Von Markus Lanz und Sandra Maischberger bis zu Maybrit Illner und Caren Miosga ist Polit-Talk in Deutschland eine Domäne des öffentlich-rechtlichen Fernsehens. In Österreich hingegen drängen zusehends die Privatsender in dieses Metier für den Wettbewerb mit dem ORF.
Michael Fleischhacker ist auch Kolumnist von News. Hier über ihn zu schreiben, darf trotzdem nicht als unvereinbar gelten. Denn das wäre ein Verzicht auf Vergleiche des politischen TV-Talks. Dieses Genre ist aber zu wichtig, um es in einer Medienkolumne auszulassen. Fleischhacker hat es in der Nacht vom 18. auf den 19. Dezember in Urlaub geschickt und am 8. Jänner seine Winterpause beendet.
Die Jahresbilanz des „Talks im Hangar-7“ ist wie „Links. Rechts. Mitte“, das er abwechselnd mit Katrin Prähauser moderiert, positiv. 4,8 Prozent Marktanteil sind der beste Wert seit 2022. Dass der Zuschauerschnitt auf 65.000 gefallen ist, liegt auch daran, dass sechs Ausgaben wegen Sportübertragungen erst kurz vor Mitternacht begonnen haben. Die Sonntagsrunde kam unterdessen auf fast 100.000 Seher und erzielte mit 5,6 Prozent ihren bisher besten Marktanteil. Diese ServusTV-Angebote sind noch vor den privaten Konkurrenzformaten der Sendergruppe um Puls 4 und ATV die ersten Herausforderer der ORF-Diskussionen.
Parallelslalom am Sonntag
„Das Gespräch mit Susanne Schnabl“ ist nach seinem hervorragenden Start rund um die Regierungsbildung auf das Niveau der letzten Ausgaben von „Im Zentrum mit Claudia Reiterer“ gesunken. Im Jahresschnitt liegt es mit 19,3 Prozent Marktanteil und 330.000 Sehern nur knapp darüber. Das ist für die Ex-„Report“-Moderatorin eine Enttäuschung, auch wenn sie lieber qualitativ als quantitativ gemessen wird – wofür es gute öffentlich-rechtliche Gründe gibt. Dass ihr Talk klar unter dem Sender-Jahresschnitt von ORF 2 (21 %) und jener von Fleischhacker und Prähauser deutlich über der ServusTV-Quote (4,8 %) liegt, sollte aber am Konzept feilen lassen. Zumal der gerne ins Treffen geführte Relevanz- und Niveau-Unterschied immer schwerer nachvollziehbar wird.
„Presse“-Redakteurin Anna-Maria Wallner schrieb über das letzte Duell vor Weihnachten auf Bluesky: „Gleiches Thema, je ein Schweizer Pro-Trump-Diskutant, je ein FPÖ-Vertreter (oder FPÖ-nah) und mit Robert Treichler im ORF und Siobhan Geets bei Servus jeweils jemand aus der ,Profil‘-Apo“ (Außenpolitik). Nur Brandstätter und Heinisch kann man nicht vergleichen.“ Der Politiker war übrigens im ORF, der Politikwissenschafter bei der Konkurrenz. Auch das sagt etwas über Anspruch und Wirklichkeit. So wie die weit überproportionale Präsenz von Profil im ORF ein Ausweis für Beziehungspflege ist.
Quotenabsturz am Dienstag
Dass die internen Verhältnisse auf dem Küniglberg schwer durchschaubar sind, zeigt die neue TV-Diskussion „ZIB Talk“. Nach verunglücktem April-Start – zwei Ausgaben, dann drei Wochen Pause – kündigte im Winter der Moderator am Ende der „ZIB2“ bloß noch sich und das Thema an und dann – wie zuletzt in „Das Gespräch“ – nur die Hälfte der Gäste.
Im Gegenzug verloren Simone Stribl, Alexandra Maritza Wachter, Tarek Leitner und Stefan Lenglinger aber weit mehr als die Hälfte der Zuschauer des spätabendlichen Info-Flaggschiffs. Im Schnitt 200.000 Zuschauer und 14 Prozent Marktanteil entsprechen wohl kaum den Erwartungen. Auf dem Polit-Talk des ORF lastet also mehr Druck denn je. Seit 11. Jänner stehen seine Protagonisten und auch alle Konkurrenten wieder im Ring.
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Dieser Beitrag ist ursprünglich in der News-Printausgabe Nr. 01+02/2026 erschienen.






