bis zur Gletscherzunge. Und dann muss man erst aufs Eis kommen", so der Forscher. Hinzu komme die Gefahr durch Gletscherspalten, die enorm zugenommen habe. Das hatte auch Auswirkungen auf die Vermessung: Früher konnte man mit einem präzisen GPS-Gerät den Gletscher-Rand abgehen. Heute ist der so zerklüftet, dass das nicht mehr geht - nun kommen Drohnen zum Einsatz, die den Schwund aus der Luft festhalten. Nicht unbedingt einfacher macht die Sache der Fakt, dass ein Teil des gar nicht ewigen Eises mit Schutt bedeckt ist - man könne oft auf den ersten Blick gar nicht sagen, wo das Eis aufhört.

Neben Hightech ist am Gletscher Knochenarbeit gefragt, bei der Studierende helfen. Dabei wird das Eis aufgebohrt und Sonden werden eingesetzt, berichtet Michael Avian von der GeoSphere Austria: "Die apern aus und am Schluss schauen wir, wie weit sie herausgekommen sind." Eine Arbeit, die - leider, aus Gletschersicht - mit der Zeit leichter geworden ist, ist die Vermessung der Altschneedecke, also des Schnees, der sich auf dem Eis auftürmt. Mussten dazu früher metertiefe Schächte gegraben werden, so sind diese nun einen halben Meter tief. "Die Altschneesituation ist dramatisch, die Ausaperung so stark wie noch nie. Ohne dass wir gemessen haben, kann man schon sagen: Es ist noch schlechter geworden", so Avian.

Mit dem Fehlen der Schneedecke und den steigenden Temperaturen setzt sich am Gletscher ein Trend in Gang, der sich immer weiter beschleunigt, erklärt Kellerer-Pirklbauer: "Die Pasterze schrumpft nicht nur durch die reine Abschmelze. Von der Seite dringt viel Schmelzwasser in den Gletscher ein. Auch wenn das Wasser kalt ist, aber es bringt ein paar Grad Wärme hinein." Und das knabbere an der Eisschicht wie an einem Schweizerkäse. Davon zeugen kreisrunde Einbrüche auf der Gletscherzunge: Diese entstehen, wenn das Eis von innen angefressen wird.

Was bleibt, wenn keine Pasterze mehr da ist? Bis auf weiteres: Wasser. Bestes Beispiel ist der Pasterzensee. 1998 lag an seiner Stelle noch Eis, heute umfasst seine Fläche 45 Hektar, er ist bis zu 48 Meter tief. Dass Eis zu Wasser wird, ist aber nicht nur ein Zeichen der fortschreitenden Klimaerwärmung, sondern bedeutet auch die Entstehung eines neuen Lebensraumes, wie Katharina Aichhorn vom Nationalpark Hohe Tauern erklärt: "Unser Ziel ist es, eine Dynamik zuzulassen, die Natur darf sich entwickeln. Neue Seen in dieser Höhe sind ein hochdynamischer Lebensraum." Zwischen Schutt und neu entstandenen Bächen entsteht ein Lebensraum, der nicht vom Menschen beeinflusst ist.

Der Mensch und vor allem auch seine Begehrlichkeiten: Das beobachtet der Alpenverein mit Argusaugen. "Gerade bei Gletscherskigebieten hat man oft das Gefühl, wenn der Gletscher verschwindet, sollen die entstandenen Gebiete gleich in regelrechte 'Industrieflächen' umgewandelt werden", meint Birgit Kantner von der Abteilung Raumplanung und Naturschutz im ÖAV. Sie ist der Meinung, dass nicht immer alles gleich "reserviert" werden müsse: "Gletscherschutz ist weiter gefasst als das Eis an sich."

Von Peter Lindner/APA

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