Der Finanzminister hat seine Aufgabe bisher so angelegt, dass er über beste Vertrauenswerte verfügt. Wenn er zusätzlich Vizekanzler wird, wird es schwer für ihn, dabei zu bleiben.
Finanzminister Markus Marterbauer (SPÖ) darf zufrieden sein: 44 Prozent der befragten Österreicher haben bei der jüngsten Erhebung für den Vertrauensindex, den das Meinungsforschungsinstitut OGM mit der Austria Presseagentur APA betreibt, erklärt, ihm zu vertrauen und nur 33 Prozent, es nicht zu tun. Natürlich: Es wirkt bescheiden.
Marterbauer erreichte damit jedoch bessere Werte als nicht nur alle übrigen Mitglieder der Bundesregierung, sondern zum Beispiel auch die amtierenden Parteivorsitzenden – inklusive den Oppositionsvertretern Herbert Kickl (FPÖ) und Leonore Gewessler (Grüne).
Überparteilich statt polarisierend
Wie ist das erklärbar? Der Finanzminister polarisiert nicht, sondern gibt sich überparteilich. Als linker Ökonom ist er ursprünglich zwar als „potenzieller Sprengmeister“ (Kronen Zeitung) der Koalition dargestellt worden, er nimmt sich selbst aber zurück und bekennt sich zum schwarz-rot-pinken Kompromiss.
So akzeptiert er, dass es keine Mehrheit für eine Erbschaftssteuer gibt, die er gerne hätte. Dem gemeinsamen Ziel, das gesamtstaatliche Defizit auf drei Prozent der Wirtschaftsleistung zu drücken, gibt er wiederum einen solchen Vorrang, dass es auch eigenen Parteifreunden wehtut.
Die Devise lautet: Jede Maßnahme muss gegenfinanziert werden. Nicht nur eine Lohnnebenkostensenkung, die ÖVP und NEOS wichtig ist, sondern auch die Halbierung der Mehrwertsteuer auf Grundnahrungsmittel, die im Juli vor allem auf Wunsch der SPÖ erfolgt ist. Herausgekommen ist zu ihrem Leidwesen die Paketsteuer, die seit 1. Oktober gilt und den Entlastungseffekt weitgehend auffrisst.
Es könnte noch schwer werden
Wenn Marterbauer Anfang des kommenden Jahres für die Sozialdemokratie die Funktion des Vizekanzlers von Andreas Babler übernimmt, wird derlei allerdings schwer für ihn. Und zwar unabhängig davon, ob er Babler in weiterer Folge auch als Parteivorsitzender nachfolgt oder nicht.
Dann kann er nicht nur sachorientiert im Sinne der Budgetsanierung agieren, sondern ist er immer auch das führende Regierungsmitglied der SPÖ – und als solches mit der Erwartung in ihren Reihen konfrontiert, Akzente zu setzen, die allein ihren Vorstellungen entsprechen und ihr helfen, in Umfragen wieder zuzulegen.
Johannes Huber, Journalist und Blogger schreibt jede Woche zu politischen Themen
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Dieser Beitrag ist ursprünglich in der News-Printausgabe Nr. 41/2026 erschienen.
