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Er bekräftigte Moskaus Gesprächsangebot an den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj. "Wenn er sich treffen möchte - soll er doch kommen", erneuerte er die Einladung an Selenskyj, zu Verhandlungen nach Moskau zu kommen. "Das ist bereits eine enorme Geste des guten Willens unsererseits." Selenskyj hat dieses Angebot, das ihm Kremlchef Wladimir Putin schon vor Monaten unterbreitet hatte, bereits kategorisch abgelehnt.
Russland schloss unterdessen aber ein Treffen von Putin mit Selenskyj beim diesjährigen G20-Gipfel in den USA aus. "Das ist unmöglich", sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow am Samstag der Nachrichtenagentur AFP in Neu Delhi. Er bekräftigte Moskaus Position, dass eine solche Begegnung nur in der russischen Hauptstadt stattfinden könne: "Es gibt eine Bereitschaft, ihn (Selenskyj) in Moskau zu treffen." Selenskyj hatte sich zuvor in einem Interview mit der Deutschen Welle zu einem Treffen mit Putin in Miami bereit erklärt. Die USA haben in diesem Jahr den Vorsitz der G20-Gruppe inne. Im Dezember findet in Miami im Bundesstaat Florida der Gipfel der G20-Staats- und -Regierungschefs statt.
Die USA bemühen sich aktuell darum, die Verhandlungen zwischen Moskau und Kiew wieder in Gang zu bekommen. Unter anderem wird über einen Dreiergipfel von Putin und Selenskyj mit US-Präsident Donald Trump spekuliert. Der US-Sondergesandte Jared Kushner hofft nach seinen Besuchen in Moskau und Kiew auf Bewegung in den festgefahrenen Bemühungen um eine Beendigung des Ukraine-Kriegs in den kommenden Wochen. "Ich hoffe wirklich, dass wir in einigen Wochen bekannt geben können, wie die nächsten Schritte aussehen", sagte Kushner in einer Videobotschaft während einer internationalen Strategiekonferenz in Kiew.
Der Schwiegersohn von US-Präsident Donald Trump fügte hinzu, Kreml-Chef Wladimir Putin sei entschlossen, "einen Weg nach vorn zu finden" - die Aussage löste Gelächter im Konferenzsaal aus. Kushner war am Freitag per Video zugeschaltet, seine Äußerungen wurden nach Ablauf einer Sperrfrist am Samstag veröffentlicht. Kushner und der US-Gesandte Steve Witkoff waren vor einer Woche nach Russland und erstmals auch in die Ukraine gereist, um beiden Seiten neue Vorschläge für eine Beendigung des Konflikts vorzulegen. "Das sind furchtbar komplexe Probleme. Aber ich denke, wir arbeiten weiter daran. Ich halte den Dialog mit beiden Seiten für sehr konstruktiv und sehr positiv", sagte Kushner.
Witkoff hatte nach den Gesprächen in Moskau und Kiew die Möglichkeit neuer trilateraler Friedensgespräche in Aussicht gestellt. Einen erneuten Besuch in der Ukraine schloss Kushner nicht aus. Er werden nach Kiew reisen, "wenn wir etwas zu besprechen haben, wenn es notwendig ist", sagte er.
Die USA versuchen seit Trumps Wiedereinzug ins Weiße Haus, ein Ende des seit mehr als viereinhalb Jahren andauernden Ukraine-Kriegs zu erreichen. Bisherige Gesprächsrunden unter Beteiligung von Unterhändlern der USA, Russlands und der Ukraine brachten jedoch keinen Durchbruch. Bei mehreren Verhandlungsrunden im vergangenen Jahr wurden lediglich Vereinbarungen zum Austausch von Kriegsgefangenen erzielt.
In der Nacht auf Samstag waren bei russischen Angriffen in der Ukraine mehrere Menschen getötet worden. Präsident Selenskyj warf Russland vor, seitdem praktisch ununterbrochen Städte und Gemeinden im Nachbarland anzugreifen. In Odessa seien 37 Menschen verletzt und ein Wohngebäude beschädigt worden, schrieb er in sozialen Medien. Zwei Personen werden noch gesucht. Zwei Tote beklagte Selenskyj in der Region Saporischschja. Sechs Menschen wurden ihm zufolge verletzt.
In seiner Geburtsstadt Krywyj Rih habe eine Rakete kritische Infrastruktur getroffen. Selenskyj schrieb von einem Todesopfer und drei Verletzten. Zuvor hatte der Gouverneur des südostukrainischen Gebiets Dnipropetrowsk, Olexander Hanscha, von zwei Toten und vier Verletzten bei einem Angriff auf einen Betrieb berichtet. In Tschornomorsk in der Region Odessa seien laut dem ukrainischen Präsidenten elf Menschen bei einem Drohnenangriff in einem Hotel verletzt worden. Weitere Verletzte habe es bei einem Angriff auf ein nicht näher genanntes Unternehmen in Saporischschja gegeben.
Selenskyj beklagte, dass die Reaktionen der Mächtigsten der Welt nicht zum Ausmaß der Eskalation Russlands passten. Eine angemessene Reaktion, die wirklich die Chance habe, das Töten zu stoppen und Menschen zu schützen, sei immer eine gemeinsame. Russland warf er vor, normale Menschen offenkundig zu Zielen zu machen.
Das Verteidigungsministerium in Moskau bestätigte Angriffe. Attackiert worden seien in Saporischschja und Krywyj Rih Unternehmen der Metallindustrie, die Produkte für militärische Zwecke herstellten, hieß es. In der Region Odessa seien Objekte der Hafeninfrastruktur und ein wichtiges Objekt der Verkehrsinfrastruktur für die Entladung und Lagerung militärischer Güter angegriffen worden. Die Angaben lassen sich nicht unabhängig prüfen.
Unterdessen griff auch die Ukraine nach russischen Angaben mehrere Regionen Russlands an. Wie Selenskyj auf Facebook mitteilte, seien zwei Chemie-Fabriken in den Regionen Perm im Vorland des Ural und Samara im Südosten Russlands mit weitreichenden Drohnen attackiert worden. Zudem sei in Taganrog an der Küste des Asowschen Meeres eine Fabrik zur Herstellung von Drohnen getroffen worden. Die Angaben konnten nicht unabhängig geprüft werden.
Zuvor hatte der Generalstab in Kiew bereits von dem Angriff im Gebiet Samara berichtet. Demnach war auf dem Gelände des Betriebs in Toljatti ein Brand festgestellt worden. Das Unternehmen sei unter anderem spezialisiert auf die Herstellung synthetischer Kautschuke, was wichtig für die Nutzung von taktischen und ballistischen Raketen sei, hieß es zur Begründung. Der russische Gebietsgouverneur Wjatscheslaw Fedorischtschew schrieb am frühen Morgen bei Telegram lediglich von einem großen ukrainischen Drohnenangriff.
Der Bürgermeister der Stadt Toljatti, Ilja Suchich, teilte mit, dass ein Mensch infolge eines massiven Angriffs auf die Stadt ins Krankenhaus gebracht worden sei. Einige mehrstöckige Wohnhäuser seien beschädigt worden. In sozialen Medien kursierten nicht überprüfbare Fotos und Videos, die eine große Rauchwolke in Toljatti zeigen sollen.
Die Ukraine verteidigt sich mit westlicher Hilfe seit mehr als viereinhalb Jahren gegen eine großangelegte russische Invasion. Als Teil ihres Abwehrkampfes nimmt sie immer wieder auch Ziele im russischen Hinterland ins Visier.
