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Gegen Ostern suchte er ärztlichen Rat, weil er sich ungewöhnlich antriebslos fühlte. Was daraufhin geschah, kann der 57-Jährige im APA-Interview zwar in einer Mischung aus Tempo und Dramatik wie einen Slapstick-Sketch schildern, wird sich auf der Bühne aber bestenfalls ganz am Rande niederschlagen. "Das Programm war schon fertig geschrieben, bevor ich überhaupt erfahren habe, dass ich ein winziges, äh, massiveres medizinisches Problem habe", sagt der Kabarettist, Schauspieler und Autor, der gelernt hat, dass man zwar mit Herzenslust Spaß machen kann, mit dem Herzen aber nicht zu spaßen ist.
Dass er sein Leben seither umgestellt hat - weniger Alkohol und Stress, mehr Sport und Ruhepausen, weniger Zeit vor dem Bildschirm und mehr Zeit in der Natur -, hat auch damit zu tun, dass man schon ins Grübeln kommen kann, wenn man zum Nichtstun verdammt an der Infusion hängt und darauf wartet, dass das Piepsen der Apparate, das man für Fehlermeldungen hielt, das aber die Fehlfunktionen des eigenen Körpers anzeigt, verstummt. "Ich bin jetzt nur drei Jahre jünger als mein Vater war, als er gestorben ist. In meiner Familie werden die Männer nicht besonders alt, im Gegensatz zu den Frauen. Meine Urgroßmutter ist kurz vor ihrem 101. Geburtstag gestorben, und meine Großmutter ist 96 geworden."
Über seine ladinischen Vorfahren hat Palfrader 2024 in seinem Debütroman "Ein paar Leben später" ausführlich erzählt. Dabei habe er Lunte gerochen, erzählt er. "Ich bastle gerade in meinem Hirn an meinem zweiten Roman. Der wird aber ein größerer, sehr umfangreicher, der nichts mit meiner Familie zu tun hat - komplett fiktional. Darauf freue ich mich schon, aber vorerst sammle ich jetzt einmal alle Ideen und lege sie in ein Körbchen in meinem Hirn. Irgendwann einmal nehme ich dann den Bleistift und beginne zu skizzieren."
Sein Programm, das einige Einspielvorstellungen in Deutschland und Südtirol gehabt haben wird, ehe sich Palfrader damit auf das Wiener Parkett wagt, ist bis auf einige Adaptionen schon seit rund einem halben Jahr fertig. Unterdessen drehte er etwa einen Comedy-Film in Südtirol ("Joe der Film" von Thomas Hochkofler) oder gab in der Volksoper Wien sein Debüt als Frosch in der Strauß-Operette "Die Fledermaus", wo er auch wieder als Kaiser im "Weißen Rössl" zu sehen sein wird. Und dann geht es für das Mitglied der "Staatskünstler"-Truppe (gemeinsam mit Florian Scheuba und Thomas Maurer) alleine raus auf die Bühne.
"Allein" hieß sein erstes Solo-Programm. 2018 bot er einen "Abend für Gläubige, Agnostiker, Atheisten und alle, die es noch werden wollen", diesmal werden "pointierte Betrachtungen und Überlegungen zu allem, was man wissen muss, damit man in Frieden ruhen kann" versprochen. Die Bühnenfigur von "Testament" sei "eine Mischung aus mir und einer fiktiven Person", sagt Palfrader. "Ich würde sagen, fifty-fifty. Aber es ist jemand, der ich gewesen sein hätte können."
Diese Vielgestaltigkeit ist Palfrader, der sich einst auch als Kaffeehausbetreiber bewährt hat, ehe er sein darstellerisches Naturtalent zum Beruf machen konnte, quasi eingeschrieben: Als Majestät "Robert Heinrich I." in der ORF-Satiresendung "Wir sind Kaiser" erreichte er ungeahnte Popularität, als Bürgermeister Gerri Tschach verkörperte er in der Serie "Braunschlag" jene bodenständige Schlitzohrigkeit, in der sich zumindest die Hälfte der Bevölkerung wiedererkennen kann. "Betrachtungen von oben herab und von ganz unten zugleich, vorgetragen mit einer schauspielerischen Wucht, die im Kabarett selten geworden ist", stellt nun die Vorwerbung in Aussicht.
Kabarettisten zählen in Österreich etwas. Im Mai 2020 war Kulturstaatssekretärin Ulrike Lunacek (Grüne) wenige Tage nach einem wütenden "ZiB 2"-Auftritt von Lukas Resetarits Geschichte. Vor kurzem hatten Kommentare von Michael Niavarani und Robert Palfrader dazu beigetragen, die Idee eines als Ticketzuschlag vom Publikum selbst zu finanzierenden Wiener "Kultureuro" zu Grabe zu tragen. "Wobei mein Beitrag da nicht einmal als Zünglein an der Waage bezeichnet werden kann, ich war ja nicht einmal im selben Zimmer wie die Waage", so Palfrader dazu. Und schließlich schlug der Fall von Günther "Gunkl" Paal, der wegen Kindesmissbrauchsdelikten Selbstanzeige erstattete, auch deshalb so ein, weil er in seinen Programmen als "Experte für eh alles" sich als liebenswerter, aber verschwurbelter Welterklärer viele Fans gemacht hatte. "In dieser fassungslos machenden Causa ist nun das Gericht am Wort", sagt Palfrader.
Ob nun Kabarettisten als selbst ernannte Deuter unserer Zeit eine besondere Verantwortung haben oder nicht - bei den "Kabarettisten For Future" darf man seit Beginn auf Palfraders Engagement in Klimafragen zählen. "Der Grund dafür ist simpel: Ich habe zwei von mir abgöttisch geliebte Kinder. Mein Sohn ist 26, meine Tochter wird demnächst 19. Und ich habe die Hoffnung, irgendwann einmal Großvater werden zu dürfen. Ich möchte als erster Palfrader seit sechs Generationen meine Enkelkinder kennenlernen. Deswegen ist nicht nur mein Kardiologe mein Hohepriester, sondern ich hoffe auch darauf, dass die Enkerl dann einen halbwegs lebenswerten Planeten vorfinden. Dafür muss aber ein Umdenken passieren - sonst wird diese Menschheit nicht mehr sehr lange auf diesem Planeten sein können." Es wirkt, als hätte Robert Palfrader tatsächlich schon sein Testament gemacht. Die Frage ist bloß, ob sich genügend finden werden, seinen letzten Willen auch zu vollstrecken.
(Das Gespräch führte Wolfgang Huber-Lang/APA)
(S E R V I C E - Robert Palfrader: "Testament", Österreich-Premiere am 8. Oktober, 19.30 Uhr, im Stadtsaal, Wien 6, Mariahilfer Straße 81, https://stadtsaal.com/kuenstler/robert-palfrader ; Weitere Termine u.a. in der Bühne im Hof, St. Pölten, im Kulturzentrum Eisenstadt und im Orpheum Wien)
Robert Palfrader am Freitag, 11. September 2026, im Rahmen eines Interviews anl. seines ersten Kabarett-Soloprogramms in Wien.
