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Für Länder, die um qualifizierte Arbeitskräfte konkurrieren und mit einer alternden Bevölkerung zu kämpfen haben, werde es immer wichtiger zu verstehen, Personen welchen Alters und mit welcher Bildung ein- bzw. auswandern, heißt es in einer Aussendung des IIASA. Doch Daten zu internationalen Migrationsströmen nach Alter, Geschlecht und Bildung seien rar, schreiben Dilek Yildiz und Guy Abel vom IIASA und dem Wittgenstein-Zentrum für Demografie und Globales Humankapital in ihrer Arbeit.
Die beiden haben in ihrer Studie die Alters- und Bildungszusammensetzung von männlichen und weiblichen Einwanderern für 199 Länder über sechs Fünfjahreszeiträume von 1990 bis 2020 abgeschätzt. Sie nutzten dazu Stichproben aus Volkszählungen aus 74 Ländern und einem als "Super Learning" bezeichneten maschinellen Lernansatz.
"Zu wissen, wie viele Menschen migrieren, erzählt uns nur einen Teil der Geschichte. Alter und Bildungsstand spielen eine enorme Rolle für das Verständnis, wie Migration die Bevölkerungsstruktur und die Verteilung von Qualifikationen zwischen den Ländern verändert. Der Datensatz vermittelt uns ein viel klareres Bild davon, wer zu uns kommt und wie sich dies im Laufe der Zeit verändert hat", so Yildiz in der Aussendung.
Die Ergebnisse zeigen, dass der Anteil von Personen mit Hochschulbildung in den Einwanderungsströmen in allen Regionen der Welt gestiegen ist. Europa weist dabei den höchsten Anteil an Einwanderern mit Sekundar- oder Hochschulbildung auf. Die Forscher stellten außerdem fest, dass Männer und Frauen, die in dasselbe Land einwandern, in Bezug auf Alter und Bildung tendenziell ähnlich sind.
Im letzten Beobachtungszeitraum (2015-2020) weisen Australien und Deutschland einen hohen Anteil an Zuwanderern mit Hochschulabschluss auf, während in Bangladesch und Nigeria ein hoher Anteil an Zuwanderern mit niedrigerem Bildungsniveau zu verzeichnen ist, nennen die Forschenden Beispiele. Einige Länder wie Südafrika würden einen höheren Anteil junger Zuwanderer im erwerbsfähigen Alter aufweisen als andere ausgewählte Länder. Über den gesamten Beobachtungszeitraum (1990-2020) hatten Australien, Deutschland und die USA einen höheren und steigenden Anteil an Personen mit Hochschulbildung, während China und Fidschi den größten Anstieg im Bereich der Sekundarbildung verzeichnen.
Yildiz lieferte auf Anfrage der APA die Zahlen für die Zusammensetzung der Zuwanderungsströme nach Bildungsniveau für Österreich. Dabei betont sie, dass ein Anstieg des Anteils von Zuwanderern mit Hochschulabschluss nicht zwangsläufig die Einreise von mehr Menschen dieses Bildungsniveaus bedeute, sondern vielmehr eine Verschiebung in der allgemeinen Zusammensetzung der Zuwanderer widerspiegle.
So stieg der Anteil von Einwanderinnen mit Hochschulabschluss nach Österreich im Beobachtungszeitraum deutlich von zwölf auf 20 Prozent, bei den Männern stieg dieser Anteil von 17 auf 19 Prozent. Der Anteil von Einwanderern mit Sekundarschulabschluss ging sowohl bei den Männern (von 53 auf 51 Prozent) als auch bei den Frauen (von 54 auf 48 Prozent) zurück. Eine leichte Zunahme gab es bei jenen mit nur Volksschulabschluss (auf 16 Prozent bei den Frauen und auf 15 Prozent bei den Männern im Zeitraum 2015-2020). Verschwindend gering ist der Anteil der Einwanderer ohne Bildungsabschluss (ein Prozent bei Frauen, weniger als ein Prozent bei Männern im Zeitraum 2015-2020). Rückläufig ist auch der Anteil der Unter-15-Jährigen unter den Einwanderern, sie stellten 2015-2020 rund 14 Prozent der Einwanderer nach Österreich (1990-1995: 18 Prozent) bzw. 15 Prozent der Einwanderinnen (1990-1995: 20 Prozent).
Die Forscherin und der Forscher betonen, dass der Datensatz die Zusammensetzung der Migrationsströme erfasst und nicht den Bestand an Migranten, der eine Momentaufnahme davon liefert, wer zu einem bestimmten Zeitpunkt in einem Land lebt. Dies ermögliche es, den "Brain Gain" und den "Brain Drain" - also die Zu- bzw. Abwanderung qualifizierter Arbeitskräfte - genauer zu untersuchen, etwa ob diese zunimmt und welche Altersgruppen diese Veränderungen vorantreiben.
Solch detailliertere Informationen über Migrationsströme könnten zudem Bevölkerungsprognosen verbessern, die Entscheidungen über den künftigen Bedarf in den Bereichen Bildung, Gesundheitswesen, Arbeitsmarkt und anderen öffentlichen Dienstleistungen beeinflussen. "Zu verstehen, wie Migration das Alters- und Qualifikationsprofil der Bevölkerung verändert, ist für die vorausschauende Planung unerlässlich", so Abel.
(SERVICE - Link zum Paper: https://doi.org/10.1038/s41597-026-07969-8 )
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