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Ingrid Thurnher räumt im ORF auf, spricht aber nicht darüber

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Peter Plaikner

©Matt Observe

Nach der Entlassung des Ex-Generaldirektors folgt die Beurlaubung des Werbevermarktungschefs. Dadurch sind schon die vier Bestverdiener 2025 des ORF außer Gefecht. Interimsgeneralin Ingrid Thurnher säubert offenbar mit eisernem Besen das Haus und vernachlässigt die externe Kommunikation.

Der ORF ist eine kleine Welt, in der die große ihre Probe hält. Wenn diese Abwandlung des überstrapazierten Zitats von Friedrich Hebbel zutrifft, dann: Gute Nacht Österreich! Nirgends fände die gleichnamige Satiresendung von Peter Klien aktuell mehr Grundlage als an ihrem Ursprung. Während die Medienlandschaft insgesamt dringend hilfreiche Politik benötigt, konzentriert sich alles auf die öffentlich-rechtliche Trutzburg. Durch diesen Tunnelblick wird es paradoxerweise aber noch unübersichtlicher.

Während Vizekanzler Andreas Babler am Montag bei einem Symposium zu „Medien und Demokratie“ die „Missstände“ auf dem Küniglberg als „wahre Katastrophe“ bezeichnet, dringt von dort der nächste Personal-Skandal nach außen: Werbevermarktungschef Oliver Böhm ist beurlaubt. Nach Pius Strobl, Roland Weißmann und Hannes Aigelsreiter vervollständigt er das Quartett der Bestverdiener außer Gefecht. Ingrid Thurnher räumt auf. Doch das Wie verschlechtert die Perspektive der interimistischen Generaldirektorin.

Sie wäre ideal zur Image-Politur

In die vorerst ungeteilte Freude über das dringendst benötigte freundliche Gesicht des ORF – die über Jahrzehnte vom Bildschirm populäre untadelige Journalistin – mischt sich zusehends heimliche Kritik von innen wie außen. Sie gilt weniger den Handlungen als ihrer Vermittlung. Denn es wirkt nach Management per Einigelung, während politische und mediale Gegner das nationale Medienhaus per Dauerfeuer sturmreif schießen.

Die Schlangengrube ORF ist derart komplex, dass sich das Dilemma nicht bloß intern bewältigen lässt. Es braucht offensive externe Kommunikation der Krisenbewältigung. Vor allem für diese Signale nach außen erschiene Thurnher als ideale Verkörperung. Tag für Tag Events mit ihr quer durch Österreich wären ein Image-Heilmittel. Das ist neben dem notwendigen „Ingrid räumt auf“ am Küniglberg schwer zu bewältigen. Aber ORF-Chefin ist nun einmal kein leichter Job. Und sie hat dafür ausreichend Mitarbeiter.

Viele Köche für Kommunikation

Dass es nach oben (Aufsicht) wie unten (Management) nicht immer die richtigen sind, ist mittlerweile hinreichend bekannt. Thurnher hat deshalb mit dem Transparenzbeirat ein Gremium ihres Vertrauens bestellt. So kommt neben den führenden Stiftungsräten Heinz Lederer (SPÖ) und Gregor Schütze (ÖVP) ein weiterer Kommunikationsberater ins Spiel: Alfred Autischer. Er dürfte manch andere Ansicht als ORF-Kommunikationschef Martin Biedermann vertreten. Doch wer immer wofür zuständig war: Von der Entlassung Weißmanns bis zur Beurlaubung Böhms hatten die Verlautbarungen Luft nach oben.

Während Thurnher anfangs als unschlagbar galt, wenn sie als Generalskandidatin antritt, mehren sich nun Zweifel, ob sie überhaupt will. Der eiserne Besen, mit dem sie derzeit das Haus säubert, spricht kaum dagegen – sehr wohl jedoch die Wurschtigkeit der Vermittlung nach außen. Es scheint ihr gleichgültig zu sein, ob sie sich Freunde macht. Das aber wirkt nach wie vor notwendig, um über das Interim hinaus ORF-Generalin zu werden. Die entscheidende ÖVP bevorzugte schon öffentlich eine externe Chef-Variante.

Was meinen Sie? Schreiben Sie mir: pp@plaikner.at

Dieser Beitrag ist ursprünglich in der News-Printausgabe Nr. 16/2026 erschienen.

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