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Paul McCartneys Spätwerk zwischen Nostalgie und Rock

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Paul McCartney blickt auf seine Jugend zurück
©Getty Images North America, APA, JOHN LAMPARSKI
Als Paul McCartney kürzlich vor einer kleinen Gruppe von Fans und Medienvertretern in den Abbey Road Studios sein neues Album "The Boys Of Dungeon Lane" vorstellte, war ihm die Freude deutlich anzumerken. Gut gelaunt erzählte der 83-Jährige zu allen 14 Songs Anekdoten und wippte zur Musik mit. Diese Leidenschaft zieht sich durch das gesamte Album, das am Freitag erscheint.

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Auf "The Boys of Dungeon Lane" blickt der Ex-Beatle auf die frühen Jahre seines bewegten Lebens zurück. Der Titel verweist auf eine Straße in dem Liverpooler Viertel, in dem er aufwuchs. Die erste Single, die wehmütige Akustikballade "Days We Left Behind", ließ eine sentimentale Rückschau erwarten. Tatsächlich wird auf dem vielseitigen Spätwerk auch gerockt.

Der Eröffnungstrack "As You Lie There" beginnt mit sanften Gitarrenklängen, während McCartney spricht, dann setzt plötzlich eine druckvolle E-Gitarre ein und der Song wird zur kernigen Rocknummer. Es geht um ein Mädchen aus der Nachbarschaft, für das der junge Paul einst schwärmte. Ein Grundstein des Liedes entstand bei einer Tasse Tee mit Erfolgsproduzent Andrew Watt. "Plötzlich hatten wir diese Drei-Akkord-Folge", erzählte Macca, wie er in England oft genannt wird, beim Event in Abbey Road. "Andrew meinte nur: Das sollten wir aufnehmen." Schließlich wurde daraus ein ganzes Album.

Der 35-jährige Watt arbeitete unter anderem mit den Rolling Stones, David Gilmour, Miley Cyrus und Justin Bieber. Bei "Ripples On A Pond", einem der eingängigsten Songs auf dem Album, zeigt sich Watts Popgespür besonders deutlich. "Es ist im Prinzip nur ein Liebeslied", sagte McCartney. "Ich habe zu Andrew gesagt: Du sollst doch eigentlich Pop-Produzent sein – und wir machen hier lauter Stücke, die für mich gar nicht so klingen. Also komm, machen wir aus dem Stück einen echten Popsong!"

Die Inspiration zum launigen, psychedelischen Rocker "Mountain Top" sei ihm beim Besuch des Glastonbury-Festivals mit seiner Frau gekommen. "Wir fahren jedes Jahr zum Glastonbury, und ich stellte mir ein junges Mädchen vor, das mit Magic Mushrooms zugedröhnt über das Festival taumelt. Auf was für Ideen man beim Songschreiben kommt! Dieser Song hat uns jedenfalls großen Spaß gemacht." Man hört es. Das furiose Rockfinale ist grandios.

"Down South" ist eine sympathische Akustiknummer über frühe Tramping-Touren mit George Harrison. "It was a good way to get to know you" ("Es war eine gute Art, dich kennenzulernen"), singt der Ex-Beatle, dessen Stimme zwar etwas rauer geworden ist, aber nichts von ihrer sanften Wärme verloren hat und immer wieder auch beachtlich kraftvoll klingt für einen 83-Jährigen.

Wie schon auf früheren Alben spielt Sir Paul die meisten Instrumente selbst. "In diesem Fall war es Andrew, der darauf gedrängt hat. Wobei drängen eigentlich das falsche Wort ist. Er hat eher vorgeschlagen, dass ich zum Beispiel das Schlagzeug spiele", sagte McCartney. "Ich mache einfach Dinge, die man von einem normalen Schlagzeuger nicht erwarten würde. Genau das hat dem Album eine besondere Farbe verliehen."

Bei "Home To Us" spielte hingegen sein alter Bandkollege Ringo Starr das Schlagzeug. Daraus wurde schließlich das erste echte Gesangsduett der beiden Ex-Beatles. "Das haben wir nie zuvor gemacht", sagte McCartney fast ungläubig. Den weiblichen Background-Gesang steuerten Pretenders-Frontfrau Chrissie Hynde und Texas-Sängerin Sharleen Spiteri bei.

Weitere Highlights auf dem Album sind das Liebeslied "Life Can Be Hard" mit Streichern und leichtem "Penny Lane"-Feeling oder die Piano-Ballade "Momma Gets By" mit Soundtrack-Flair. "Im Grunde geht es um eine Frau, bei der man merkt, dass sie die treibende Kraft in der Familie ist. Der Mann ist eher ein Versager, aber sie liebt ihn trotzdem."

Das sentimentale "Salesman Saint" hat Paul McCartney, der während des Zweiten Weltkriegs geboren wurde, seinen Eltern gewidmet. "Es ist heute schon schwer genug, ein Baby großzuziehen. Aber stell dir vor, du müsstest ständig damit rechnen, dass Bomben fallen könnten." Der musikalische Clou: In das Lied flossen Swing-Sounds der 40er-Jahre ein - "Musik, die sie damals vermutlich gehört haben".

Paul McCartney räumte ein, dass er anfangs skeptisch war, was die Zusammenarbeit mit Andrew Watt betrifft. "Ich habe mich tatsächlich gefragt: "Wird er mir irgendwann auf die Nerven gehen?" Doch je mehr wir zusammen gemacht haben, desto mehr merkte ich: Der ist nicht aufdringlich, der ist einfach voller Begeisterung. Er will einfach unbedingt eine gute Platte machen."

Andrew Watt zeigt erneut sein magisches Händchen für die Arbeit mit Rocklegenden. Paul McCartneys erstes Soloalbum seit sechs Jahren stellt die Vorgänger "New" (2013), "Egypt Station" (2018) und "McCartney III" (2020) klar in den Schatten - ein bemerkenswertes Spätwerk.

(Von Philip Dethlefs/dpa)

(S E R V I C E - www.paulmccartney.com )

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