ABO

Die Grünen und ihre thematische Lücke

Subressort
Aktualisiert
Lesezeit
3 min
Artikelbild
©IMAGO / SEPA.Media

Durch Bundessprecherin Leonore Gewessler ist das Kernthema Klimaschutz glaubwürdig besetzt. Zu vielem Weiterem was relevant wäre, hat die Partei jedoch kaum Wahrnehmbares zu bieten.

Der Erfolg in Baden-Württemberg als schmerzhafter Vergleich

Im deutschen Baden-Württemberg mögen sich die Grünen bei einer Landtagswahl gerade knapp, aber doch auf Platz eins behautet haben und damit mit Hilfe der CDU wohl auch künftig den Ministerpräsidenten stellen. Ihre Kolleginnen und Kollegen in Österreich können sich jedoch nicht nur freuen darüber: Er erinnert sie daran, wie weit sie von Vergleichbarem entfernt sind.

Davon, stärkste Partei zu sein, genauso wie davon, groß Regierungsverantwortung zu tragen; und sei es nur als Juniorpartner: Auf Bundesebene und in den Ländern wird es in absehbarer Zeit kein Zurück zu Schwarz-Grün geben. In der ÖVP hat sich die Überzeugung durchgesetzt, dass man dadurch nur noch mehr Stimmen an die FPÖ verlieren würde. Also bleibt den Grünen einzig die Regierungsbeteiligung im Burgenland, an der Seite des dort allmächtigen Landeshauptmanns Hans Peter Doskozil (SPÖ).

Kein Aufschwung trotz Schwäche der SPÖ

Für Parteisprecherin Leonore Gewessler und Co. wäre das alles halb so schlimm, wenn es wenigstens mit dem Wählerzuspruch klappen würde. Das tut es jedoch nicht: Obwohl die SPÖ auf Bundesebene keine 18 Prozent mehr hält, liegen sie mit rund zehn Prozent nicht weit über ihrem schwachen Nationalratswahlergebnis (8,2 Prozent).

Da hat’s was: Es ist weniger denn je ein Naturgesetz, dass Grüne von SPÖ-Verlusten profitieren. Zu tun hat das wohl damit, dass ihre Anhänger Enttäuschungen aus ihrer Regierungszeit erst überwinden müssen (das Nationalratswahlergebnis stand ja für einen Absturz, ausgehend von 13,9 Prozent).

Gewessler im Mittelpunkt

Darüber hinaus aber hat die Partei auch personelle wie inhaltliche Schwächen: Sie ist auf eine Person ausgerichtet, und diese Person, Leonore Gewessler, steht glaubwürdig für ihr Kernthema Klimaschutz. Das ist ein Punkt.

Dieses Thema konkurriert jedoch so stark wie noch selten mit vielen anderen, bei denen die Partei kaum wahrnehmbar ist: Ob wirtschaftliche oder soziale Unsicherheiten, Verteidigung oder die Gefährdung von Demokratie und europäischer Integration durch Feinde von innen und von außen – es mangelt den Grünen an profilierten Köpfen, die so Relevantes zu alledem liefern, dass sie für größere Bevölkerungsgruppen wählbar sein könnten.

Dieser Beitrag ist ursprünglich in der News-Printausgabe Nr. 11/2026 erschienen.

Kolumnen

Über die Autoren

Logo
Monatsabo ab € 21,75
Ähnliche Artikel
2048ALMAITVEUNZZNSWI314112341311241241412414124141241TIER