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Der Anhänger der radikalislamischen Terror-Miliz "Islamischer Staat" (IS) wurde am 28. Mai 2026 von einem Schöffensenat am Wiener Landesgericht wegen terroristischer Vereinigung, krimineller Vereinigung und illegalen Waffenbesitzes zu zwei Jahren Haft, davon acht Monate unbedingt verurteilt. Da ihm die U-Haft auf den unbedingten Strafteil angerechnet wurde, kam er nach der Verhandlung auf freien Fuß. Ihm wurde jedoch die Weisung erteilt, sich weiterhin dem Deradikalisierungsprogramm beim Verein Derad zu unterziehen, wo er seit November 2025 betreut wurde.
Derad hatte in diesem Zusammenhang zuletzt erklärt, man habe ausdrücklich vor Ausreiseplänen des 20-Jährigen gewarnt, den man als nicht deradikalisiert und gefährlich angesehen habe. Dem Landesgericht liege kein dahin gehender Bericht vor, sagte dazu Gerichtssprecher Christoph Zonsics-Kral. Vielmehr habe Derad am 22. Juli mitgeteilt, "dass alle Weisungen eingehalten werden", meinte Zonsics-Kral Mittwochmittag im Gespräch mit der APA. Derad habe auch drei konkrete Termine ausgewiesen, die der mutmaßliche Islamist nach seiner Verurteilung eingehalten habe. Der zuständige Richter sei somit davon ausgegangen, dass sich der 20-Jährige an die ihm erteilten Auflagen hält.
Zum Zeitpunkt des mit 22. Juli datierten Derad-Schreibens hielt sich der 20-Jährige allerdings schon seit mehreren Wochen illegal in der Türkei auf, wo er sich offenkundig mit Anschlagsplänen auseinandergesetzt haben dürfte. Ausgereist war er jedenfalls nicht mit seinem österreichischen Pass. Dieser befindet sich nach wie vor in der Depositenstelle des Wiener Landesgerichts. Von der Ausreise des 20-Jährigen erfuhr das Landesgericht übrigens vom Bewährungshilfeverein Neustart. Nachdem der Mann nicht zu einem Termin erschienen war, wurde die Justiz von Neustart über dessen geänderte Lebensumstände verständigt.
Auf die Radikalisierung des jungen Islamisten war die Direktion Staatsschutz und Nachrichtendienst (DSN) aufmerksam geworden, weil dessen Eltern Alarm geschlagen hatten. Bei seiner Verurteilung Ende Mai soll es laut "Kronen Zeitung" zu einer bedenklichen Szene gekommen sein. Ein Derad-Mitglied habe den 20-Jährigen mit dem sogenannten Tauhid-Finger - eine Geste, die unter Islamisten als Erkennungszeichen dient - gegrüßt, berichtete die "Krone". Eine zuverlässige Quelle bestätigte den Vorfall Mittwochmittag der APA, die bei der Verhandlung nicht anwesend war - am selben Tag ging in Wiener Neustadt der Terror-Prozess um das verhinderte Attentat auf ein Taylor Swift-Konzert in Wien zu Ende.
Die Bundesregierung hat Ende August die Zusammenarbeit mit Derad beendet, weil "mehrere im Verein relevante Akteure" Bezüge zur Ideologie der Muslimbruderschaft aufweisen sollen. Derad bestreitet das entschieden.
