Dem Luftabwehrsystem fehlt die Munition. Doch die Bestände der Verbündeten sind klamm – auch wegen des Kriegs gegen den Iran.
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Die Heftigkeit der russischen Angriffe auf die Ukraine hat in den vergangenen Monaten extrem zugenommen, alleine im Juli starben nach UN-Angaben 437 Zivilisten – zuletzt waren es im Mai 2022 so viele. Dabei setzt der Aggressor nicht mehr nur auf Drohnen, sondern vermehrt auch auf ballistische Raketen.
Während die meisten Drohnen von der ukrainischen Armee aus der Luft geholt werden können, schlagen die russischen Raketen inzwischen meist ungehindert in Kiew ein, denn das einzig wirksame Mittel sind die Abfangflugkörper PAC-3 des amerikanischen Flugabwehrsystems Patriot. Doch genau die fehlen der Ukraine. Verbündete wie etwa Deutschland versuchen nun eifrig, Nachschub zu organisieren, damit die Ukraine für den bevorstehenden Winter gewappnet ist.
Wie viele Abwehrraketen braucht die Ukraine?
Um den Winter zu überstehen, brauche man 300 Lenkflugkörper, sagt der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj. Die Luftstreitkräfte der Ukraine sehen hingegen sogar einen Bedarf von 360. Selenskyj würde gerne fünf Prozent der gesamten Bestände der USA kaufen. „Wenn sie uns fünf Prozent verkaufen, werden wir den Winter überstehen und Menschenleben retten. Wenn sie uns zehn Prozent verkaufen, werden wir alle ballistischen Raketen Russlands zerstören“, sagte der Staatschef Mitte August in einem Interview mit dem US-Sender CNN.
Woher kommt die Knappheit?
In den vier Kriegsjahren seit 2022 hat die Ukraine circa 600 PAC-3-Raketen erhalten, schreibt die NGO ACAPS in einer Analyse. Die USA haben im Krieg gegen den Iran rund 1.300 der Abfangflugkörper verschossen – in den ersten 16 Tagen. Seit Kriegsbeginn im Februar sank der Vorrat der US-Armee von 2.330 auf 759 im Juli. Produziert werden aber nur rund 600 PAC-3 pro Jahr. Hinzu kommt, dass Russland die Angriffe mit ballistischen Raketen auf die Ukraine von einem Anteil von nur rund 15 Prozent aller Raketenangriffe im Jahr 2024 auf 47 Prozent im Jahr 2025 massiv erhöht hat. Möglich wurde das, weil Russland die Produktion dieser Waffen hochgefahren hatte. So wurden die Bestände der Ukraine mehr oder weniger komplett aufgebraucht.
Wie lange dauert die Produktion und wie viel kostet sie?
Die Herstellung von PAC-3-Raketen ist keine Frage von Monaten. Der Bau jeder einzelnen benötigt circa drei Jahre. Bei der Lieferung können zusätzlich Verzögerungen entstehen. Die Produktion liegt praktisch exklusiv beim amerikanischen Rüstungskonzern Lockheed Martin. Mit einer Lizenz wird eine geringe Zahl auch in Japan produziert. Anfang des Jahres gab das US-Unternehmen einen Deal mit der US-Regierung bekannt. In den kommenden sieben Jahren soll die jährlich produzierte Stückzahl demnach auf 2.000 steigen. Kostenpunkt: 58,6 Milliarden US-Dollar. Ein einzelner Flugkörper des bodengestützten Verteidigungssystems kostet im Mittel vier Millionen Euro. Das System ist aufgrund seiner Präzision weltweit gefragt.
Ist Hilfe in Aussicht?
Bei einem Besuch in Kiew im August sagte der deutsche Außenminister Johann Wadephul, Verteidigungsminister Boris Pistorius werde „gemeinsam mit seinen Fachleuten in die Bestände gucken und schauen, ob noch etwas möglich ist“. Die Vorräte der Bundeswehr sind allerdings wohl eher mager, daher will der Christdemokrat vor allem bei weiteren Verbündeten in Europa nachfragen. In Deutschland werden nur die älteren und weniger wirkungsvollen PAC-2-Raketen produziert. Immerhin 600 Stück davon soll die Ukraine zwischen 2027 und 2028 erhalten. Ende August sagte Selenskyj bei einer Pressekonferenz die Ukraine habe „ein paar weitere“ Patriot-Raketen erhalten, wie viele genau und von wem ließ er aber offen. „Wir brauchen mehr“, hielt er fest.
Dieser Beitrag ist ursprünglich in der News-Printausgabe Nr. 36/2026 erschienen.
