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Der König sei am Freitag um 6.35 Uhr friedlich eingeschlafen, teilte das norwegische Königshaus mit. Bereits seit Anfang vergangener Woche war Harald im Krankenhaus gelegen. Wegen der Bluterkrankung hämolytische Anämie - einer Form der Blutarmut - war er mit Kortison behandelt worden, was zu einer Flüssigkeitsansammlung im Körper geführt hatte. Anschließend zog er sich zusätzlich eine bakterielle Infektion des Blutkreislaufs zu.
Wenn ein Staatsoberhaupt in Norwegen stirbt, übernimmt sein Nachfolger im selben Augenblick den Thron. Als wichtigster Termin gilt nach Angaben des Königshauses der verpflichtende Eid des neuen Königs auf die Verfassung, der von einer feierlichen Zeremonie begleitet wird. Schließlich werden der König und die Königin in der Regel einer Tradition zufolge gesegnet.
Nach Angaben des Osloer Hofes gibt es die Segnung seit 1163, damals noch als Teil einer Krönungszeremonie. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde die Krönungsklausel der Verfassung jedoch aufgehoben. Mit König Olav wurde 1958 eine neue Segnungszeremonie eingeführt, die Harald und Sonja 1991 fortführten. Auf die Segnung folgt traditionell eine Reise durch Norwegen.
Gesundheitlich war der norwegische König schon lange angeschlagen. Seit 2024 war er etwa dauerhaft auf einen Herzschrittmacher angewiesen. Außerdem hatte er häufig mit Atemwegs-Erkrankungen zu tun. Im Februar war der Monarch während eines Urlaubs auf Teneriffa mit seiner Frau, Königin Sonja, wegen einer Infektion ins Krankenhaus gekommen. Auch das Gehen fiel ihm seit längerer Zeit schwer. Den Thron vorzeitig seinem Nachfolger zu überlassen, wie es in den vergangenen Jahren mehrere europäische Monarchen getan hatten, war für Harald trotzdem nicht infrage gekommen. Seine royalen Pflichten absolvierte er bis zuletzt.
Seine Landsleute schätzten König Harald V. für seine zurückhaltende Art - und dafür, dass er klare Kante zeigen konnte, wenn es darauf ankam. Seine Reden waren oft geprägt von Mitmenschlichkeit und Taktgefühl. So tröstete er die Norweger nach den Terroranschlägen in Oslo und auf der Insel Utøya 2011. Nach der Flüchtlingskrise positionierte er sich mit einem Plädoyer für Vielfalt und Toleranz als besonnener Mahner. Beliebt war der Monarch auch wegen seines trockenen Humors. Er galt als begeisterter Segler und Wintersportler.
Den Thron hatte Harald 1991 nach dem Tod seines Vaters Olav V. bestiegen. Seine große Liebe Sonja heiratete er schon 1968 - obwohl sein Vater lange mit der Beziehung seines Sohnes zu einer Bürgerlichen gehadert hatte. Bei seinen eigenen Kindern war Harald toleranter: Auch sein Sohn Kronprinz Haakon heiratete mit Mette-Marit eine ganz normale Norwegerin. Seine Tochter Märtha Louise ist inzwischen in zweiter Ehe mit dem selbst ernannten Schamanen Durek Verrett verheiratet.
Ohne Harald V. ist unsicher, wohin die norwegische Monarchie steuert. Denn während der König in seinem Land enormen Rückhalt genoss, haben Skandale das Vertrauen in die Kronprinzenfamilie zuletzt stark erschüttert. Kronprinzessin Mette-Marit war wegen ihrer engen Freundschaft zu dem US-Sexualstraftäter Jeffrey Epstein in die Kritik geraten. Nach dem Tod des Königs übernimmt die 53-Jährige laut Aussagen von Verfassungsrechtlern nicht automatisch das Amt der Königin - die Entscheidung über ihre Rolle obliegt dem neuen König Haakon.
Mette-Marits ältester Sohn Marius Borg Høiby aus einer früheren Beziehung wurde im Juni unter anderem wegen zwei Vergewaltigungen nach norwegischem Recht zu vier Jahren Haft verurteilt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Viele Norweger sind seitdem unsicher, ob Mette-Marit wirklich das Zeug zur Königin hat.
