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Krokodile durch Quecksilberbelastung aus Goldabbau gefährdet

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Wiener Forschungsteam untersuchte wild lebende Kaimane in Französisch-Guayana
©Jérémy Lemaire, APA, Uni Wien
Illegaler Goldabbau ist in tropischen Ländern weit verbreitet. Dabei wird häufig Quecksilber eingesetzt, um winzige Goldpartikel zu binden. Das Schwermetall führt aber bei Mensch und Tier zu irreversiblen Gesundheitsschäden. Ein österreichisches Forschungsteam berichtet nun im Fachjournal "Communications Biology", dass Quecksilber die Stressreaktion von Kaimanen herabsetzt - mit gravierenden Folgen für die Überlebens- und Fortpflanzungschancen dieser Krokodilart.

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Quecksilber kann unterschiedliche gesundheitliche Auswirkungen haben. Unter anderem greift es in den Hormonhaushalt ein. Bei Wirbeltieren, einschließlich des Menschen, kann es mit Steroidrezeptoren interagieren, darunter auch mit dem Glukokortikoidrezeptor, der die Stressantwort des Körpers kontrolliert.

Um im Fall der Fälle Energie zu mobilisieren und angemessene Verhaltensreaktionen auszulösen, lässt das Regelsystem der sogenannten "Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse" den Hormonspiegel, beispielsweise des Stresshormons Kortikosteron, rasch ansteigen. Bei gesunden Wirbeltieren ist dieser Anstieg schnell und ausgeprägt.

Das Forschungsteam der Universität Wien und der Veterinärmedizinischen Universität Wien hat bei wild lebenden Glattstirn-Kaimanen () im Regenwald von Französisch-Guayana festgestellt, dass Tiere mit höheren Quecksilberwerten im Blut bei standardisierten Stresstests einen deutlich abgeschwächten Anstieg des Hormonspiegels zeigen. Dies deutet darauf hin, dass das Schwermetall als hormonell wirksame Substanz die Fähigkeit der Krokodile beeinträchtigen könnte, flexibel mit Umweltveränderungen umzugehen.

Die Wissenschafterinnen und Wissenschafter zeigten zudem in einer vergleichenden Analyse, dass alle Krokodilarten im selben Hormonrezeptor eine biologische Schwachstelle aufweisen. Hochgiftiges Methylquecksilber, das in der Natur von Bakterien aus anorganischen Quecksilberverbindungen gebildet wird, greift genau an dieser Stelle an. Das könnte den Forschern zufolge eine mögliche molekulare Erklärung für die beobachtete Störung sein.

Krokodile zählen weltweit zu den am stärksten bedrohten Wirbeltierarten. Projektleiter Jérémy Lemaire vom Department für Verhaltens- und Kognitionsbiologie der Uni Wien sieht deshalb angesichts der Überschneidung ihrer Lebensräume mit Goldabbaugebieten ein "dringendes Naturschutzproblem", sei doch "eine schnelle, robuste Stressreaktion für das Überleben in der Wildnis essenziell". Als langlebige Tiere, die an der Spitze der Nahrungspyramide stehen, würden sie über viele Jahre hinweg Quecksilber durch ihre Nahrung in ihrem Körper anreichern. Doch bereits relativ geringe Quecksilberbelastungen würden diese Reaktion bei Kaimanen beeinträchtigen und "ihre Fähigkeit einschränken, mit Raubtieren, extremen Wetterbedingungen und Störungen durch den Menschen umzugehen - und somit letztlich in freier Wildbahn zu überleben".

Die in der Studie beobachteten Auswirkungen bei Quecksilberkonzentrationen lagen innerhalb eines Bereichs, der bereits zuvor für Krokodilarten an anderen Orten der Welt berichtet wurde. Für das Forschungsteam deutet das darauf hin, dass ähnliche hormonelle Risiken weitaus verbreiteter sein könnten als derzeit angenommen.

(SERVICE - Link zur Studie: https://doi.org/10.1038/s42003-026-11022-0 )

WIEN - ÖSTERREICH: FOTO: APA/APA/Uni Wien/Jérémy Lemaire/Jérémy Lemaire

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