Die Messstellen des Landes Burgenland zeigen einen sehr niedrigen Wasserstand am Neusiedler See. Wie tief der Pegel gerade liegt, wie er sich mit dem Trockenjahr 2022 vergleicht und warum Regen jetzt entscheidend ist.
Der Neusiedler See führt zu Beginn des Winterhalbjahres sehr wenig Wasser. Am Donnerstagmorgen, 5. November, lag der mittlere Wasserstand bei 114,89 Metern über der Adria, wie die Messwerte im Wasserportal des Landes Burgenland zeigen. Das sind 34 Zentimeter weniger als am 20. März 2022, als Fachleute des Landes ihre Analyse mit „Ebbe am Neusiedler See“ überschrieben.
Damals lag der Mittelwert bei 115,23 Metern. Laut der Analyse des Amtes der Burgenländischen Landesregierung vom März 2022 war das 35 Zentimeter unter dem mittleren Niveau und 60 Zentimeter unter den Höchstständen von 1996, für dieses Datum lag der Wert unter der gesamten seit 1965 gemessenen Bandbreite. Der direkte Vergleich hat allerdings einen Haken: Im Frühjahr ist der See normalerweise deutlich voller als im Herbst.
Was zeigen die sieben Messstellen am See?
Das Land betreibt rund um den See sieben Pegelstationen, aus denen der mittlere Wasserstand als einfacher Durchschnitt berechnet wird. Am 5. November um 8.45 Uhr zeigte Rust mit 114,92 Metern den höchsten Wert, gefolgt von Illmitz mit 114,91 und Mörbisch mit 114,90 Metern. In Apetlon, Breitenbrunn und Podersdorf lag der Pegel bei 114,88 Metern, in Neusiedl am See bei 114,86 Metern.
Die kleinen Unterschiede haben vor allem mit dem Wind zu tun. Bei Nordwestwind wird das Wasser in das südliche Becken gedrückt, im Norden sinkt der Pegel dann, im Süden steigt er. Bei Südostwind ist es umgekehrt. Damit solche Effekte den Mittelwert nicht verzerren, begrenzt der Hydrographische Dienst die tägliche Veränderung in der Auswertung auf einen Anstieg von 50 und einen Rückgang von 10 Millimetern. Gegenüber Mitte Oktober, als der Mittelwert bei 114,90 Metern lag, hat sich der Stand kaum verändert.
Warum hängt der Neusiedler See so stark vom Regen ab?
Die Wasserbilanz des Steppensees wird laut Land Burgenland hauptsächlich von Niederschlag und Verdunstung bestimmt. Den höchsten Stand erreicht der See üblicherweise Ende April, den tiefsten Ende September. Danach entscheidet vor allem der Niederschlag im Winterhalbjahr, wie viel Wasser bis zum nächsten Frühjahr zurückkommt. Wie stark Trockenheit wirkt, zeigte die Analyse von 2022: Im Einzugsgebiet fielen 2021 nur 76 Prozent der langjährigen Niederschlagsmenge, im Herbst 2021 sogar nur 49 Prozent.
Der einzige Abfluss ist der zu Beginn des 20. Jahrhunderts künstlich angelegte Hansagkanal, geregelt über das Seerandwehr bei Mexikopußta. Die Regeln für den Betrieb der Wehranlagen legt die Österreichisch-Ungarische Gewässerkommission fest.
Wo können Interessierte den Wasserstand verfolgen?
Die aktuellen Messwerte aller Stationen veröffentlicht das Land laufend auf der Übersicht der Seepegel im Wasserportal Burgenland. Die Werte werden einheitlich in Metern über der Adria angegeben, der Pegelnullpunkt des Mittelwerts liegt bei 114,00 Metern. Die Datenreihe reicht bis 1965 zurück.
Für Seglerinnen und Segler, Bootsbesitzerinnen und Bootsbesitzer sowie Betriebe rund um den See sind die Zahlen mehr als eine Statistik. Wie gut sich der See bis zur nächsten Saison erholt, hängt nun von einem nassen Winter und Frühjahr ab.
Quellen
Wasserportal Burgenland: Mittlerer Wasserstand Neusiedler See (05.11.2026)
Wasserportal Burgenland: Die Seen (05.11.2026)
Wasserportal Burgenland: Der Neusiedler See (2026)
Amt der Burgenländischen Landesregierung: Ebbe am Neusiedler See, wann kommt das Wasser zurück? (März 2022)
