Nach Andreas Bablers Rückzug als SPÖ-Chef sollen Philip Kucher und Eva-Maria Holzleitner den Übergang an der Parteispitze organisieren. Markus Marterbauer ist als neuer Vizekanzler vorgesehen. Wer die drei sind, wofür sie stehen und welche Aufgaben auf sie warten.
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Ein Trio soll im kommenden halben Jahr die SPÖ prägen. Klubobmann Philip Kucher und Frauenvorsitzende Eva-Maria Holzeitner sollen gemeinsam mit Amtsinhaber Andreas Babler den Wechsel an der Spitze der Sozialdemokratie moderieren, während Finanzminister Markus Marterbauer (SPÖ) nach seiner Genesung von einer Krebserkrankung das Vizekanzleramt übernehmen soll. Ob er später auch Parteichef wird, blieb am Sonntag offen.
Eva-Maria Holzleitner: Verbindend und freundlich
Noch am Samstag hat Eva-Maria Holzleitner unmissverständlich klar gemacht, dass sie die SPÖ auch nicht interimistisch übernehmen will. Die Wucht der Ereignisse hat sie nun zum Umdenken bewegt. Gemeinsam mit Klubchef Kucher soll sie den Übergang an der Spitze bis zu einem Parteitag im Frühling organisieren.
Eine Dauerlösung will sie nicht sein. Schon bisher hat sich die Frauenvorsitzende nicht unbedingt an die Spitze gedrängt. Wirklich attraktiver ist die Position durch die Ereignisse der vergangenen Wochen und die zersplitterte Führungsstruktur nicht geworden.
Als Wissenschaftsministerin hat Holzleitner im Clinch mit den Rektoren über das künftige Uni-Budget eigentlich gerade genug zu tun. Auch wichtige Frauen-Themen – etwa die Fußfessel für gewalttätige Männer – gilt es zu bewältigen.
An sich ist die 33-Jährige aus Wels eine Frühstarterin in der SPÖ. Bei ihrem Parlamentseinzug 2017 war sie die jüngste Abgeordnete ihrer Fraktion. Da leitete die studierte Sozialwissenschafterin auch eine der beiden großen Jugendorganisationen der Sozialdemokraten, die „Junge Generation“. Davor war sie bereits bei der Schülerorganisation AKS aktiv.
Holzleitner gilt als eher verbindend und im Umgang freundlich. Auch Loyalität und Kompetenz gehören zu ihren Eigenschaften, die selbst außerhalb ihrer Partei geschätzt werden.
Philip Kucher: Bedingungslos loyal
Philip Kucher hat sich ebenso wenig um seine neue Aufgabe gerissen wie Holzleitner. Der Klagenfurter leitet bisher recht souverän die eigene Fraktion im Nationalrat. Dazu trägt auch sein freundliches Gemüt bei. Menschlich ist der 45-Jährige in allen Parteien geschätzt.
Auch wenn Kucher ganz gerne einmal eine angriffige Rede hält, ist er definitiv mehr Konsenspolitiker. Wiewohl er Hans Peter Doskozil beim Vorsitzenden-Dreikampf der SPÖ unterstützte, nahm ihn Babler als Klubchef – wohl auch in der Hoffnung, damit das gegnerische Lager zu versöhnen.
Das gelang zwar nicht, doch erwies sich Kucher als bedingungslos loyal. Er war eine der wenigen wichtigeren Stimmen der Partei, die sich zuletzt noch hinter den Vorsitzenden stellte.
Philip Kucher
© Michael Indra, ImagoAls wichtiges Thema Kuchers, der als Kind Tierarzt werden wollte, gilt die Gesundheit. Während der Corona-Pandemie kämpfte er an der Seite der damaligen Parteivorsitzenden Pamela Rendi-Wagner für Schutzmaßnahmen. Später wurde auch die Sicherheitspolitik zu einem Spezialgebiet.
Auf der Uni versuchte er sich etwa an der Psychologie und der Betriebswirtschaftslehre, bevor er seinen Fokus ganz auf die Politik lenkte. Schon in jungen Jahren leitete er in Kärnten das Renner-Institut, davor war er bereits Vize-Chef der ÖH an der Universität in Klagenfurt. Sein Wechsel nach Wien erfolgte 2013. Seither hat er ein Mandat im Nationalrat.
Markus Marterbauer: Expertise und Gelassenheit
Markus Marterbauer war der Überraschungserfolg der SPÖ in der Regierung. Anfangs als ideologischer Linksausleger verschrien verschaffte sich der Ökonom und langjährige Arbeiterkammer-Experte schnell in Öffentlichkeit und Koalition Respekt. Dies hängt sowohl mit seiner fachlichen Expertise als auch mit seiner Gelassenheit zusammen.
Als Finanzminister wird ihm zugetraut, das Budget wieder in den von der EU erlaubten Rahmen zurückzuführen. Bisherige Daten lassen trotz Skepsis u.a. des Fiskalrats die Hoffnungen blühen, dass das Ziel „raus aus dem Defizitverfahren“ plangemäß erreicht werden könnte.
Marterbauer schaffte es, wiewohl er seine ideologisch links angesiedelten Positionen nie aufgab, trotzdem ein gutes Verhältnis zu den wirtschaftsorientierten Koalitionspartnern aufzubauen. Auch nicht selbstverständlich ist die harmonische Beziehung zu seiner von der ÖVP gestellten Staatssekretärin Barbara Eibinger-Miedl (ÖVP), galt deren Position in früheren Koalitionen doch als die einer Wachhündin für den Ressortchef.
Markus Marterbauer
© Michael Indra, ImagoDass Babler quasi darauf bestand, nur für Marterbauer zu weichen, hat seinen Grund. Der Ökonom, der auch schon für Wirtschaftsforschungsinstitut und Fiskalrat tätig war, gehörte zu seinen eifrigsten Unterstützen, als sich der Traiskirchener Bürgermeister auf dem Weg zum Parteivorsitz machte.
An Selbstbewusstsein mangelt es dem designierten Vizekanzler, der in Schweden geboren wurde und in Oberösterreich aufwuchs, nicht. Dennoch ist das Ja des 61-Jährigen zu seiner neue Rolle eine große Geste des überzeugten Sozialdemokraten, muss er sich doch seit dem Sommer einer Krebsbehandlung unterziehen. Sollte diese weiter gut verlaufen, könnte der verheiratete Vater von zwei Kindern wohl auch bald erster Kandidat für den SPÖ-Vorsitz sein.
